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Region Die Kreativ-Meile am Nordufer
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15:15 15.08.2018
AUFTAKT: Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (rechts) während der Eröffnung des Ideen-Boulevard 2018 auf dem Maschseefest. Quelle: Christian Behrens
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HANNOVER

Das Maschseefest hat mehr drauf als essen, trinken und laute Musik hören: „Ich finde es eine gute Idee, Digitalisierung und Innovationen auf das Fest zu legen und dort zu zeigen, wo täglich Zehntausende Menschen sind“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok anlässlich der Eröffnung des zweiten Ideen-Boulevards am Nordufer, Da die Sache vom kreativen „kreHtiv Netzwerk Hannover e.V.“ mitorganisiert wurde, waren „detaillierte Einblicke in die Themen von Morgen sowie exklusive Begegnungen mit Vordenkern und Vormachern“ versprochen. Und damit dies abseits von Reden und Gruppenarbeit auch Gestalt annahm, waren entlang des Ufers am Dienstag 20 „Pavillons“ aufgereiht, unter deren Dach bis zum Abend „am Standort Hannover kreierte und entwickelte innovative Lösungen und smarte Produkte“ präsentiert wurden.

Im Zuge dieser „Kreativ-Meile“ gab es allerlei zu besichtigen, testen, erklären oder zu erleben: Rucksäcke und Taschen aus Textil aus Guatemala, fantastische Als-ob-Flüge dank VR-Brille, Lichtkunst, die auch am Tage wirkt, besonderer Tee aus Ecuador oder ein Steuerrechner-Programm – alle fanden in der Reihe ihren Platz. Ein paar Ideen hat sich die NP näher betrachtet und stellt sie hier unten vor.

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Die Organisatoren waren schon zur Eröffnung zufrieden, zumindest, was den Zuspruch zu den Veranstaltungen betraf. Laut Kai Schirmeyer, Geschäftsführer des Kreativ-Netzwerks, waren „im Vorfeld online schon vorher fast 1000 Tickets weggegangen“, Nahezu alle Angebote waren damit ausverkauft, hieß es. Und das, obwohl das Programm in der zweiten Ausgabe des Ideen-Boulevards (die Macher schreiben das übrigens so: IDN-Blvd.18“) drei Veranstaltungen mehr bot als zur Premiere im Vorjahr. Diesmal gab es etwa das „NachsITzen“, wo Schulklassen „Einblick in aktuelle digitale Themen“ geboten bekommen sollten.

Mal mit 3 D-Druck probieren?

„Dinge drucken“ ist eine Sache, die langsam Fahrt aufnimmt, doch was „dr3iconsulting“ bietet, zielt nicht auf den Hobby-3 D-Druck-Fan Zuhause, sondern auf kleinere und mittlere Unternehmen (weshalb die Methode auch „additive manufacturing“ heißt). Für einen ordentlichen 3 D-Drucker muss man gut 3000 Euro hinlegen. Für einen kleinen, einfachen – nach oben geht’s dann auch schnell in den sechsstelligen Bereich. Doch Caecilie von Teichmann (38) und Benjamin Henkel (30) produzieren nicht die Geräte, sondern sie beraten von Hannover aus Firmen, wie sie diese Drucktechnik nutzen können, wie sie ihre Fertigung damit verbessern, dadurch auch günstiger produzieren könnten, was an Design und Material möglich ist, sowohl für bereits bestehende Produkte als auch künftige. Und welcher Drucker das kann.

DRUCKEXPERTEN: Caecilie von Teichmann und Benjamin Henkel mit Objekten aus einem 3 D-Drucker. Quelle: Foto: Christian Behrens

Findet den günstigsten Weg

Ihre Software kenne den besten Weg zum Ziel und helfe, Staus zu vermeiden, denn sie nutze „die Intelligenz des Scharms“, erklärt Alexander Meister (42), von der hannoverschen Firma „graphmasters“ (30 Mitarbeiter, gegründet 2013). Ihre Ideen stecken in der „Nunav“-Navigationsapp, die alle 15 Sekunden erfasst, wie sich ihr Nutzer bewegt und was sich im Umfeld tut (anonymisiert, sagt Meister). Dann wird errechnet, wie das Auto am einfachsten ins Ziel gelangt und dabei berücksichtigt, wie viel Verkehr die Straßen überhaupt aufnehmen können – so erhalten die Fahrzeuge individuelle Routenvorgaben. „Google schickt alle in eine Richtung, wir lassen einen rechts, den anderen links rum fahren“, erklärt Meister. Die App ist für Private kostenlos – VW, Hermes und die Post in Österreich und der Schweiz zahlen für die (Extra-)Leistung.

ZEIGT DEN WEG: Alexander Meister (42) erklärt anhand einer Lego-Stadt (mit Rathaus Hannover-Modell) die Funktion der Navi-App Nunav. Quelle: Foto: Christian Behrens

Neue Art von Küchengarten

Eine spannende Idee, doch nicht für den „Normalverdiener-Haushalt“ – immerhin wird das erste Modell des Küchengewächshauses von „neofarms“ etwa 6500 Euro kosten, erklärt Maximilian Richter (27). Er ist Industriedesigner und entwickelt mit Kompagnon Henrik Jobczyk (24, Biotechnik-Ingenieur) die Prototypen des modernen Küchengartens mit dem „Formfaktor Einbauküchen-Kühlschrank“. Darin kann man von Basilikum bis Kopfsalat alles gedeihen lassen und bedarfsgerecht frisch ernten, was man mag, auch Tomaten. Ohne Erde, aber im Gegensatz zu Hydrokultur stehen die Pflanzen hier nicht durchweg im Wasser – ihr Wurzelwerk hängt in der Luft und wird bedarfsgerecht mit Nährlösung benebelt (Aeroponik). Ende des Jahres sollen die ersten Geräte in den Praxistest gehen – in Kochschulen, Küchenstudios und Restaurants.

SETZT AUF GRÜNZEUGS: Maximilian Richter entwickelt mit einem Kompagnon unter dem Firmennamen „neofarms“ das Gewächshaus für die Einbauküche. Quelle: Foto: Christian Behrens

Von Ralph Hübner

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