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Region Burgwedel Nachrichten Flüchtling kocht jetzt Grünkohl im Heidehotel Klütz in Fuhrberg
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18:39 14.08.2019
Mohammad Zafran aus Pakistan kennt die deutsche Küche. Als ausgebildeter Koch bereitet er im Fuhrberger Heidehotel deutsche Traditionsgerichte zu. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Fuhrberg

Frust am Herd kennt er nicht. Mohammad Zafran hat in den vergangenen drei Jahren seine Ausbildung zum Koch im Heidehotel Klütz in Fuhrberg erfolgreich absolviert – und ist anschließend übernommen worden. Der bescheidene Pakistani hat seinen Traumberuf gefunden und kennt sich nun mit der deutschen Küche bestens aus. Ob Spargel, Pfifferlinge, Grünkohl oder auch Gänsekeule: Alles bereitet der 30-Jährige sehr gern zu – und es schmeckt ihm auch.

Kochen macht ihm einfach Spaß

Während seiner Ausbildung lernte Zafran erst die entsprechende Technik, wie er am besten Gemüse schnippelt. Zudem wurde ihm die Sauberkeit in der Küche vermittelt. Im zweiten Lehrjahr ging es dann an die Zubereitung von Soßen. „Ob zum Beispiel eine Weißwein- oder Champignonrahmsoße – die machen wir grundsätzlich selbst“, sagt der wissbegierige und nun ausgelernte Koch. Im dritten Jahr als Azubi durfte er schließlich Fleisch in allen Variationen zubereiten. Es sei ihm nicht schwer gefallen. „Kochen macht einfach Spaß.“ Auch wenn die Tätigkeit, wenn viel los ist, anstrengend und stressig sei. „Dann müssen wir in der Küche richtig Gas geben.“ Und auch dann, wenn der Rücken und die Füße schmerzten.

2013 sollte es eigentlich nach Italien gehen

2013 kam der junge Mann aus Pakistan am Frankfurter Flughafen als politischer Flüchtling an. „Eigentlich wollte ich nach Italien, weil dort ein Bekannter wohnte“, erzählt Zafran offen. Doch die Zollbeamten hatten ihm klar gemacht, dass es nicht gehe. „Also bin ich geblieben“, sagt der heute 30-Jährige und lacht.

Eigene Wohnung in Thönse

Zafrans Eltern und seine sechs Geschwister leben in der Stadt Rawalpindi, im Norden von Pakistan. Seit sechs Jahren hat er seine Familie nicht gesehen. „Wir telefonieren ab und zu.“ Ein wenig Heimweh habe er schon, aber inzwischen hätte er auch Freude gefunden und fühle sich in Burgwedel wohl. „Mit ihnen koche ich auch typische Gerichte aus Pakistan wie Reis mit Hänchen-Curry“, erzählt er. Als Flüchtling hat er eine kleine Odyssee durch mehrere Unterkünften in Gießen, Friedland und am Ende Fuhrberg hinter sich. Mittlerweile wohnt Zafran in Thönse und hat eine eigene Wohnung. Zur Arbeit fährt er mit dem Bus. „Ich mache gerade meinen Führerschein“, sagt er stolz.

Erst Sprachkurs, dann Arbeit

Zafran absolvierte zunächst einen sechsmonatigen Sprachkurs. Dann hatte er ein ein Euro Job in Burgwedel und fegte das Rathaus. Danach half er als Pizzabäcker in Hannover aus und arbeitete in einem griechischen Restaurant. 2015 trat er schließlich einen Job als Küchenhilfe im Heidehotel in Fuhrberg an. Dann ging alles ganz schnell, kurze Zeit später begann er dort seine Ausbildung. „Die Teamarbeit klappt und wir scherzen auch“, sagt er.

Küchenchef Alexander Klütz und auch sein Vater Joachim loben den 30-Jährigen in höchsten Tönen. „So einen wie Zafran, den würde ich sofort wieder ausbilden und einstellen“, sagt Joachim Klütz, Hotelbesitzer sowie ebenfalls ausgebildeter Koch. Der 53-Jährige beklagt indes, dass es immer schwerer sei einen geeigneten Azubi für diesen Beruf zu finden.

Ein Traum bleibt Besuch bei den Eltern

Zafran jedenfalls hat es geschafft und damit sein großes Ziel erreicht, sich in Deutschland eine eigene Existenz aufzubauen. Aber ein kleiner Traum bleibt. Und den will er sich als Nächstes erfüllen: Sein fester Arbeitsvertrag macht es möglich, dass er jeden Monat etwas Geld zurücklegen kann – für einen Flug in seine Heimat. „Nächstes Jahr könnte das klappen“, hofft er. Dann würde er seine Familien nach sieben langen Jahren erstmals wiedersehen.

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