Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Engenser Horst Dralle erhält Verdienstorden
Region Burgwedel Nachrichten Engenser Horst Dralle erhält Verdienstorden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 24.05.2019
Bürgermeister Axel Düker und die stellvertretende Regionspräsidentin, Michaela Michalowitz, ehren Horst Dralle. Quelle: Claus Kirsch
Anzeige
Engensen/Hannover

Horst Dralle ist Engenser mit ganzem Herzen. „Hier bin ich geboren, hier lebe ich, und hier werde ich auch bleiben“, sagt der heimatverbundene 80-jährige Dorfchronist. In die Ferne treibt es ihn nicht, stattdessen in die Tiefen der Ortsgeschichte. Als Historiker und Gründungsmitglied des Heimatvereins für das Kirchspiel Engensen, Thönse und Wettmar setzt er sich seit mehr als zwei Jahrzehnten ehrenamtlich für seinen Ort ein. Auch die Schützengesellschaft Zentrum Engensen hat in Dralle einen treuen Unterstützer, ebenso wie die Kyffhäuser und die Freiwillige Feuerwehr, bei der er Fördermitglied ist. So viel Engagement wurde jetzt belohnt – mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Diesen überreichte ihm die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz im Haus der Region in Hannover.

Interesse für alte Dinge und die Historie

„Was ich mache, das mache ich, weil es mich interessiert. Wenn andere das gut finden, freut es mich“, sagt der gelernte Vermessungstechniker, der im Katasteramt tätig war. Und das ist zweifellos so: Seine Ausstellungen „Engensen im Wandel der Zeit“ und „Bilder zum Erinnern für die Älteren, zum Entdecken und verstehen für die Jüngeren“ fanden ebenso große Beachtung wie Schriften über Engenser Häuser und Höfe und die Teilung des Wietzenbruchs, der als Weide für alle Burgwedeler Ortschaften diente. Interesse für alte Dinge habe er schon immer gehabt, sagt Dralle. „Ich bin 1938 geboren.“ Er sei ein Kind der Generation „Das kann man noch gebrauchen“. So habe er von Dienstfahrten häufig alte Werkzeuge mitgebracht oder auch mal eine Kaminplatte, die wegen ihres Gewichtes als Abdeckung für Jauchegruben gedient wurde. In seinem Arbeitszimmer stehen wohlgeordnet alle Zeitungsausschnitte über Engensen seit 1984. Dazu kommen mehr als 3000 Bilder.

Anzeige

Engenser Ortschronik zusammengestellt

Er habe sich allerdings nie vorstellen können, Schriften zu veröffentlichen, sagt Dralle. Doch 1996 wurde er Frührentner und besann sich auf sein Faibel für Altes. Zusammen mit Gleichgesinnten widmete er sich den historischen Flurnamen in Burgwedel, recherchierte in alten Büchern und Lexika und trug fast zwei Jahre lang Informationen zusammen, bis der insgesamt 340 Seiten starke Band fertig war. Danach übertrug er das Kirchenbuch von 1878 aus der alten deutschen Schrift und machte so auch zahlreiche Urkunden lesbar. Schließlich begann er, die Ortsgeschichte Engensens zusammenzustellen. „Das war nur für mich gedacht. Aber dann kam der damalige Ortsbürgermeister Otto Laue und fragte, ob er sie lesen kann. Der gab sie dem Pastor, und der habe gesagt: „Das ist etwas für den ganzen Ort“, erinnert sich Dralle. Im Zuge der Arbeiten an dieser 1997 von der Stadt herausgegebenen Chronik fielen ihm alte oder unbekannte Begriffe auf. Die stellte er in einer separaten Broschüre zusammen, auch für die 725-Jahr-Feier Engensens gestaltete Dralle das Programm. Für die 100-Jahr-Feier der Schützengesellschaft im Jahr 2008 erstellte er ebenfalls eine Vereinschronik.

Ein Bildband über Engensen und eine Zusammenstellung von Urkunden sind Projekte für die Zukunft. „Aber es muss im Kopf erst fast fertig sein, bevor ich damit anfange. Ins Blaue hinein arbeiten mag ich nicht“, stellt Dralle klar.

Von Sandra Köhler