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Nachrichten Firma beginnt mit Sanierung des Grundwassers
Region Burgwedel Nachrichten Firma beginnt mit Sanierung des Grundwassers
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17:58 26.06.2019
Ab ins Grundwasser: Umwelttechniker Christian Päplow bringt die Nährlösung ins Erdreich. Quelle: Thomas Oberdorfer
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Großburgwedel

Über ein Jahr lang wurde geplant, gemessen und vorbereitet – seit wenigen Tagen läuft die eigentliche Sanierung des Grundwassers im Bereich der Dammstraße. Mitarbeiter der Berliner Firma Sensatec pressen derzeit eine Nährlösung in den mit Schadstoffen belasteten Boden. Das ist der erste Schritt, das Grundwasser von den chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) zu befreien.

Sanierungsbereich ist größer geworden

Und auch das ist mittlerweile klar: Der zu sanierende Bereich hat sich ein Stück weit vergrößert. Eine Detailerkundung im Jahr 2016 hatte ergeben, dass auf rund 500 Metern Länge und im Schnitt 50 Metern Breite das Grundwasser in dem Bereich Dammstraße vom Mitteldorf aus Richtung Nordwesten belastet ist. Neu hinzugekommen sind nun rund 40 Meter westlich der Kreuzung In der Meineworth/Dammstraße. Das bestätigt auch Regionssprecher Klaus Abelmann. Durch Bauarbeiten hat sich in der Straße In der Meineworth der Grundwasserspiegel abgesenkt. Dadurch konnte konterminiertes Wasser in diesen Bereich nachfließen.

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Boden wird mit Nährlösung geimpft

Und genau hier beginnen nun die aktuellen Arbeiten: Die Sensatec-Mitarbeiter setzen eine Nährlösung an, mit der sie das Grundwasser impfen. „Darin enthalten sind Kohlenstoff, Eisen, Knoblauch und weitere Zutaten“, erklärt Umwelttechniker Christian Päplow. Mit hohem Druck injizieren sie die Flüssigkeit ins Grundwasser.

Bakterien „fressen“ Schadstoffe auf

Die Idee dahinter: Es gibt Bakterien, die in der Lage sind, chlorierte Kohlenwasserstoffe aufzunehmen. Diese kommen natürlich im Boden vor, „aber nicht im ausreichenden Maße“, sagt Abelmann. Deshalb werden sie nun angefüttert, um ihre Vermehrung anzuregen. In nächsten Schritt sollen dann von außen weitere Bakterien zugeführt werden. Diese werden derzeit extra angezüchtet und sollen in zwei Monaten ins Grundwasser gespritzt werden und das Wasser mikrobiologisch reinigen.

Die Injektion von Nährstoffen und Bakterien erfolgt sehr engmaschig. Vorgesehen sind 45 Stellen im Bereich der Schadstofffahne. Je Injektionspunkt werden 16.000 Liter Nährflüssigkeit ins Erdreich gepresst. „Dies geschieht in 16 verschiedenen Tiefen. Wir beginnen bei rund vier Meter und gehen bis rund 18 Meter tief in den Boden hinein“, erklärt Päplow.

Grundwasser wird in sechs Monaten kontrolliert

Sind Nährstoffe und Bakterien im Boden, sollen sie erst einmal ihre Arbeit tun. „In sechs Monaten werden Kontrollmessungen durchgeführt. Dann werden wir sehen, wie stark das Grundwasser dann noch belastet ist“, sagt Abelmann. Werden dann noch zu viele Giftstoffe festgestellt, wiederholen sich die Injektionen. Und Abelmann hat auch noch eine positive Nachricht parat: „Die letzten Kontrollmessungen haben gezeigt, dass die Schadstoffbelastung bereits gesunken ist.“

Diese war allerdings auch sehr hoch. Punktuell wurde der Grenzwert für giftige chlorierte Kohlenwasserstoffe um das 2900-Fache überschritten. Die Schadstoffe sind eine Hinterlassenschaft der chemischen Reinigung Gehrmann. Die hatte bis zum Jahr 2000 ihren Betrieb auf dem Grundstück Mitteldorf 16. Durch eine defekte Abwasserleitung war Lösungsmittel mit Chlorkohlenwasserstoff in den Boden gelangt und ins Grundwasser gesickert.

Region und Land teilen sich die Kosten

Für die Sanierung des Großburgwedeler Grundwassers sind Kosten in Höhe von 359.000 Euro veranschlagt. Diese teilen sich die Region Hannover und das land Niedersachsen.

Von Thomas Oberdorfer