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Region Garbsen Nachrichten Hat ein Wolf zwei Schafe in Garbsen gerissen?
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12:54 18.09.2019
Hat ein Wolf zwei Kerry-Hill-Schafe in Meyenfeld gerissen? Quelle: Collage HAZ
Garbsen-Meyenfeld

Innerhalb von drei Wochen hat sich die 36-köpfige Herde von Kerry-Hill-Schafen, die Mathias Krüger auf einer knapp zwei Hektar großen Wiese in Garbsen-Meyenfeld hält, um zwei Tiere verringert. Am 21. August fand er Schafbock Theo mit einer stark verletzten Kehle. In der vergangenen Woche wurde ein zweites Tier – Mutterschaf Else – angefallen und blutig gebissen. „Zuerst dachten wir noch, es sei ein Hund gewesen oder das Schaf habe sich am Stacheldraht verletzt“, sagt Krüger. „Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es ein Wolf war.“

Tiere wurden eingeschläfert

Beide Tiere haben den Angriff nicht überlegt – mit geschwollenen Kehlen waren sie in die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) eingeliefert worden, wo ein Arzt sie nur noch von ihrem Leid erlösen konnte. „Beim zweiten Angriff gegen 19 Uhr habe ich den Wolf sogar mit eigenen Augen gesehen“, sagt Krüger. Als er rufend auf ihn zugelaufen sei, sei das Tier geflüchtet. Mit seiner Handykamera hat er die tiefen Spuren im Boden dokumentiert. „Ich hätte niemals gedacht, dass der Wolf schon so weit vorgedrungen ist“, sagt der Meyenfelder, der neben den Schafen auch Rinder hält.

Die Schafe wurden mit schweren Verletzungen an der Kehle in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht. Quelle: Mathias Krüger

Ob tatsächlich ein Wolf in Meyenfeld umhergeht, kann nur durch eine DNA-Probe bestätigt werden. Ab Mitte Oktober sollen die Ergebnisse vorliegen. In einem Gutachten, das zu dem ersten gerissenen Schafsbock angefertigt wurde, schreibt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) allerdings: „Da sich die Verletzungen auf den vorderen Teil des Körpers beschränken und es sich um schwere Verletzungen handelt, ist ein Angriff durch einen Wolf nicht auszuschließen.“

Wolfsbüro hilft mit einem Notfallset

Seine Schafe hält Krüger derzeit im Stall. „Ich bin total verunsichert“, sagt er. Manchmal überlege er sogar, ob er die Tiere überhaupt noch halten wolle – die Gefahr durch den Wolf sei zu groß. Als Notfallset hat das Wolfsbüro des Landes Niedersachsen ihm einen neuen und sicheren Zaun geliefert, den er in den kommenden Tagen aufbauen wird. Zudem wurden Wildkameras installiert. „Das Wolfsbüro hat sofort Hilfe angeboten. Auch die Berater waren schnell vor Ort“, sagt Krüger.

Mathias Krüger hat die vermeintlichen Spuren des Wolfes dokumentiert. Quelle: Mathias Krüger

Der Zaun ist die einzige Möglichkeit, mit der Tierhalter die Schafe, Ziegen oder Pferde vor den Angriffe schützen können. Das Land Niedersachsen übernimmt die Kosten dafür. Etwa 500 Anträge zur Förderung von Herdenschutzmaßnahmen gegen Wölfe sind bisher eingegangen. Die Bearbeitung läuft allerdings schleppend. Bis Ende August waren erst 116 der Anträge bewilligt.

230 Kilometer Schutzzaun aufgebaut

„Viele Tierhalter brauchen eigentlich schnell einen Zaun, wir können ihn aber wegen der langsamen Bearbeitung nicht aufbauen“, sagt Sven Zwirner. Als Gebietsleiter eines Weidezaunherstellers tourt er durch Niedersachsen, berät Tierhalter und baut Zäune auf. 230 Kilometer Zaun habe seine Firma in den vergangenen zwei Jahren in Niedersachsen aufgebaut – 750 Meter wird er bei Krüger in Meyenfeld aufstellen. Die Zäune bestehen aus fünf bis sechs Reihen Draht und haben sowohl Übersprungschutz, als auch einen Untergrabeschutz.

Die wolfsabweisenden Zäune sollen die Herden der Tierbesitzer schützen. Quelle: Sven Zwirner

Dass das Land für die Kosten aufkomme, sei wichtig, sagt Zwirner. Viele Tierhalter könnten das Geld nicht aufbringen. „Fatal“ nennt er allerdings die schleppende Arbeit der Behörden. Erfahrungen zufolge griffen die Wölfe zwei Mal im Jahr vermehrt an – im Frühjahr und Herbst. „Es gibt Tierhalter, die nach einem Angriff sofort einen besseren Zaun beantragen, ihn aber ein halbes Jahr später immer noch nicht haben und erneut ein Tier an den Wolf verlieren.“

Mit Sorge beobachtet Zwirner den Umgang der Landesregierung mit dem Wolf: „Die Population wird weiter wachsen“, sagt er. Die Unsicherheit bei Tierhaltern und in der Bevölkerung steige, auch weil nur zögerlich das Vorkommen der Wölfe bestätigt werde. Schafsbesitzer Krüger aus Garbsen kann nicht verstehen, warum das Umweltministerium die Öffentlichkeit nicht aktiv über die Angriffe informiert. „Die Tiere müssen doch geschützt werden und es gibt in Garbsen eine Menge Halter von Pferden, Schafen und Ziegen.“

230 Wölfe leben in Niedersachsen

Rund 230 Wölfe leben nach Angaben des Umweltministeriums in Niedersachsen. Sie verteilen sich auf 24 Wolfsrudel, vier Paare und ein Einzeltier. Auch in der Region Hannover wurden in den vergangenen Jahren mehrfach Wölfe gesichtet – in diesem Jahr vor allem im Raum Neustadt und im Osten der Region. In Burgdorf wurde 2018 ein Wolfspaar nachgewiesen.

Laut der Landesjägerschaft Niedersachsen, die das sogenannte Wolfsmonitoring übernommen hat, wurden in der Region Hannover seit 2008 etwa 50 Nutztiere nachweislich durch einen Wolf getötet. Der größte Vorfall in diesem Jahr ereignete sich auf einer Weide zwischen Burgwedel-Engensen und Schillerslage. Dort wurden 15 Heidschnucken getötet und fünf weitere Tiere verletzt. 

Der Wolf sei im Durchschnitt größer als vergleichbare Hunde, wie etwa der Schäferhund, heißt es vom Umweltministerium. Der Pfotenabdruck messe bis zu zehn Zentimeter. Erkennen lässt sich eine Wolfsspur, weil die Abdrücke der Pfoten exakt hintereinander liegen. Wem die Spuren auffallen oder wer sogar einem Wolf begegnet, sollte den Vorfall an die Landesjägerschaft Niedersachsen melden (Tel.: 0511-530430; E-Mail: info@ljn.de )

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Von Linda Tonn

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