Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Bestattungen in Schloß Ricklingen: So geht es mit den Plänen für den Ruhewald weiter
Region Garbsen Nachrichten Bestattungen in Schloß Ricklingen: So geht es mit den Plänen für den Ruhewald weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 29.06.2019
Planen seit 2014 am Bestattungshain in Schloß Ricklingen: Karl-Otto Eckartsberg (links) und Norbert Gehrke. Quelle: Jutta Grätz
Anzeige
Schloß Ricklingen

Das Ruhewald-Projekt der Garbsener Humanisten (HVD) gewinnt an Brisanz: Die Stadt will den Verband für die Nutzung der Flächen des städtischen Friedhofs am Lönsweg in Schloß Ricklingen zur Kasse bitten – mit jährlich 5000 Euro und einer einmaligen Summe von 20.000 Euro. Die Humanisten planen in der Verlängerung auf einem rund 7100 Quadratmeter großen Gelände einen Bestattungshain. „Wir sind davon einigermaßen irritiert“, sagen der Vorsitzende der Garbsener Humanisten, Karl-Otto Eckartsberg, Gründungsmitglied Norbert Gehrke und Guido Wiesner, Präsident des HVD Niedersachsen. Die drei hatten sich am vergangenen Mittwoch mit Vertretern der Stadtverwaltung im Rathaus getroffen. Thema: der Vertragsentwurf über die Nutzung der Flächen.

„Der HVD vergütet den entstehenden Mehrunterhaltungsaufwand an die Stadt mit einer jährlichen Zahlung in Höhe von 5000 Euro“, heißt es in dem Entwurf. Zudem müssten das vorhandene Wegenetz und die Zaunanlage erweitert beziehungsweise verändert werden. Dafür sei eine einmalige Zahlung von 20.000 Euro noch vor Erteilung der Baugenehmigung zu zahlen. „Das ist ein dicker Brocken für uns – diese Summen haben wir vor ein paar Tagen zum ersten Mal gehört“, sagt Wiesner. „Darüber muss unser Landesvorstand entscheiden.“ Die Humanisten planen den Ruhewald seit 2014.

Anzeige

495.000 Euro allein für die Nutzung

„Dass es einen Vertrag zwischen der Stadt und dem Verband über die Nutzung geben wird, war von Anfang an klar“, sagt der Vorsitzende Eckartsberg. „Aber über Summen wurde nie gesprochen.“ Bei der geplanten Vertragsdauer von 99 Jahren seien das 495.000 Euro allein für die Nutzung. Auch die Beteiligung mit 20.000 Euro an der Umgestaltung von Wegen und Zaunanlage sei für den mit 63 Mitgliedern eher kleinen Ortsverband eine Herausforderung. „Diese Beträge können wir nicht nachvollziehen“, sagt Eckartsberg. Die Humanisten finanzierten das Grundstück zwischen Lönsweg und Leineaue und haben bereits rund 20.000 Euro für die Planung bezahlt.

Das Projekt habe eine große Außenwirkung für die Stadt, so Wiesner. Das Angebot des Bestattungshains sei ein regionales und richte sich an alle Bürger, nicht nur an Mitglieder der Humanisten. Der Verband rechnet mit etwa zwei Bestattungen pro Woche. Aktuell gebe es mehr als 400 Interessenten, zum größten Teil kommen sie aus Garbsen, manche aus Seelze und Wunstorf, einzelne aus Hannover. „Allein beim Fest der Vereine Mitte Juni haben sich weitere 35 Interessenten gemeldet“, sagt Eckartsberg. „Auch Garbsens Bürgermeister Christian Grahl hat uns von Anfang an signalisiert, dass er das Projekt befürwortet.“ Die Stadt unterstütze auch viele andere Aktionen der Garbsener Humanisten wie die Einschulungsfeier für Erstklässler und würdige das Engagement der Humanisten als Kita-Träger.

„Wir wünschen uns, dass es beim Projekt Bestattungshain kein Konkurrenzdenken zwischen städtischen und kirchlichen Friedhöfen sowie unserem Angebot gibt“, sagt Eckartsberg. „Und wir wenden uns eindringlich gegen eine Diskriminierung von nichtreligiösen Menschen.“ Der Vorsitzende verweist zudem auf einen Vertrag zwischen der Stadt und der evangelischen Kirchengemeinde Osterwald aus dem Jahr 1983 für die Nutzung der Friedhofskapelle in Heitlingen. Dort heißt es, dass die Stadt die Gemeinde bei außerordentlichen Lasten und Abgaben wie Erschließungskosten und Friedhofserweiterungen unterstütze. „Selbstverständlich behandeln wir Gleiches gleich“, schreibt Bürgermeister Grahl, „ich schaue mir das persönlich an.“

Sind irritiert über die Pläne der Stadtverwaltung: Karl-Otto Eckartsberg (von links), Guido Wiesner und Norbert Gehrke. Quelle: Jutta Grätz

Humanisten planen Bestattungshain seit 2014

Die ersten Ideen für den Bestattungshain stammen aus dem Jahr 2014, seit Anfang 2018 liegt der Bebauungsplan der Stadt Garbsen vor. Mehrfach gab es dazu Gespräche zwischen der Stadt und den Initiatoren der Garbsener Humanisten (HVD) um ihren Vorsitzenden Karl-Otto Eckartsberg. Humanisten und Planer besserten wiederholt nach. Der Grund: Formell sei vieles nicht korrekt gewesen, zudem habe es Einwände zur Gestaltung des geplanten Andachtsplatzes gegeben, so Eckartsberg. Diskussionspunkte waren auch Parkplätze und fehlende Fahrradbügel. „Rund 20 Punkte müssen aktuell noch geändert werden“, sagte Eckartsberg. Bis Mitte Juli will der HVD die aktualisierte Planung der Stadt vorlegen. Noch vor Kurzem habe Bürgermeister Christian Grahl ihm in Aussicht gestellt, dass der Rat im November 2019 über den Bebauungsplan für den Bestattungshain beschließe, sagt der HVD-Vorsitzende. Anschließend müssen Experten der Region, der Wasserwerke, des Forstamts und der Stadtwerke erneut beteiligt werden und die Themen Naturschutz, Bodenbelastung, Gewässerschutz in den Blick nehmen. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass Mitte 2019 alles entschieden ist“, sagt Eckartsberg. jgz

Von Jutta Grätz