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Region Garbsen Nachrichten Caritas Suchtberatung will Alkoholkranke besser erreichen
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00:19 15.02.2019
Suchtberatungsstelle der Caritas in Garbsen: Teamleiterin Margret Kügler und Psychologe Frank Bleßmann Quelle: Sebastian Stein
Auf der Horst

30 Jahre arbeitet Margret Kügler schon bei der Caritas in Garbsen. Die Leiterin der Beratungsstelle ist seit der Gründung dabei. Viel verändert habe sich nicht in der Zeit, sagt sie. Noch immer prägten vor allem Alkoholprobleme den Alltag in der Garbsener Institution. Deshalb hat sich das Team vorgenommen, neue Pfade einzuschlagen. Das Programm soll sich zukünftig von reiner Suchtberatung stärker zur Gesundheitsprävention wandeln. Lange Zeit habe die Beratung dem Abstinenzbereich gegolten, sagt Psychologe Frank Bleßmann, also den Menschen, die bereits alkoholabhängig sind. Mit „Skoll“, einem Selbstkontrolltraining für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol, will die Beratungsstelle eine andere Gruppe ansprechen. „Wir wollen Menschen erreichen, die sich zutrauen, ihren Konsum zu regulieren“, sagt Bleßmann. Dies betreffe dann nicht mehr nur die Alkoholsucht, sondern auch Gewohnheiten, die Freizeitgestaltung und Essen.

Bis zu sechs Hilfesuchende pro Woche

Zur offenen Sprechstunde kommen jeden Dienstag etwa vier bis sechs Besucher – Männer wie Frauen in jedem Alter. Wer die Beratungsstelle in der Skorpiongasse 33 aufsucht, hat meist ein Alkoholproblem. In einer Erstberatung finden die Betroffenen heraus, wie stark ihre Abhängigkeit ausgeprägt ist und welche Therapie sie wählen möchten. Die Anzahl der Hilfesuchenden schwanke, sagt Kügler. Eine Zunahme kann sie aber nicht erkennen. Auch der neue Standort im Stadtteil Auf der Horst habe keine Veränderung gebracht, sagt sie.

Weil viele Betroffene gar nicht die Beratungsstelle aufsuchen, sei die Dunkelziffer der Alkoholkranken enorm hoch, sagt Psychologe Bleßmann. „Die Hürde, sich damit auseinanderzusetzen, ist groß.“ Viele kämen auch erstmal her, um zu erklären, dass sie keine Alkoholiker seien. Kügler und Bleßmann würden die Leute gerne viel früher erreichen. Denn oft dauere es Jahre, bis sie überhaupt Hilfe suchten und sich in Behandlung begäben. Zu diesem Zeitpunkt sind die Süchte dann meist sehr ausgeprägt. Mit dem Umschwung von reiner Suchtberatung auf Gesundheitsstelle wollen sie diesem Problem entgegenwirken und die Menschen erreichen, bevor es überhaupt zur Sucht kommt.

Alkoholkonsum ist nicht bewusst

Die Auswirkungen einer Alkoholsucht zeigen sich meist in Unzuverlässigkeit, Fehlzeiten auf der Arbeit und gereizter Stimmung, so die beiden Caritas-Mitarbeiter. Vielen Menschen es gar nicht bewusst, dass eine Krebserkrankungen in Verbindung zu ihrem täglichen Alkoholkonsum stehen könnte, sagt Kügler. Sie beobachtet, wie durch die Sucht Probleme in der Familie, mit Freunden oder am Arbeitsplatz entstehen. Der Motor zu einer Therapie sei nichtsdestotrotz oftmals der Partner, sagt Bleßmann – vor allem bei Männern. Sie würden sich häufig gegen eine Therapie wehren.

Ob die Therapie erfolgreich ist, können sie selbst oft nicht bemessen. „Denn es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung mit Rückfallcharakter“, sagt Kügler. Alkoholsüchtig zu sein, sei noch immer ein Stigma – und die Schuldzuweisung mache es den Menschen schwer. Stattdessen werben Kügler und Bleßmann dafür, dass die Abhängigkeit anders betrachtet wird. „Wie eine Diabetes“, sagt Bleßmann.

Das leistet die Suchtberatung der Caritas

Jeden Dienstag bietet die Caritas in Garbsen von 9 bis 11 Uhr eine offene kostenfreie Sprechstunde an. Zudem bietet die Stelle diverse Selbsthilfegruppen für Alkoholkranke und deren Angehörige an, darunter eine wöchentliche Orientierungsgruppe für Alkoholmissbrauch und -krankheit. Betroffene können bei der Garbsener Suchtberatung ein ambulante Reha nach Bewilligung durch Rentenversicherung oder Krankenkasse mit wöchentlichen Gruppengesprächen und vereinbarten Einzelgesprächen absolvieren. Bei Abstinenzproblemen vermittelt die Beratungsstelle auch eine stationäre Behandlung. Die Suchtberatung befindet sich in Garbsen in der Skorpiongasse 33 und ist erreichbar unter Telefon (05137) 788 59. Die Suchtberatung der Caritas in Hannover ist in der Grupenstraße 8 (offene Sprechstunde Donnerstag, 15 bis 16.30 Uhr). seb

Von Sebastian Stein

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