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Region Garbsen Nachrichten Helfer finden beim Müllsammeln Altöl und viel Plastikmüll
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00:18 03.04.2019
Das hat sich gelohnt: Die Helfer haben bei der Aktion Waldfegen in der Garbsener Schweiz viel Unrat und Müll zusammengetragen. Quelle: Jutta Grätz
Altgarbsen

Ein Chipsdose in knallgrün, zwei Laminatbretter in Buche-Dekor und glitzerndes Bonbonpapier: Karin Kuhn hat aufmerksame Adleraugen. Konzentriert ist die stellvertretende Ortsbürgermeisterin in der Garbsener Schweiz unterwegs, in der einen Hand die Greifzange, in der anderen einen pinkfarbenen Müllsack. Kuhn und ihre Mitstreiterin Andrea Stassek erspähen fast alles, was an den Wegen des Erholungsgebiets liegt. Die beiden Frauen und fast 20 weitere Helfer haben sich am Sonnabend an der Umweltaktion Waldfegen der SPD-Abteilung Altgarbsen/Garbsen-Mitte beteiligt. Zum 45. Mal hatte der Vorstand um den Vorsitzenden Wilfried Aick zum Frühjahrsputz in Garbsens Naherholungsgebiet aufgerufen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die Müllsammler haben nicht nur 13 Säcke gut gefüllte Abfallsäcke zusammengetragen, sondern auch einen mit Altöl gefüllten Kanister entdeckt. Und diesen haben sie noch am Nachmittag dem Notdienst der städtischen Servicebetriebe übergeben.

Bereits nach zehn Minuten kehren Kuhn und Stassek zum Parkplatz am Eingang zum Trimm-Dich-Pfad zurück. Beide tragen je einen weißen 25-Liter-Kanister. „Die lagen unter dem Laub versteckt“, sagt Stassek, die zum ersten Mal beim Waldfegen dabei ist. Beide drehen eine weitere Runde und finden außer viel Plastikmüll und Glasflaschen auch vollgemachte Windeln. „Das ist schon ziemlich eklig“, findet Stassek.

Aktion gibt es seit 1974

Unangenehm sind auch die Fundstücke von Uwe Roßberg und seiner Frau Hannelore. Die beiden haben sich ein kleines Waldstück an der Rastanlage der A2 vorgenommen. „Das gehört zwar nicht zur Garbsener Schweiz, aber wir säubern es trotzdem“, sagt Roßberg, in den Handschuhen einen Haufen Zigarettenkippen. „Da hat wohl jemand seinen Aschenbecher geleert“. Seine Frau pikt derweil unzählige Papiertaschentücher auf. Der Geruch ist penetrant. „Diese Hinterlassenschaften sind eine Sauerei“, sagt sie. „Die Rastanlage hat doch eine Toilette.“ In einer anderen Ecke zieht Roßberg ein schwarzes Möbelstück aus Metall aus dem Gebüsch. Gleich daneben liegt eine Autoscheibe – komplett zersplittert. Roßberg zieht sie vorsichtig in den pinkfarbenen Müllsack.

1974 hatte Roßberg als damaliger Vorsitzende der SPD-Abteilung den Anstoß zur der Aktion gegeben. „Ich wohnte damals in Altgarbsen, wir waren hier oft mit dem Rad unterwegs“, sagt er. „Der Müll hat uns genervt“, ergänzt seine Frau Hannelore. Nun sammelt die Garbsener SPD bereits seit mehr als vier Jahrzehnten immer im Frühjahr vor der Brut- und Setzzeit.

Während Andy Jakubczyk eine verrostete Anhängerkupplung zum Treffpunkt bringt, legt Roland Machold behutsam den Kanister mit Altöl neben die Müllsäcke. „Das ist Umweltfrevel. Er ist glücklicherweise noch nicht ausgelaufen.“ Julian Cremer reagiert schnell und wählt die Nummer des städtischen Notdienstes. „Das muss gesondert entsorgt werden“, sagt er. Der 18-Jährige von der Garbsener Feuerwehr nimmt schon zum dritten Mal am Waldfegen teil. In knapp zehn Minuten trifft Sven Schlebrowski von den Servicebetrieben ein, am Montag wird das Öl fachmännisch beseitigt. „Ich finde es immer wieder erschreckend, wie viel Müll in diesem kleinen Stück liegt“, sagt der Landtagsabgeordnete Rüdiger Kauroff nach der Aktion. Am Montag werden alle pinken Säcke vom Entsorger Aha abgeholt.

Garbsener Schweiz ist ein Wirtschaftswald

Die Garbsener Schweiz liegt am südlichen Rand der Stadt Garbsen zwischen Altgarbsen und Schloß Ricklingen. Sie erstreckt sich auf einem eiszeitlichen Geestrücken, der im Süden von der Leine begrenzt wird. Das Gebiet ist ein beliebtes Erholungsgebiet und Ausflugsziel für Jogger, Spaziergänger, Radfahrer und Hundebesitzer. Die Fläche ist auch ein Wirtschaftswald, betreut von der staatlichen Forstverwaltung. Diese lässt dort regelmäßig Bäume fällen, um einen gesunden Mischwald zu erreichen. 2016 musste Revierförster Thomas Deppe mehr als 100 Jahre alte Kiefern fällen, aber auch ältere Ahorne und Eichen. Im darauffolgenden Frühjahr hatte die Forstverwaltung neue Bäume setzen lassen, vorwiegend Buchen und Douglasien. „Die regelmäßige Holzernte und die anschließenden Baumpflanzungen haben die Struktur des Waldes positiv verändert“, sagt Waldemar Wachtel, Vorsitzender des Garbsener Nabu. Der Wald sei dichter geworden und biete jetzt Lebensraum für viele bodennahe Tierarten.

In dem Erholungsgebiet trifft die Leine auf die Garbsener Berge und wird daher als sogenannte Schweiz bezeichnet. Wo die Leine an den Bergen nagt, ist es tatsächlich sehr steil. Mit Macht hat sich der Fluss in den sandigen Hang hinein gefressen, so dass sich Bäume und Sträucher kaum halten können. Von der Abbruchkante am Leinebogen gibt es nicht nur ungewöhnliche Ausblicke auf den Fluss. „Auch Eisvögeln bietet das ausgewiesene Schutzgebiet in der Leineaue aktuell eine Heimat“, berichtet Wachtel.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Garbsener Schweiz zum Ausflugsziel. Vor allem das Lokal „Garbsener Schweiz“ zog am Wochenende viele Besucher an. Mitten durch diese Landschaft wurde zwischen 1935 und 1938 die damalige Reichsautobahn von Berlin nach Köln gebaut. Von der Garbsener Schweiz führt noch eine schmale, aber nicht öffentliche Brücke über die A2: Sie verbindet die Greens des Garbsener Golfclubs – inklusive Ampel. Und der Blaue See verdankt seine Entstehung ebenfalls dem Sandabbau für den Bau der Autobahn. jgz

Von Jutta Grätz

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