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Region Garbsen Nachrichten Sonja Cremer leitet die Kinderfeuerwehr in Garbsen
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00:16 06.01.2019
Sonja Cremer (oben links) betreut die Kinderfeuerwehr der Ortsfeuerwehr Garbsen. Quelle: Gerko Naumann
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Altgarbsen

Mit Familie Cremer aus Altgarbsen verbindet man vor allem eines: die Feuerwehr. Thomas Cremer ist Garbsens Ortsbrandmeister, ein Sohn gehört der aktiven Wehr an, der jüngere Sohn der Jugendfeuerwehr. Und auch seine Frau Sonja ist in der Feuerwehr aktiv und betreut die vor einem Jahr gegründete Kinderfeuerwehr, „Die Frauen haben ein anderes Verständnis dafür, dass der Mann bei einem Einsatz weg muss, wenn sie selbst in der Feuerwehr aktiv sind“, sagt die 45-Jährige.

Erst als dritte Frau überhaupt wurde sie am 1. November 1991 in die aktive Wehr aufgenommen. Freunde hatten sie zur Feuerwehr gebracht. Ihr erster Posten: Die Jugendfeuerwehr. Mittlerweile sind 14 Frauen in der Feuerwehr Garbsen aktiv – drei kommen Anfang des Jahres aus der Jugendfeuerwehr dazu. Das sei eine schöne Entwicklung, findet Cremer. „Frauen sind Atemschutzgeräteträger und haben LKW-Führerscheine. Wir sind genauso ausgebildet wie die Männer und machen das Gleiche – nur manchmal anders.“ Die Akzeptanz der Kameraden sei in jedem Fall da: „Frauen in der Feuerwehr wissen, dass sie nicht frisiert und geschminkt zum Einsatz kommen müssen.“ Bei der Feuerwehr hat sie auch ihren Mann kennengelernt.

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Das sind die Frauen in der Feuerwehr

Zahlenmäßig sind Frauen in den Feuerwehren in Garbsen deutlich in der Unterzahl. Sie machen nicht einmal 10 Prozent der rund 500 Aktiven in den Ortsfeuerwehren aus. Dabei stehen sie ihren männlichen Kollegen in nichts nach, betont Stadtbrandmeister Ulf Kreinacker: „Im Einsatz werden sie genauso gefordert und behandelt wie ihre männlichen Kollegen“, sagt er.

In unserer Serie „Frauen in der Feuerwehr“ stellen wir Garbsenerinnen vor, die sich seit Jahren ehrenamtlich engagieren und Verantwortung übernehmen. Wie gehen die männlichen Kollegen mit ihnen um? Wie sind sie überhaupt zur Feuerwehr gekommen? Auf diese Fragen geben die Frauen spannende Antworten. kon

Gemeinschaft und Teamarbeit zählen

An der Feuerwehr schätzt Cremer vor allem die Gemeinschaft, Teamarbeit, das soziale Engagement und den Einsatz für die Allgemeinheit wie beim Kartoffelfest auf Ammans Hof in Altgarbsen. Dort helfen auch die Familien der Feuerwehrleute mit. „Das kann man gar nicht genug wertschätzen“, sagt die Feuerwehrfrau. Es macht sie betroffen, dass der Respekt vor der Feuerwehr immer mehr verloren geht. „Wir sind Silvester schon mit Böllern beschossen worden und werden beschimpft, wenn nachts die Sirene schrillt.“

Feuerwehrleute brauchen Rückhalt

„Die Kameraden brauchen wegen der Belastung den Rückhalt und das Verständnis der Familie“, betont Cremer. Auf ihren Mann muss sie wegen seiner Funktion als Ortsbrandmeister oft verzichten. „Wir haben Kindergeburtstag gefeiert, dann hat es im Haberkamp gebrannt“, berichtet sie. Diese Situation habe sie oft erlebt. Bei Einsätzen sei sie schon nervös wegen ihres Mannes und der Kameraden, gerade bei den Großbränden – und davon gab es 2018 einige.

Das Foto zeigt Sonja Cremer im Jahr 1994 bei ihrer Tätigkeit als Betreuerin der Jugendfeuerwehr. Quelle: Anke Lütjens

Cremer selbst hat den aktiven Dienst zu Gunsten der Kinderfeuerwehr zurückgestellt. Zusammen mit fünf weiteren Betreuern, darunter zwei Nicht-Feuerwehrmitglieder, kümmert sie sich als Kinderfeuerwehrwartin um die 25 Jungen und Mädchen. Diese sind sechs bis zehn Jahre alt. Es gibt sogar eine Warteliste für die Kinderfeuerwehr. Die Teilnahme ist kostenlos, der Förderverein unterstützt diese finanziell. Die Kinder können im Alter von zehn bis zwölf Jahren in die Jugendfeuerwehr wechseln. „Es sind auch Kinder von Kameraden dabei, die ich selbst in der Jugendfeuerwehr betreut habe“, erzählt Cremer, die als Sekretärin bei VW arbeitet.

Sie und ihr Team bringen dem Nachwuchs auf spielerische Weise die Aufgaben und Grundlagen der Feuerwehr nahe. Die Betreuer erklären den Kindern auch den sicheren Umgang mit Feuer. „Aber es wird auch gebastelt und gespielt“, sagt die 45-Jährige. Außerdem gehören Ausflüge zum Programm. Ihr mache es sehr viel Spaß, sagt Cremer.

Von Anke Lütjens

03.01.2019
03.01.2019