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Region Garbsen Nachrichten Kirchengemeinde pflanzt Baum für Urnengräber
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14:35 20.12.2018
Mitglieder der Kirchengemeinde Schloß Ricklingen haben die Blutbuche vor der Barockkirche eingepflanzt. Quelle: Gerko Naumann
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Schloß Ricklingen

Noch ist es eher ein Bäumchen. In einigen Jahren soll die neu gepflanzte Blutbuche auf dem Friedhof an der Barockkirche in Schloß Ricklingen aber schon vier bis fünf Meter hoch gewachsen sein. Für die Kirchengemeinde ist sie ein ganz besonderer Baum, weil sie Teil eines Umdenkens in der Bestattungskultur sein soll. Im Schatten der Blutbuche sollen bis zu 18 Plätze für Urnengräber geschaffen werden.

Pflegeleichter Gräber sind gefragt

„Diese Art der Bestattungen werden immer mehr nachgefragt, weil sie für die Angehörigen weniger Arbeit bedeuten“, erklärt Heidi Narten-Struß, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Im Frühjahr soll das Beet rund um den neuen Baum hübsch bepflanzt werden. Das wird dann durch Steine eingegrenzt. Darauf werden Plaketten befestigt, auf denen das Geburts- und das Sterbedatum sowie der Name der Verstorbenen eingraviert werden. Das ist wichtig, denn: „Anonyme Bestattungen gibt es auf kirchlichen Friedhöfen nicht“, sagt Narten-Struß.

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Wer sich für ein Urnengrab unter der Blutbuche entscheidet – das ist auch schon zu Lebzeiten möglich –, kann sich ab sofort bei der Kirchengemeinde in Schloß Ricklingen melden. Sie sind aber nur ein Teil der sich wandelnden Bestattungskultur, ergänzt Martin Trzeba vom Kirchenvorstand. Viele Verstorbene hätten schlicht keine Angehörigen mehr oder diese lebten weit weg. Die Zeit der Familiengräber mit Platz für bis zu acht Gräbern sei vorbei. Stattdessen seien etwa sogenannte Rasensarggräber „im Trend“. Auch die sind mit deutlich weniger Pflegeaufwand verbunden, weil sie kein eigenes Beet haben. „Trotzdem haben Angehörige einen Platz, wo sie Blumen ablegen und ihrer Lieben gedenken können“, sagt Trzeba.

Solche pflegeleichten Rasensarggräber werden immer mehr nachgefragt. Quelle: Gerko Naumann

Ohnehin sei es Ziel der Gemeinde, den Friedhof wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen – und nicht nur zu einem Ort der Trauer. „Wir müssen es schaffen, dass die Leute hier gern hinkommen, weil es einfach schön aussieht“, sagt der Kirchenvorstand.

Skepsis gegen Pläne der Humanisten

Mit der Erweiterung ihres Bestattungsangebotes reagiert die Kirchengemeinde Schloß Ricklingen auch auf Pläne der Humanisten in Garbsen. Die wollen am zweiten, städtischen Friedhof im Ort einen Ruhewald errichten. Dieser Idee sieht Trzeba skeptisch entgegen – aus einem ganz pragmatischen Grund: „Es gibt jetzt schon ein zu großes Angebot an Platz auf den Friedhöfen, auch weil die Grabstätten immer kleiner werden“, sagt er. Deshalb sei es wirtschaftlich unsinnig, dass durch das Angebot der Humanisten zusätzliche Grabstellen geschaffen werden, die gepflegt werden müssen.

Gespendet wurde der etwa 700 Euro teure Baum auf dem Friedhof an der Kirche vom Ehepaar Marlis und Heinrich Thiele aus Schloß Ricklingen. Um dessen Pflege – und die des gesamten kirchlichen Friedhofs – kümmert sich der Garten- und Landschaftsbau-Meisterbetrieb Dorn-Röschen aus dem Ort.

Von Gerko Naumann