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Nachrichten Kühlschränke und Schrott: Wilde Müllkippen in Garbsen nehmen zu
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Garbsen: Wilde Müllkippen nehmen laut Abfallentsorger Aha zu

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17:26 30.08.2020
Frisch entsorgt: Dieses Mülllager haben Anlieger vom Kastendamm am Mittwoch in der Nähe des Kneipp-Beckens entdeckt. Quelle: Privat
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Garbsen

Kühlschränke, Toaster, Mikrowellen, Fahrräder und Schrott: Immer öfter müssen die Mitarbeiter der Servicebetriebe der Stadt Garbsen illegal entsorgten Müll beseitigen. An diesem Wochenende meldete die Polizei Garbsen, dass Unbekannte auf einem Wanderparkplatz an der Resser Straße in Heitlingen etwa zwei Kubikmeter alten Hausrats entsorgt hatten. Sie hat die Ermittlungen aufgenommen. „Das Müll-Rowdytum hat zugenommen“, sagt auch Meino Heuer, der Leiter der Servicebetriebe. Alles, was im Haushalt an Unrat anfalle, werde in der Natur entsorgt.

Ein Grund für die Zunahme wilder Müllkippen könnte laut Heuer sein, dass der Wertstoffhof in Garbsen-Berenbostel seit Ende 2018 keine Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde mehr annimmt. Wer sie entsorgen will, muss zu den Deponien nach Lahe, Kolenfeld, Burgdorf, Hannover-Linden oder Sehnde fahren. „Es wäre einfacher, wenn die Leute das in Garbsen abgeben könnten“, sagt Heuer. „Sie haben offenbar keine Lust auf weitere Fahrten.“

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Der Wertstoffhof in Berenbostel nimmt seit Ende 2018 keine Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde mehr an. Quelle: Gerko Naumann (Archiv)

Auch der Entsorger Abfallwirtschaft Hannover (Aha) bestätigt eine Zunahme der wilden Müllkippen. „Es gibt vermehrt illegal abgelagerten Müll in Wald und Flur im Umland der Region Hannover. Im Bereich Garbsen hatten wir in diesem Jahr bereits 26 Meldungen über wilden Müll“, teilt Unternehmenssprecherin Helene Herich mit. Im Umland – ohne die Stadt Hannover – gab es im vorigen Jahr 935 Meldungen; die Müllabfuhr holte dabei 111 Tonnen ab. In diesem Jahr sind es bereits mehr als 1300 Meldungen bei Aha. Ein Grund könnte auch die Corona-Pandemie sein: Viele Menschen nutzten die Zeit, um zu Hause auszumisten.

Papierkörbe sind überfüllt

Aber nicht nur Elektrogeräte werden illegal entsorgt. Auch in den rund 700 Papierkörben in Garbsen finden die Aha-Mitarbeiter immer wieder Dinge, die dort nicht hineingehören. „Das ist nervig und geht auf Kosten der Gebührenzahler“, sagt Servicebetriebsleiter Heuer. Die Papierkörbe werden einmal in der Woche geleert. Die Servicebetriebe sind dafür mit zwei Fahrzeugen unterwegs, die immer schneller voll werden.

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Ein ähnliches Problem zeigt sich seit Jahren an der Wertstoffinsel Am Hechtkamp in Berenbostel. Dort bilden sich regelmäßig neben den Containern Berge von Altkleidern, Papiermüll und Elektrogeräten.

Immer wieder wird an der Wertstoffinsel Am Hechtkamp in Berenbostel wilder Müll entsorgt – wie hier im Juli 2020. Quelle: Ariane Rother (Archiv)

Neue Aufteilung der Wertstoffhöfe?

Um illegale Müllentsorgung ging es auch beim diesjährigen Waldfegen der SPD Garbsen-Mitte/Altgarbsen in der Garbsener Schweiz. Ein Teilnehmer berichtete, dass er im dortigen Wald einen Herd entdeckt habe. Ein anderer hat an der Flutbrücke zwischen Garbsen und Seelze einen Kühlschrank gesehen. Der Landtagsabgeordnete Rüdiger Kauroff und der Regionsabgeordnete Karsten Vogel haben angekündigt, nach Lösungen zu suchen. „Ich erhoffe mir eine Verbesserung der Situation, wenn das Regionsparlament noch mal mit Aha über eine neue Aufteilung der Wertstoffhöfe spricht“, sagt Kauroff.

Was kann ich wo abgeben?

Elektrokleingeräte, die nicht größer als 50 Zentimeter sind, können auf allen 21 Wertstoffhöfen der Region kostenlos abgegeben werden. Dazu gehören auch Fernseher und Monitore jeder Größe sowie Kleidung und Schuhe mit Elektronik.

Elektrogroßgeräte können auf den Deponien in Lahe, Burgdorf und Kolenfeld sowie bei den Annahmestellen in Hannover-Linden, Bissendorf und Sehnde entsorgt werden. Darunter fallen: Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde. Die Anzahl ist auf zwei Geräte pro Tag beschränkt. Außerdem nehmen die Deponien Elektrowerkzeuge sowie Möbel und Möbelteile mit nicht ausbaubarer Elektrik an, zum Beispiel elektrisch verstellbare Schreibtische oder Mobiliar mit Beleuchtung.

Fotovoltaikmodule und Nachtspeicheröfen nehmen nur die Wertstoffhöfe auf den Deponien Kolenfeld, Burgdorf und Lahe entgegen.

Gegen eine Gebühr holt der Abfallentsorger Aha Großgeräte auch ab. Anmeldungen sind unter www.aha-region.de möglich. Aha empfiehlt außerdem, das Rücknahmesystem von Herstellern oder Verkäufern zu nutzen.

Wer seinen Müll illegal in der Natur entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld nach sich ziehen kann. Bei ungefährlichen Stoffen kann das bis zu 100.000 Euro betragen. Bei gefährlichen Sachen wie Öl, Asbest und Kühlschränken handelt es sich um eine Straftat, bei der Polizei und Staatsanwaltschaft tätig werden. „Wir appellieren an die Menschen in der Region Hannover, Aha zu unterstützen und den Müll nicht einfach wild zu entsorgen“, sagt Sprecherin Herich.

Jeder habe die Möglichkeit, den Müll auf den entsprechenden Wertstoffhöfen, bei Sammelstellen und im Sperrmüll fachgerecht entsorgen zu lassen so Herich. Unter der kostenlosen Service-Hotline (0800) 9991199 nimmt der Entsorger Hinweise auf wilden Müll an. Die wilden Müllstellen innerhalb von Ortschaften werden allerdings nicht von Aha geräumt, dafür ist die jeweilige Kommune selbst zuständig – in Garbsen sind das die Servicebetriebe.  

Von Anke Lütjens