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Region Garbsen Nachrichten „Wie hat sich die Altenpflege verändert, Frau Kummer?“
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20:18 13.08.2019
Doris Helmig (links) und Pflegefachkraft Angelique Kummer treffen sich fast täglich zur sogenannten Grundpflege. Quelle: Jutta Grätz
Berenbostel

„Guten Morgen, Frau Helmig, wir haben um 7 Uhr eine Verabredung“, begrüßt Angelique Kummer die Bewohnerin von Zimmer 192 im Pflegeheim Cäcilienhof Auf dem Kronsberg. Die 32-jährige Pflegefachkraft und die 85-jährige Seniorin treffen sich fast täglich: Grundpflege heißt der abstrakte Begriff. Dahinter verbirgt sich, dass Kummer die ältere Dame wäscht, ihr beim Frisieren und in die engen Kompressionsstrümpfe hilft. „Frau Helmig braucht nur wenig Unterstützung“, sagt die Altenpflegerin. Obwohl die 85-Jährige nach einem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen und teils linksseitig gelähmt ist, möchte sie sich möglichst selbstständig frisch für den Tag machen.

Tagesplan ist im Cäcilienhof eng getaktet

Zeitgleich geht ein Pieper. „Eine Bewohnerin aus dem Nachbarzimmer klingelt“, sagt Kummer und fährt Helmig mit dem Rollstuhl zum Frühstück in den Speisesaal. Ihr Kollege Felix Taubert übernimmt. Kummer hat bis kurz vor 8 Uhr bereits fünf der Bewohner ihres Wohnbereichs „grundgepflegt“. Über den Tag verteilt sind es bis zu zwölf Personen. Mehr als 20 Minuten Zeit gibt es nicht pro Bewohner – je nach Pflegegrad. Ihr Tagesplan ist extrem eng getaktet.

Die 32-Jährige aus Meyenfeld leitet den Wohnbereich, in dem aktuell 34 Pflegebedürftige betreut werden – der Jüngste ist Mitte 40, die Älteste 98 Jahre alt. Meyenfelds Arbeitstag beginnt offiziell um 6 Uhr. Meist ist sie schon um 5.30 Uhr im Dienstzimmer, überprüft die Medikamente der Bewohner und verteilt sie anschließend. Während die Bewohner frühstücken, ist Zeit für die Pflegedokumentation. Darin sammeln die Pflegekräfte alle Unterlagen, die für die medizinische und pflegerische Betreuung wichtig sind. „Der bürokratische Aufwand ist hoch“, sagt Kummer. Mehr als zwei Stunden täglich verbringe sie dafür am PC.

„Garbsen hat viele schöne grüne Ecken“

Ich lebe in Garbsen seit ... 

 

Schon mein ganzes Leben lang – also seit 32 Jahren. Und aktuell in Meyenfeld.

 

Ich mag an Garbsen ... 

 

die ländliche Umgebung. Es gibt hier sehr viele schöne grüne Ecken.

Das könnte man verbessern ...

 

Zurzeit fehlt das Freibad – gut, dass es neu gebaut wird. Und einige Fußwege sind mit dem Rollator oder Rollstuhl schwer zu befahren.

So hat sich Pflege verändert

Die Pflege habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt Kummer, die mit 14 Jahren ihr erstes Praktikum im Cäcilienhof gemacht hat. „Die Bewohner werden immer älter, viele haben demenzielle Erkrankungen.“ Und es gäbe zunehmend jüngere Pflegebedürftige, beispielsweise nach Depressionen oder Alkoholmissbrauch. Jeden Tag wird Kummer mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert – und kann daher nicht immer abschalten. „Distanz muss sein“, sagt sie. „Aber sie fällt manchmal schwer.“

In der Frühschicht arbeitet sie bis 14 Uhr mit drei Kollegen. Ihr Kollege Taubert und sie sind ein eingespieltes Team, arbeiten seit vier Jahren zusammen. „Die Kollegen sind das A und O“, betont Kummer. Ihr Kollege telefoniert unterdessen mit dem Krankenhaus: Die Bewohnerin, die per Pieper geklingelt hat, ist ganz neu im Cäcilienhof. Es muss noch abgestimmt werden, wie viele Medikamente sie bekommt. Einrichtungsleiterin Steffi Ludwig stellt dem Team noch rasch eine neue Kollegin vor: Lan Luu aus Vietnam.

So persönlich pflegen wie möglich

Mittlerweile ist Doris Helmig vom Frühstück zurück, wartet auf den Ergotherapeuten. „Unser Ziel ist die möglichst große Eigenständigkeit unserer Bewohner“, sagt Kummer. Ihre größte Motivation sei es, wenn die alten Menschen wieder selbstständiger werden. „Die linke Hand kann ich schon wieder ein bisschen bewegen“, sagt Helmig und zeigt Kummer stolz ihre Fortschritte. Sie habe ihr Brötchen heute selbst schmieren können.

Bleibt bei Schichtarbeit und dem engen Tagesplan noch genügend Zeit, auf die Senioren einzugehen? Die Frage, ob sie den Bewohnern gerecht werde, stelle sie sich oft, so Kummer. Ihr sei es wichtig, die ihr anvertrauten Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt so persönlich und individuell wie möglich zu betreuen. „Ich hole sie da ob, wo sie stehen.“ Oft bleibe sie länger. „Nur satt und sauber, das ist mir zu wenig.“

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„Eine Stunde mit ...“

Ob Eisverkäufer, Geflüchteter, Künstleragentin, Landwirt oder Pastorin: In unserer Sommerserie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir Garbsener zum Gespräch treffen, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben, was sie machen und was sie an der Stadt mögen. Unsere Reporter sind den ganzen Sommer lang unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit ihnen zu verbringen.

Alle Teile der Serie lesen Sie hier:

Eine Stunde mit Jürgen und Heike vom Hof Hornbostel in Stelingen

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