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Nachrichten Polizei warnt vor Ablenkung durch Handys
Region Garbsen Nachrichten Polizei warnt vor Ablenkung durch Handys
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17:13 23.11.2018
Hendrik Rosen (links) und Karsten Schröder lesen Lebensziele der Schüler vor und lassen anschließend den Ballon zerplatzen. Quelle: Anke Lütjens
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Auf der Horst

Schnell eine Nachricht tippen, telefonieren oder mit Kopfhörern laute Musik hören – das Smartphone bietet viele Möglichkeiten. „Das könnt ihr ja auch gerne machen, aber nicht im Straßenverkehr“, sagt Polizist Karsten Schröder zu den Elftklässlern des Johannes-Kepler-Gymnasiums. Denn die Folgen sind dramatisch. Mit dem Projekt „Abgelenkt... ist neben der Spur“, das es seit zwei Jahren bei der Polizeiinspektion Garbsen gibt, wollen Schröder und seine Kollegen Schüler über die Gefahren der Handynutzung im Verkehr aufklären.

Tödliche Unfälle im Film

„Das wird euch sehr nahe gehen. Wenn ihr das nicht aushaltet, könnt ihr rausgehen und euch an Lehrer oder eine Seelsorgerin wenden“, rät Schröder. Denn die Beamten setzen bei dem knapp zweistündigen Workshop auf starke Gefühle und Betroffenheit, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Es werden drei Filme gezeigt, in denen es um tödliche Verkehrsunfälle geht, die nur durch Handynutzung verursacht wurden. Dazwischen erzählen Maren Fritzler und Carsten Lerbs von der Polizei, Burgdorfs Ortsbrandmeister Florian Bethmann und Notfallseelsorgerin Monika Leese, wie sie das Geschehen erlebt und verarbeitet haben. Leese und die Beamten berichten auch von den Reaktionen der Angehörigen, wenn sie die Todesnachricht überbringen müssen.

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Bahnfahrer haben keine Chance

Im ersten Film sehen die Schüler einen tödlichen Stadtbahnunfall, bei dem 2014 in Stöcken eine junge Frau getötet wurde. Die 25-Jährige hatte auf ihr Handy geschaut und über Kopfhörer laute Musik gehört, als sie auf dem Fußgängerüberweg von einer Stadtbahn erfasst wurde. „Das ist einfach rücksichtslos“, sagt eine Fahrerin der Verkehrsbetriebe Üstra über Verhalten wie dieses. Als Fahrer habe man keine Chance, sagt ein Kollege, der auch die psychischen Folgen anspricht. Es sei schwer, die Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen. Allein 2017 gab es in Hannover 111 Stadtbahnunfälle, bei denen vier Menschen starben.

Im zweiten Film geht es um einen Verkehrsunfall, bei dem der Vater eines jungen Mannes sein Leben verlor und der Sohn selbst schwer verletzt wurde. Der Fahrer eines entgegen kommenden Wagens war frontal gegen das Auto der Familie geprallt, weil er telefoniert hat. „Kein Anruf, keine Nachricht ist so wichtig. Es ist es nicht wert, dass ein Mensch dadurch stirbt und sich das ganze Leben verändert“, sagt die Mutter im Beitrag. Wie schnell das Leben vorbei sein kann, machen Schröder und sein Kollege Hendrik Rosen deutlich, als sie Lebensziele der Schüler vorlesen und dann den Ballon, an dem sie angebracht sind, platzen ließen.

Polizei wendet sich an Fahranfänger

Mit ihrem Projekt wenden sich die Beamten an Fahranfänger, denn sie stellen eine Risikogruppe dar. Nur 7,7, Prozent der Autofahrer sind Fahranfänger, sie verursachen aber 68.000 Unfälle im Jahr. „Täglich stirbt statistisch in der Bundesrepublik mehr als ein Jugendlicher pro Tag“, sagt Schröder. Gemeinsam mit Rosen lässt er die Schüler für vier Sekunden die Augen schließen. So kurz dauert der Blick aufs Handy – das Auto hat in dieser Zeit allerdings 28 Meter zurückgelegt.

Von Anke Lütjens