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Nachrichten Heidschnuckenhalter kämpft gegen Wolf und Bürokratie
Region Burgwedel Nachrichten Heidschnuckenhalter kämpft gegen Wolf und Bürokratie
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00:23 23.06.2019
Friedhelm Stein hat seine derzeit 17 Muttertiere und 18 Lämmer (hier zwei Flaschenkinder) nur noch tagsüber auf der großen Weide im Wald. Quelle: Rebekka Neander
Engensen

Nein, auf den Wolf ist Friedhelm Stein nicht gut zu sprechen. Und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Zwar hat er sich nach langem Ringen doch dazu entschlossen, die Heidschnuckenzucht nicht aufzugeben, und seine nunmehr 17 Mutter-Heidschnucken und ihre derzeit 18 Lämmer sind bislang von weiteren Angriffen seit dem schrecklichen Riss Anfang März verschont geblieben – wenn Stein aber den dicken Ordner aufschlägt und seine Geschichte von Anträgen, Beratungen und Angeboten erzählt, hilft das schönste Waldidyll am Stall zwischen Engensen und Schillerslage nichts, um die Laune zu heben.

Bleibt Stein auf Kosten für Übernachtungspferch sitzen?

Dabei kann sich der Start durchaus sehen lassen: Stein und seine Familie haben in den Wochen nach dem Riss, bei dem Anfang März 15 Tiere nachweislich von einem Wolf gerissen worden waren, einen Übernachtsungspferch gebaut. Gute 2 Meter hoch mit oben nach außen abstehendem Streifen, das Drahtgeflecht im Erdreich noch mal 50 Zentimeter tief eingegraben, umringt der Zaun nun einen kleineren Bereich in mitten der großen Waldweide, auf dem sich vor gut zwei Monaten Niedersachsens bislang dramatischster Wolfszwischenfall ereignet hat. „Unmittelbar nach dem Riss hatten wir die Tiere zunächst im Futterunterstand eingesperrt“, erzählt Stein bei einem Rundgang. „Aber das war für die Nacht viel zu klein.“ In den neuen Pferch sperrt Stein seine Tiere nunmehr allabendlich ein. „Aber wer sagt mir, dass der Wolf nicht auch tagsüber Hunger bekommt?“

Nachts kommen die Tiere in den sogenannten Übernachtungspferch, den Friedhelm Stein mit seiner Familie inzwischen fertig gestellt hat. Quelle: Rebekka Neander

Der neue Zaun stammt aus eigener Hand, doch ob Stein auf den Kosten von rund 1000 Euro sitzen bleibt oder ob das Land dieses Material – wie es eigentlich vorgesehen ist – erstattet, ist offen. „Am Tag nach der Bestätigung, dass meine Tiere tatsächlich von einem Wolf gerissen worden waren, bin ich nach Hannover gefahren und habe denen meinen Antrag für diesen Pferch vorgelegt.“ Einen Beratungstermin für Schutzmöglichkeiten konnte das Land seinerzeit aufgrund Überlastung nicht festlegen. Für Stein aber war Eile geboten, wollte er doch seinen Tieren schnellstmöglich eine annehmbare Einfriedung bieten. „Das erste, was ich dort hörte, war: Ich hätte keinen Termin.“ Dass er diesen für die Vorlage des Antrages benötigt hätte, erschließt sich ihm bis heute nicht.

Ob er das Material für den Pferch vom Land erstattet bekommt, ist offen. Er hätte für alle Kleinteile jeweils drei Angebote einholen müssen. Quelle: Rebekka Neander

Stein hatte für den Pferch Vierkanthölzer vorgesehen, Drahtgeflecht und allerlei Kleinteile, um das Material belastbar aufbauen zu können. „Weil der Gesamtpreis für den 800 Meter langen Zaun aber die 500-Euro-Grenze übersteigt, hätte ich für alle Schrauben und Hölzer jeweils drei Angebote vorlegen müssen.“ Stein, der als langjähriger Ratsherr und Engenser Ortsbürgermeister durchaus vertraut ist mit der Verwendung öffentlichen Geldes, fühlt sich von den Behördenmitarbeitern nicht ernst genommen in seinen Nöten. „Ich hatte extra Preislisten verschiedener Baumärkte mitgenommen, aber das war denen nicht genug.“ Und jetzt? Stein zuckt mit den Schultern.

Das härteste Brett fehlt noch

Das härteste Brett aber fehlt noch: Ende April hatte Stein an der Weide nun doch den lang ersehnten Beratungsbesuch aus dem Wolfsbüro des Landes. Angekündigt hatten sich zudem Vertreter eines Zaun-Bau-Unternehmens sowie des Naturschutzbundes. „Die kamen dann in Personalunion eines Herren.“ Gemeinsam schritt man die Zaunlinie ab, die als besondere Erschwernis die Wulbeek als natürliche Tiertränke an zwei Stellen überspringt. „Ich habe danach von dem Vertreter der Zaunfirma zwei Angebote erhalten – und den Hinweis, dass seine Mitstreiter des Naturschutzbundes den Zaun für mich kostenlos aufbauen würden.“ Stein muss jedoch noch zwei weitere Zaunangebote einholen. Dabei erstattet das Land nur das Material. Zufrieden wirkt Stein nicht. Zum einen müsste er seine Waldweide teilen, wenn eine Überbrückung des Baches nicht gelingt. Zum anderen sind alle bisher vorliegenden Zaunvarianten mit Strom verknüpft. „Das möchte ich eigentlich nicht. Die Solarpanel werden im Wald doch sowieso geklaut.“

Damit sich kein Wolf unter dem Zaun drunter durch graben kann, ist der Draht 50 Zentimeter tief eingegraben. Quelle: Rebekka Neander

Wenigstens kann Stein auf das ehrenamtliche Hilfsangebot beim Zaunaufbau zählen, ganz gleich, für welches Zaunangebot sich das Land letztlich entscheiden wird, stellt Lotta Cordes im federführenden Umweltministerium auf Nachfrage klar. „Nach Eingang der vollständigen Unterlagen (Antrag plus drei Angebote)“, scheibt Cordes, „wird der Betrag der Auszahlung beim Wolfsbüro nach fachlicher Stellungnahme der Landwirtschaftskammer entschieden. Aus wirtschaftlichen Gründen wird meist das günstigste Angebot gewählt. Der Antragssteller selber entscheidet, wem er den Auftrag erteilt.“

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Von Rebekka Neander

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