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Nachrichten Vor der EU-Wahl: So lebt die Partnerschaft mit Domfront
Region Burgwedel Nachrichten Vor der EU-Wahl: So lebt die Partnerschaft mit Domfront
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00:17 27.05.2019
Blick auf Domfront und Saint Julien, der ersten Stahlbetonkirche Frankreichs. Quelle: Jürgen Zimmer
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Großburgwedel

Der europäische Gedanke findet in Burgwedel seit 23 Jahren eine ganz besondere Heimat: im Partnerschaftsverein Domfront-Burgwedel. Dort kommen Menschen auf beiden Seiten zusammen, die sich über sprachliche oder räumliche Grenzen hinweg verständigen. Sie prägen Europa im Kleinen, indem sie Begegnungen ermöglichen und helfen, Vorurteile abzubauen. Deshalb blickt Jürgen Zimmer für die Burgwedeler Redaktion zwei Tage vor der Europa-Wahl in Deutschland auf diese Arbeit, schließlich hat er selbst schon an Reisen teilgenommen.

Agnes Lecarpentier (vorn links), ihr Mann Bernard (hinten rechts) mit Gastfamilie Uda und Rudolph Gutte Quelle: Jürgen Zimmer

1100 Kilometer liegen zwischen den Partnerstädten

Seit 1996 legt eine stattliche Anzahl von Bürgern aus beiden Kommunen die rund 1100 Kilometer zurück, die zwischen ihnen liegen. In einem Jahr kommen die Normannen zu Besuch nach Burgwedel, im nächsten fahren die Niedersachsen in rund 14 Stunden mit dem Bus (in diesem Jahr am 29. Mai) zu ihren Freunden in die Normandie. Zudem gibt es einen regen Schüleraustausch, ein jährliches Zeltlager, die Feuerwehr war schon dort und auch die Polizei, gemeinsames Chorsingen und sogar ein Rasentreckerrennen in Domfront standen schon auf der Agenda. Das ist so etwas wie die Visitenkarte des Burgwedeler Vereins und seinem Gegenstück in Domfront, dem Comitè d´Echanges et de Jumelage, CDEJ. Seit nun 23 Jahren leiten Marie Laure Prod´homme und Andreas Listing die Geschicke der Städtepartnerschaft. Die Lebendigkeit dieser Partnerschaft, der Kontakt von ganz normalen Menschen, von Bürger zu Bürger macht den Erfolg dieses europäischen Projektes aus — und die Kontinuität der beiden „Köpfe“ der Partnerschaft, Prod´homme und Listing.

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Menschen prägen Partnerschaft seit Jahrzehnten

Seit vielen Jahren schätzen sich auch Uda und Rudolf Gutte sowie Agnés und Bernard Lecarpendier. Dem ehemaligen Berufsschullehrer liegt der Austausch zwischen Menschen und Kulturen am Herzen. Er und seine Frau fühlen sich längst als Europäer. Birgit und Stefan Kautz kennen Marie-Claude und Jean-Luc erst seit drei Jahren und haben sich auf Anhieb verstanden. „Ihren Charme und ihre Fröhlichkeit“, schätzen die Kautz´ neben dem offenen Wesen und der Aufgeschlossenheit der beiden.

Domfront, Der Turm von Saint Julien, der ersten Stahlbetonkirche in Frankreich. Quelle: Jürgen Zimmer

Der inzwischen verstorbene Sigurd Paulsen, langjähriger zweiter Vorsitzende des Vereins, war gleichfalls überzeugter Europäer. Der vielgereiste Geologe wusste, wie wichtig die gegenseitige Wertschätzung zwischen Menschen und Völkern ist. Er hat einst in Cean studiert, zu einer Zeit, als die „Erbfeindschaft“ zwischen Franzosen und Deutschen noch in vielen Köpfen steckte. Aus dieser Zeit stammt ein Ereignis, das André Rougeyron, Domfronts erster Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg, betrifft. Der Widerstandskämpfer war KZ-Häftling in Holzen und überlebte das Bombardement des Celler Bahnhofs und des Zuges, der ihn nach Bergen-Belsen bringen sollte, sowie das, was später euphemistisch als „Celler Hasenjagd“ traurige Berühmtheit erlangte. Von den rund 4000 Häftlingen, darunter 1200 Frauen und Kinder, überlebten nur etwa 1100.

Es kennzeichnet die Partnerschaft, dass all diese Menschen zusammenkommen und ein modernes Europa leben, das gleichwohl aus der Geschichte gelernt hat.

Von Jürgen Zimmer