Südlink-Trasse durch Garbsen: Reaktionen auf Entscheidung
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Südlink-Trasse durch Garbsen: Reaktionen auf Entscheidung

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19:13 30.03.2021
„Wir haben durch gemeinsamen Einsatz viel erreicht“, sagt die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Angela Thimian-Milz. Die Stromtrasse soll auch zwischen Horst und Frielingen verlaufen, rote Holzkreuze stehen an der Strecke.
„Wir haben durch gemeinsamen Einsatz viel erreicht“, sagt die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Angela Thimian-Milz. Die Stromtrasse soll auch zwischen Horst und Frielingen verlaufen, rote Holzkreuze stehen an der Strecke. Quelle: Jutta Grätz
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Garbsen

Der Korridor der Stromtrasse Südlink im Westen von Hannover steht seit vergangenem Freitag fest – sie soll auch durch die Garbsener Stadtteile Frielingen, Horst und Altgarbsen verlaufen. Allerdings wird die endgültige Trasse deutlich weniger Raum in Anspruch nehmen.

„Ich bin nicht nur enttäuscht darüber, dass die Trasse in den Westen der Region Hannover gelegt wird, sondern auch, dass der Korridor sehr dicht am Dorf verläuft“, sagt Joachim Wieding, Biolandwirt aus Horst. Seit Jahren engagiert er sich in der Bürgerinitiative gegen Südlink in Garbsen. Im Korridor lägen die Horster Kirche, sein denkmalgeschütztes Hofensemble und das geplante Baugebiet Im Stühe. Ungeklärt seien noch die Regressansprüche der Landwirte wegen möglicher Spätfolgen durch die Stromkabel in 1,80 Metern Tiefe, etwa für den Ackerbau, sagt Wieding.

Biobauer Joachim Wieding hält die unterirdische Verlegung von Stromkabeln für kritisch und ökologisch bedenklich. Quelle: Gabriele Gerner (Archiv)

In Wiedings Enttäuschung mischt sich jedoch auch Zufriedenheit. Ursprünglich hatte der Netzbetreiber Tennet statt der geplanten Erdkabel Hochspannungsleitungen vorgesehen. Ein weiterer Vorteil sei der von Tennet angekündigte Einsatz neuer Kabeltechnik, die weniger Platz brauche und hoffentlich die Eingriffe in die Natur und den Boden minimiere. „All das haben wir auch durch unseren Einsatz erreicht.“

„Wir müssen mit dem Resultat leben und das Schlimmste verhindern“, sagt Wilfried Aick (SPD), Vorsitzender der Anti-Südlink-Initiative in Garbsen. „Schäden für Flora und Fauna durch die Stromtrasse müssen unbedingt vermieden werden“, sagt er. Neue Baugebiete und die Südlink-Trasse seien eine widersprüchliche Geschichte. „Wir brauchen unbedingt Wohnungsbau in Garbsen, und der Südlink ist ebenfalls unbedingter Wille des Gesetzgebers.“

Keine Abstandsregeln bei den Kabeln

Aber die Bauwilligen müssten genau über Verlauf und mögliche Folgen der Trasse informiert werden, fordert der SPD-Politiker. „Denn bei Erdkabeln gelten nicht die Abstandsregeln wie bei Überlandleitungen. Das bedeutet, dass die Stromtrasse jetzt noch näher an die Wohnbebauung rückt.“

Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin für Horst, Meyenfeld, Frielingen und Schloß Ricklingen, Angela Thimian-Milz (Unabhängige), fordert, dass die Trasse unbedingt auch in Bebauungsplänen hervorgehoben wird. „Die Planungshoheit der Stadt ist durch den Trassenverlauf eingeschränkt“, sagt sie, „insbesondere mit Blick auf die geplanten Neubaugebiete Im Stühe und an der Mühlenstraße.“

„Knackpunkt im Stadtgebiet Garbsen ist die Überlagerung der Trasse mit unseren geplanten Wohnbauflächen, beispielsweise Im Stühe in Horst“, sagt Garbsens Bürgermeister Christian Grahl. „Hierzu sind wir weiter mit Tennet im Gespräch.“ Es bleibe ausreichend Passageraum vorhanden, damit beide Vorhaben – also der Südlink und das Baugebiet – realisiert werden könnten.

Erdkabel statt hoher Masten: Bürgerinitiativen, Landwirte, Grundbesitzer und Einwohner haben sich 2019 über den aktuellen Stand der Südlink-Planung informieren können. Quelle: Markus Holz (Archiv)

Anwohner fordern Informationen

„Der Druck der Naturschützer, der BI, der Bevölkerung und der Verwaltung hat gewirkt“, meint auch Waldemar Wachtel, Vorsitzender des Nabu in Garbsen. Sensible Gebiete wie die Leine, die Garbsener Schweiz und auch die FFH-Gebiete in der Leinemasch würden für die Stromtrasse nicht zerschnitten, sondern unterbohrt. „Die Planer sind auf viele unserer Vorschläge eingegangen, das ist ein Teilerfolg.“

„Nicht erfreulich“ nennt der CDU-Ortsbürgermeister Peter Hahne die Entscheidung. „Aber wir müssen mit der Stromtrasse leben.“ Man könne nicht auf der einen Seite den Einsatz erneuerbarer Energien fordern und gleichzeitig den Südlink ablehnen.

„Ich wünsche mir eine intensive Information der Anwohner“, sagt Cornelia König, Chefin von Meißner Gartengestaltung. Die geplante Trasse verläuft dicht an ihrem Betrieb zwischen Horst und Frielingen vorbei. „Unser Unternehmen liegt in idyllischer Lage, Begeisterung sieht anders aus“, sagt sie zu der Entscheidung.

Von Jutta Grätz