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Nachrichten Aufzug fährt seit sieben Wochen nicht
Region Garbsen Nachrichten Aufzug fährt seit sieben Wochen nicht
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11:38 24.07.2018
Der Aufzug im elfstöckigen Hochhaus an der Wilhelm-Reime-Straße in Berenbostel ist seit Anfang Juni defekt.
Der Aufzug im elfstöckigen Hochhaus an der Wilhelm-Reime-Straße in Berenbostel ist seit Anfang Juni defekt. Quelle: Jutta Grätz
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Berenbostel

„Wir wenden uns an Sie, weil wir verzweifelt sind“, schreibt eine Mieterin. „Seit mehr als sieben Wochen ist der Aufzug in unserem elfstöckigen Hochhaus an der Wilhelm-Reime-Straße 2 defekt“, heißt es in einem Brief an die HAZ/NP-Redaktion in Garbsen. Der Ausfall des Aufzugs Anfang Juni stellt die 45-Jährige vor erhebliche Probleme: Sie wohnt in der neunten Etage des Hauses und ist wegen eines Rückenleidens seit mehreren Jahren in Behandlung. „Wie soll ich die 152 Stufen nach oben und wieder zurück schaffen?“, fragt die Frau.

Reparatur soll sich noch Wochen hinziehen

In dem Hochhaus am Eingang zum Quartier Berenbostel-Kronsberg wohnen auch ältere und gehbehinderte Menschen. „Vor allem für diese ist die Situation unzumutbar.“ Die Reparatur des Aufzugs solle sich angeblich noch mehrere Wochen hinziehen. „Ob Einkäufe oder Arztbesuche: Irgendeinen Grund gibt es ja jeden Tag, um das Haus zu verlassen “, sagt Seniorin Irmgard Zorn, die in der vierten Etage wohnt. „Wir bekommen keine Informationen, wie lange die Reparatur noch dauert“, sagt sie. „Nur zu Anfang hing ein Schild neben dem Aufzug, jetzt tut sich seit Wochen nichts.“

Der Hausverwalter, die Firma Haack aus Hemmingen, bedauert die unangenehme Situation und appelliert an Nachbarschaftshilfe. „Leider wurde bei der Aufzugswartung ein unvorhersehbares Problem festgestellt“, heißt es dazu in einem Aushang an alle Mieter des Hauses vom 12. Juni. Die Reparatur des Auszugs, er ist 51 Jahre alt, gestalte sich umfangreicher als geplant. Die Ersatzteile seien bereits von den beauftragten Firmen bestellt worden. „Erst nach Erhalt der Ersatzteile können die Arbeiten von den Firmen fortgesetzt werden“, steht in dem Schreiben.

Der Aufzug im elfstöckigen Hochhaus an der Wilhelm-Reime-Straße in Berenbostel ist seit Anfang Juni defekt. Quelle: Jutta Grätz

Nothalt des Aufzugs im März 2017

Der Aufzug sei schon häufiger defekt gewesen, sagt higegen der ehemalige Mieter Lutz Siedentopf. Einmal sei eine Besucherin zwei Stunden in dem Fahrstuhl eingeschlossen gewesen. Er selbst sei im März 2017 ungebremst von der neunten Etage bis ins Erdgeschoss gerast und durch den Aufprall unten gestürzt. „Der Druck war immens, mein Rücken ist seitdem kaputt“, sagt der 64-Jährige. Er wohnt nicht mehr in dem Hochhaus. Der Aufzug habe bislang nur kleinere Störungen gehabt, der Grund sei meist auf Vandalismus zurückzuführen, so die Antwort von Haack. „Der Aufzug wurde ständig gemäß den gesetzlichen Vorschriften geprüft und gewartet“, sagt Haack-Geschäftsführer Petermann. Am 24. März 2017 sei es wegen einer gebrochenen Führung zu einem Nothalt des Aufzugs gekommen. Dadurch sei eine im Fahrkorb befindliche Person gestürzt. „Der Vorfall wurde von der Gewerbeaufsicht untersucht und als technisches Versagen gewertet.“

„Der Vermieter interessiert sich für unsere Probleme so gut wie gar nicht“, sagt hingegen die Mieterin, die sich an die HAZ/NP-Redaktion in Garbsen gewandt hat. „Er will nur eine eventuelle Mietminderung vermeiden.“ Denn in einem Infoblatt zur Mietminderung, das der Vermieter im Treppenhaus ausgehängt habe, ist von einem „unerheblichen Bagatellmangel“ bei einem nur kurzzeitigen Ausfall des Aufzugs die Rede.

„Ein wochenlanger Ausfall ist kein Bagatellmangel“, sagt Reinold von Thadden, Rechtsexperte des Mieterbunds in Hannover. Eine mögliche Mietminderung richte sich nach der Dauer des Ausfalls, dem Geschoss und der Einschränkung des jeweiligen Mieter. Sie sei aber unabhängig vom Verschulden.

Steuerung des Aufzugs ist irreparabel

Auf Anfrage bestätigt das zuständige Unternehmen Haack den langen Ausfall des Aufzugs: „Der Aufzug steht seit der Wartung am 4. Juni still“, schreibt Geschäftsführer Hans-Joachim Petermann. Eine umfangreiche Modernisierung der Aufzugsanlage sei erforderlich. „Nachdem von der Wartungsfirma zuerst ein Problem an den Aufzugstüren diagnostiziert wurde, stellte sich später unter Hinzuziehung der Herstellerfirma der Steuerung heraus, dass diese irreparabel ist.“ Eine Ersatzbeschaffung sei nicht möglich gewesen. Die bestellte neue Steuerung habe eine Lieferzeit von fünf Wochen nach technischer Klärung. „Als letzter unverbindlicher Liefertermin wurde uns die Kalenderwoche 31 genannt.“ Das ist Ende Juli. Andere angefragte Hersteller hätten diese Lieferzeit nicht unterbieten können. „Die beauftragte Firma verlangte eine Vorauszahlung in Höhe von 40 Prozent, die von uns sofort bezahlt wurde“, betonte Petermann. Die neuen Elemente müssten dann eingebaut, angeschlossen und geprüft werden. „Danach muss die Dekra die Anlage abnehmen.“

Die Mieter seien informiert worden, sagt Petermann. „Unsere Sachbearbeiterin im Stadtbüro Berenbostel hat den Mieter die uns bekannten Informationen weitergeleitet und in den Etagen wurden Aushänge am Aufzug angebracht. Diese werden leider immer wieder abgerissen, obwohl wir diese mehrfach erneuert haben.“ jgz

Von Jutta Grätz