Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten „Was in Chemnitz passiert, erschreckt mich“
Region Garbsen Nachrichten „Was in Chemnitz passiert, erschreckt mich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:04 05.09.2018
"Ich habe beide Länder im Herzen": Die Garbsenerin Sümeyra Emrem studiert in der Türkei, ihre Familie lebt in Deutschland. Quelle: Linda Tonn
Garbsen-Mitte

Wenn Sümeyra Emrem spricht, fragt sich ihr Gegenüber oft, woher die 21-Jährige ihre Kraft und Zuversicht nimmt. Die Deutsch-Türkin sitzt in einem Café in Garbsen-Mitte und erzählt, wie sie die Ereignisse in Chemnitz verfolgt: die Demonstrationen rechter Gruppen, die Hetze auf Migranten und die Menschen, die Plakate in die Höhe recken, auf denen steht „Ausländer raus“. „Das erschreckt mich“, sagt Emrem, die in Deutschland geboren ist und bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Garbsen lebte. Doch dann sagt sie selbstbewusst: „Ich möchte auf diese Menschen zugehen und mit ihnen in den Dialog treten.“

Kopftuch verändert vieles

Lange Zeit fiel die Garbsenerin, die fließend Deutsch spricht, unter ihren Freunden, beim Busfahren und Einkaufen gar nicht auf. Erst kurz nach dem Abitur 2015 entschied sich die Muslimin dazu ein Kopftuch zu tragen und ihren Glauben offen zu zeigen. „Ich wollte das einfach“, sagt sie. Ihre Mutter habe sich Sorgen gemacht und sei unsicher gewesen, ob das gut für die Tochter sei – gerade in diesen Zeiten. „Für mich gehört das zu meinem Glauben dazu“, sagt die 21-Jährige. „Ich finde das ist genau das Gleiche, als wenn ein Christ eine Kreuzkette trägt.“ Doch mit dem Kopftuch hat sich Vieles verändert. Plötzlich sind sie da – die Fragen nach dem „Wer-bin-ich“. „Auch wenn es sich anhört wie ein Klischee: Im Bus richten sich oft die Blicke auf mich, Menschen wollen sich nicht neben mich setzen und ich werde auf der Straße beschimpft“, erzählt Emrem. „Für die bin ich einfach nur die Türkin.“

„Es gibt viele Missverständnisse“

Seit zwei Jahren studiert Emrem in Istanbul islamische Theologie, gemeinsam mit zehn anderen türkischstämmigen Europäern. Das Studium wird mit europäischen Geldern unterstützt und hat das Ziel, dass die Studierenden nach dem Abschluss wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. „Ich möchte später im Dialog arbeiten, in Kontakt mit Kirchengemeinden und Synagogen treten und in Workshops vermitteln, was es heißt, Muslimin und Türkin zu sein“, sagt Emrem. Die Ablehnung von Ausländern komme ihrer Meinung nach auch daher, dass die Menschen zu wenig wüssten und sich ihr eigenes Bild machten, ohne zu fragen. „Es gibt sehr viele Missverständnisse“, sagt Emrem, die in der Türkei immer nur als „die Deutsche“ gilt, weil sie pünktlich ist und am Sonntagabend den Tatort schaut. „Jeder sollte offen für ein Gespräch sein.“

In der Türkei zu leben ist für Emrem oft einfacher: Niemand verurteilt sie wegen ihres Kopftuchs, niemand hat Angst vor ihr. Deutschland und Garbsen seien aber genauso ihre Heimat, sagt sie. Deshalb will sie wieder zurück und an der Kommunikation zwischen Deutschen und Migranten arbeiten. „Wie viele Menschen, die in Deutschland leben, habe auch ich zwei Länder in meinem Herzen“, sagt Emrem. Natürlich gebe es auch immer wieder Ausländer, die sich nicht integrieren wollten – beide Seiten müssten aufeinander zugehen, findet die Garbsenerin. Was aber gerade in Chemnitz und täglich in vielen anderen deutschen Städten passiere, dürfe man trotzdem nicht verharmlosen. „Da will ich anpacken.“

Von Linda Tonn

Zum Juni 2019 wird sich der Kulturverein auflösen. Um die Kulturarbeit in der Stadt künftig zu sichern, will die Stadt eine Vollzeitstelle schaffen. 40.000 Euro sollen dafür im Haushalt bereitgestellt werden.

05.09.2018

Das Johannes-Kepler-Gymnasium hat eine verbindliche Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Ahlem vereinbart. In Zukunft sollen alle Zehntklässer und Oberstufenschüler Workshops zur NS-Zeit besuchen.

05.09.2018

Noch bis zum 26. Oktober stellt Katrin Grote ihre Collagen im Rathaus Garbsen aus. Aus Zeitschriften, Zeitungen und Kalendern sammelt die Sehnderin Bilder und Ausschnitte und setzt sie neu zusammen.

05.09.2018