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Region Garbsen Nachrichten So viel Spaß macht der Trendsport Blasrohrschießen
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11:13 09.04.2018
Alfred Kubosz erklärt HAZ/NP-Redakteur Gerko Naumann den Umgang mit dem Blasrohr. Quelle: Anke Lütjens
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Berenbostel

 Alfred Kubocz steht ganz still da und nimmt sein Ziel konzentriert ins Visier. Dann holt der Vorsitzende des Schützenvereins Berenbostel Luft und pustet mit einem kurzen, kräftigen Stoß in das Blasrohr vor seinem Mund. Nur wenige Hundertstelsekunden später platzt ein Luftballon, der etwa acht Meter entfernt an einer Zielscheibe hängt. Kubocz scheint selbst ein wenig überrascht zu sein von seiner Treffsicherheit und gibt sich bescheiden: „Das war jetzt wirklich Glück.“

Der Trend kommt aus Bayern

Aber das gehört eben auch dazu beim Blasrohrschießen. Diese Trendsportart schwappt gerade aus Bayern in Richtung Norddeutschland. Fast alle Schützenvereine in Garbsen testen derzeit, ob sie sie ins Programm aufnehmen sollen. Die Grundausstattung ist mit 150 Euro erstaunlich günstig, sagt Kubocz. Dafür hat der Verein zwei Blasrohre, mehrere Zielscheiben, Mundstücke sowie Pfeile angeschafft. „Für den Preis bekommt man nicht mal einen Teil eines Luftgewehrs“, sagt der Schützenchef.

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Der SV Berenbostel hat für Sonntag sogar einen eigenen Probetag für das Blasrohrschießen geplant, zu dem jeder kommen kann. Denn das ist einer der Vorteile der Trendsportart: Vorkenntnisse sind nicht nötig. „Das kann jeder, der eine Kerze auspusten oder ein Kaugummi ausspucken kann“, sagt Kubocz. Doch ist es wirklich so einfach? Das will ich wissen.

Der Test: Ist es wirklich so einfach?

Die Vorbereitungen und Kubocz’ kurze Einführung dauern nur wenige Minuten. „Das frisch desinfizierte Mundstück schrauben wir auf der hinteren Seite des Blasrohrs an“, erklärt er. Dann greift er nach einem Holzpfeil, der erstaunlicherweise exakt wie ein Schaschlik-Spieß aussieht. „Den stupsen wir mit leichtem Druck in das Rohr“, erklärt Kubocz. Bis hierhin ganz einfach.

Jetzt kommt der anspruchsvollere Teil: das Zielen. Doch auch da bereitet mich der Experte gut drauf vor: „Sie müssen über das Rohr hinweggucken und ein bisschen schielen. Dann sehen sie den Lauf doppelt. In der Mitte sollte der Pfeil landen“, rät Kubocz. Das probiere ich doch gleich mal aus und schicke das Holzgeschoss mit einem etwas zaghaften Puster auf die Reise. Die endet zwar immerhin auf der mit Kork unterlegten Staffelei, aber noch außerhalb der Zielscheibe.

Sport garantiert schnelle Erfolgserlebnisse

„Etwas mehr Power“, sagt Kubocz aufmunternd. Kerze auspusten? Von wegen, denke ich. Aber immerhin: Mein Ehrgeiz ist geweckt. Einige Versuche später treffe ich erst die Scheibe und dann sogar deren inneren Kreis. „Das ist eine glatte 10“, lobt Kubocz und ich balle vor Freude die Faust. Mein Fazit: Das Blasrohrschießen ist wirklich unkompliziert, macht Spaß und garantiert rasche Erfolgserlebnisse.

Die wollen Kubocz und seine Mitstreiter am Sonntag, 8. April, allen in Berenbostel bieten. Deshalb beginnt der Schnuppertag fürs Blasrohrschießen um 15 Uhr. Bis 18 Uhr können Interessierte in der Schützensportstätte, Corinthstraße 2, mit Pfeilen auf die Scheiben zielen.

Verein will gezielt Flüchtlinge gewinnen

Ganz speziell richte sich das Angebot auch an die Flüchtlinge im Stadtteil, sagt der Vorsitzende. „Wir wollen die Neubürger gern für unseren Sport begeistern und ins Vereinsleben integrieren“, so Kubocz. Gerade Menschen, die vor Krieg geflüchtet sind, wolle er aber kein Gewehr in die Hand drücken. „Das passt nicht“, findet Kubocz und setzt deshalb auf das Blasrohr. Zwar sei auch dabei immer Aufmerksamkeit gefordert, um niemanden zu verletzen, aber: „Es ist keine Waffe.“

Von Gerko Naumann