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Region Garbsen Nachrichten So reagiert Garbsen auf den dramatischen Wassermangel
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18:29 27.06.2019
Dem Wasserverband Garbsen-Neustadt geht das Trinkwasser aus – die Bürger müssen deshalb sparen. Quelle: Gerko Naumann/Stadt Garbsen
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Garbsen

Beim Wasserverband Garbsen-Neustadt klingeln seit Donnerstagmorgen fast ununterbrochen die Telefone der Servicehotline. Viele Menschen haben Fragen. Denn der Verband hat angekündigt, dass die Kunden ab Donnerstagmittag für viele Zwecke kein Trinkwasser mehr benutzen dürfen – etwa zum Auffüllen von Pools, zum Autowaschen und zum Bewässern der Pflanzen im eigenen Garten. Nach nur wenigen Tagen starker Hitze war der Verbrauch von Trinkwasser stark gestiegen und der Pegel der Tanks beim Wasserverband massiv gesunken. Entwarnung scheint nicht in Sicht: Auch für das Wochenende sind wieder Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius angekündigt.

Wasser ist knapp wie nie

„Viele Leute wollen jetzt wissen, ob sie ihre teuren Pflanzen noch gießen oder das Planschbecken für ihre Kinder mit Wasser füllen dürfen“, sagt Sebastian Kratz, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserverbands. Und wie lautet die Antwort darauf? Grundsätzlich nein, aber: „Es gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, sagt Kratz. Jeder sollte also kritisch prüfen, ob er wirklich Trinkwasser für seine Zwecke verbrauchen müsse. Die Situation ist aber tatsächlich so ernst wie noch nie, gibt Kratz zu bedenken.„Im schlimmsten Fall können Krankenhäuser nicht mehr versorgt werden, oder der Feuerwehr fehlt es an Löschwasser“, mahnt der stellvertretende Geschäftsführer.

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Für die Feuerwehren in Garbsen gelten die Beschränkungen zum Wasserverbrauch nicht. Trotzdem beteiligen sich auch die Ehrenamtlichen an den Sparmaßnahmen, berichtet Stadtbrandmeister Ulf Kreinacker. „Keine der Ortsfeuerwehren plant vor den Ferien noch eine große Übung, bei der Tausende Liter Wasser benötigt werden“, sagt er.

Abkühlung für Kinder ist gesichert

Gibt es nun bei der Hitze also auch keine Abkühlung für die Jungen und Mädchen in Garbsener Kindergärten mehr? Diese Frage hat sich auch Uwe Brandt, Leiter der AWO-Kita an der Jahnstraße in Altgarbsen, nach der Berichterstattung über die Trinkwasserknappheit gestellt. „Heute ist es zum Glück nicht ganz so warm, sonst wären wir in einen moralischen Konflikt geraten“, sagt er. Selbstverständlich wollen die Pädagogen kein Wasser verschwenden. „Aber ganz ohne Abkühlung für die Kinder geht es auch nicht“, sagt Brandt. Im Kindergarten in Schloß Ricklingen stellt sich das Problem nicht, sagt Leiterin Alexandra Grupe-Hee. „Wir pumpen das Wasser für unseren Wasserlauf aus einem eigenen Brunnen“, sagt sie.

Die Kleingärtner der Kolonie Moorgrund in Garbsen-Mitte versorgen ihre prachtvoll blühenden Pflanzen ebenfalls nicht mit Trinkwasser, erläutert der ehemalige Vorsitzende Wolfgang Hohmeyer. „Jede Parzelle hat ihren eigenen Brunnen“, sagt er. Das Wasser daraus werde zum Gießen genutzt, zum Trinken sei es nicht geeignet. Dafür gibt es eine kleine Wasserstelle, an der sich jeder Trinkwasser holen kann – etwa zum Kaffeekochen.

Wolfgang (links) und Sigrid Homeyer gießen ihre Blumen in der Kolonie Moorgrund nur mit Wasser aus dem eigenen Brunnen. Quelle: Gerko Naumann

Landwirte sind nicht betroffen

„Dass die Tanks des Wasserverbandes komplett leer sind, ist wirklich eine sehr außergewöhnliche Situation“, findet auch Dirk Grahn, Landwirt aus Schloß Ricklingen. Die Landwirte seien von den Einschränkungen des Wasserverbandes allerdings nicht betroffen, weil sie das Grundwasser mit eigenen Pumpen aus der Erde holen. Das einzige, was eingeschränkt werden könnte, sei die Beregnung. „In Garbsen werden die Felder derzeit aber nicht beregnet“, sagt Grahn. Wenn die Wasserknappheit aber anhalte, könnten die Landwirte auch zum Sparen aufgerufen werden – denn durch das Pumpen sinke der Grundwasserspiegel ab.

Servicebetriebe nutzen Wasser aus dem Kanal

Etwa 30.000 Liter Wasser brauchen die Servicebetriebe der Stadt, um bei Trockenheit neu eingesetzte Bäume und Beete zu gießen. Das Wasser kommt nicht aus der Leitung, sondern aus dem Mittellandkanal – daher ist die Stadt von den Einschränkungen des Wasserverbandes nicht betroffen. „Wir haben eine offizielle Genehmigung der Region Hannover, dass wir das Wasser dort entnehmen dürfen“, sagt Meino Heuer, Leiter der Servicebetriebe. Drei Fahrzeuge, die etwa 3000 Liter Wasser fassen, werden mehrmals am Tag vollgepumpt und versorgen die Pflanzen im Stadtgebiet. „Das Wasser nutzen wir allerdings auch für die Reinigung des AbwasserKanalnetzes“, sagt Heuer. Die Servicebetriebe müssen ganz genau dokumentieren, wie viel Wasser sie dem Kanal entnehmen.

„Wir gießen allerdings nur die Pflanzen, die es am nötigsten haben“, sagt Jürgen Schmoling, Leiter des Bereichs Grünflächen. Bei einer Trockenheit wie in diesen Tagen werde die Bewässerung auf das mindeste zurückgefahren – ganz einstellen könne man sie allerdings nicht, sagt Schmoling. Ab Mai sind die Mitarbeiter der Servicebetriebe mit den Tankwagen im Stadtgebiet unterwegs. Um sich ein wenig Arbeit und Laufwege zu ersparen, sind fast 30 junge Bäume in Garbsen mit einem Wassersack ausgestattet. Der Plastiksack ist um den Stamm gelegt und fasst etwa 100 Liter Wasser. Kontinuierlich wird davon etwas an den Boden abgegeben. „Das ist bei dem ganzen Gießen zumindest eine kleine Arbeitserleichterung“, sagt Heuer.

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Von Gerko Naumann und Linda Tonn