Burgwedel: Haftstrafe für Messerstecherei vor Kneipe in Altwarmbüchen
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Burgwedel: Haftstrafe für Messerstecherei vor Kneipe in Altwarmbüchen

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17:18 22.10.2021
Richter Michael Siebrecht hat ein deutliches Urteil gegen einen Messerstecher gefällt.
Richter Michael Siebrecht hat ein deutliches Urteil gegen einen Messerstecher gefällt. Quelle: David Ebener/dpa (Symbolbild)
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Burgwedel/Altwarmbüchen

Für eine Messerstecherei geht man ins Gefängnis – das machte Michael Siebrecht in seinem Urteil am Amtsgericht Burgwedel deutlich. Zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verhängte der Amtsrichter am Donnerstag gegen einen 51-jährigen gebürtigen Polen. Dieser hatte seinen Kontrahenten vor einer Altwarmbüchener Kneipe nach Überzeugung des Gerichts mit einem Messer angegriffen. Mit seinem Urteil ging Siebrecht weit über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, deren Vertreterin ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung vorgeschlagen hatte.

Was im Laufe des Abends im Oktober vergangenen Jahres genau geschehen ist, ließ sich in der mehrstündigen Verhandlung nur noch schwer rekonstruieren. Sechs Zeugen hatte das Gericht geladen. Doch einige konnten sich an den Abend nicht mehr genau erinnern – so mancher hatte damals während des Fußballspiels von Hannover 96 gegen Braunschweig etwas mehr getrunken.

Doch den Angeklagten konnten alle als Täter identifizieren, obwohl sie ihn mehrheitlich nur am Abend der Tat gesehen hatten. Am Ende war Siebrecht angesichts „der erdrückenden Beweislage“ nicht nur von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt, er meinte auch, dass sich das Geschehen wie folgt abgespielt hatte.

Stichwunde war sieben Zentimeter tief

Der Angeklagte hatte vor der Kneipe seinem Opfer, einem heute 26-Jährigen, ein Küchenmesser in den Bauch oberhalb der Hüfte auf der linken Seite gerammt. Der Mann trug eine Stichwunde mit einer Tiefe von sieben Zentimetern davon – war aber nach sechs Wochen wieder genesen. Zuvor hatte es auf der Toilette der Kneipe eine Auseinandersetzung mehrere Männer gegeben, unter ihnen der Angeklagte und das Opfer. Bis die Wirtin den Streit beendete und die Männer bat, die Kneipe zu verlassen. Der Angeklagte ging nach Hause, holte das Küchenmesser – und kehrte zur Kneipe zurück.

Erst zum Ende des Prozesses meldete sich der Angeklagte zu Wort und entschuldigte sich bei dem 26-Jährigen. Er stellte den Fall etwas anders da: Einem der Männer sei bei der Auseinandersetzung auf der Toilette, bei dem ihn die Männer geschlagen hätten, ein „Blechgegenstand“ aus der Tasche gefallen. Er habe ihn zu seiner Sicherheit eingesteckt und ihn später für den Angriff genutzt, weil er sich von dem 26-Jährigen bedroht gefühlt habe. Doch das tat Siebrecht als bloße Schutzbehauptung ab.

Messer wurde zum Tomatenschneiden weiterbenutzt

Er glaubte der Darstellung eines anderen Zeugen. Der ehemalige Mitbewohner des Angeklagten sagte vor Gericht aus, dass der 51-Jährige ihm gegenüber anschließend die Tat gestanden habe – auf Englisch und mit Hilfe von Pantomime. Trotz der Sprachbarriere war sich der Zeuge der Kernaussage sicher: Ich habe jemanden mit dem Messer verletzt. „Das war schon klar“, sagte er vor Gericht. Das Küchenmesser hätten sie dann weiter zum Tomatenschneiden genutzt.

Auch dass der Angeklagte, wie sein Verteidiger nahelegte, irrtümlich in Notwehr gehandelt hatte, wollte Richter Siebrecht nicht gelten lassen. Es habe eine deutliche Zäsur zwischen dem Angriff und der Auseinandersetzung auf der Toilette gegeben. „Was sollte das denn, warum sind Sie denn noch mal zurückgegangen?“, fragte er den Angeklagten.

Richter toleriert Messerstechereien nicht

Wer jemandem anderes ein Messer in den Bauch ramme, der könne auch wichtige Organe treffen, so der Richter. Damit hätte er sein Opfer lebensgefährlich verletzen können, zumal er im Dunkeln zustach. Es sei Glück gewesen, dass das Opfer nicht schlimmer verletzt worden sei. Messerstechereien, wie sie in Hannover am Küchengarten zuletzt häufiger vorgekommen seien, will er nicht tolerieren. „Das ist etwas, dafür geht man ins Gefängnis“, sagte Siebrecht. „Da muss man auch Flagge zeigen.“

Ob das ein anderes Gericht auch so sieht, bleibt abzuwarten. Der Verteidiger des Angeklagten kündigte nach der Verhandlung an, seinen Mandanten auf die Möglichkeit hinzuweisen, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

Von Max Baumgart und Alina Stillahn