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Nachrichten Elfjähriger aus Kleinburgwedel gewinnt Lyrik-Preis Theo
Region Burgwedel Nachrichten Elfjähriger aus Kleinburgwedel gewinnt Lyrik-Preis Theo
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00:16 05.05.2019
Julian zeigt stolz seine Auszeichnungen vom Theo-Schreibwettbewerb. In seinem Zimmer entstehen die meisten seiner Gedichte und Geschichten. Quelle: Sandra Köhler
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Kleinburgwedel

Ein Elfjähriger, der gern Gedichte schreibt: Das ist schon ungewöhnlich. Dass dieser Elfjährige aus Kleinburgwedel mit seiner Lyrik auf Anhieb im ersten Versuch beim Theo, einem Schreibwettbewerb mit internationaler Beteiligung, gleich den Sieg einheimst, noch ungewöhnlicher. Am Ungewöhnlichsten aber ist, warum der Junge Gedichte schreibt: „Ich finde es cool, wenn ich Menschen mit lustigen Gedichten zum Lachen bringen kann“, sagt Julian Horst.

Gedichte und Geschichten gehören dazu

Julian ist ein ganz normaler, blitzgescheiter und aufgeweckter Junge. Er besucht die fünfte Klasse des Gymnasium Burgwedel, spielt Tischtennis und Handball und in den Schulpausen gern auch Fußball. In seinem Zimmer steht ein gut gefülltes Bücherregal, an der Wand hängt eine Zeichnung des Kinderbuchautoren Ingo Siegner. Bücher und Geschichten mag Julian sehr. Mama Anja war fürs Vorlesen zuständig, Papa Peter erzählte ihm von klein auf selbst erdachte Geschichten: „Von drei Dachsen, die gemeinsam Abenteuer erleben“, verrät Julian. Kein Wunder also, dass auch er Geschichten ersinnt, seitdem er sich erinnern kann. „Und seit ich schreiben kann, schreibe ich die auch selber auf.“ So entstand unter anderem eine Gutenachtgeschichte, die er am Familienhund ausprobierte. Der Dann auch wirklich bei Vorlesen einschlummerte.

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Erste Lyrik mit fünf Jahren verfasst

In seinem Zimmer hat Julian einen Schrank, in dem er alle Werke verwahrt. Man kann ja nie wissen. Denn der Junge träumt davon, später einmal Bücher schreiben. Doch nicht nur Geschichten, auch Gedichte haben es dem Elfjährigen angetan. Das erste erdachte er 2013 – da war er gerade einmal fünf Jahre alt – als Weihnachtsgeschenk. Mittlerweile sind viele dazu gekommen. Wenn er in ihnen blättert, kann er es selbst kaum fassen, was er damals schon zu Papier gebracht hat. „Ich finde es toll, wenn es sich reimt und lustig ist, so dass ich die Leute damit zum Lachen bringen kann “, sagt Julian. Doch nicht nur zu Weihnachten, Geburts- oder anderen Feiertagen greift er zum Stift und verewigt seine Gedichte „auf allem Papier, das mir in die Hände fällt“. Auch der Alltag inspiriert den Jungen immer wieder. „Wenn ich die erste Zeile habe, dann sprudeln die Ideen. Und das Gedicht ist ziemlich schnell fertig.“

Dieses Gedicht gewinnt den Lyrik-Theo

Das ist das Gedicht, mit dem Julian Horst den Junior-Theo Lyrik gewann. Er hat es nach dem Thema des Schreibwettbewerbs „Vor dem Sturm“ genannt.

Vor dem Sturm,

so spricht der Wurm,

ist alles still,

weil niemand will,

dass der Sturm

den armen Wurm

an den Fischerhafen weht

wo sonst schon der böse Fischer steht.

Weil der Wurm sonst hängt am Haken

und sich streiten tun die Kraken

um den leck’ren Miniwurm.

So machen’s Kraken vor dem Sturm.

Zum Theo kommen noch andere Literaturwettbewerbe

So ging es ihm auch bei „Vor dem Sturm“, mit dem er jüngst den Theo Junior Lyrik gewonnen hat. „Ich habe mit dem Thema angefangen und überlegt, was reimt sich auf Sturm. Da ist mir Wurm eingefallen. Und dass es für den Wurm bestimmt gefährlich ist, wenn er vom Sturm weggeweht wird.“ Weil Julian so gern schreibt, hatte er mit seiner Mutter nach Literaturwettbewerben gesucht, an denen auch Kinder teilnehmen können. „Und der erste war der Theo.“ Auch bei weiteren Wettbewerben, unter anderem dem Litwett der Burgdorfer Stadtjugendpflege, hat er sich beteiligt. Doch da ist die Auswahl der Sieger noch nicht abgeschlossen. Dass er zu den Preisträgern gehört, wusste Julian übrigens schon vor seinem Lehrer. Der versprach ihm eine „große Überraschung, über die du dich sehr freuen wirst“. „Als dann tagelang nichts kam, habe ich ihn gefragt, ob er meinte, dass ich beim Theo gewonnen habe. Und das war es dann auch.“

Theo: ein Literaturpreis für Kinder und Jugendliche

Theo, ganz genau heißt es „Theo – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“, ist ein Literaturpreis für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von zehn Jahren aus Deutschland und der ganzen Welt. Veranstalter der des Wettbewerbs, der in 2019 seine zwölfte Auflage erlebte, sind der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg sowie der Verein Schreibende Schüler. Letzterer versteht sich als Forum und Plattform für junge Schreibende und ihre Literatur.

Mehr als 650 Teilnehmer beteiligten sich an der diesjährigen Runde zum Thema „Vor dem Sturm“. Beim Theo gibt es die Kategorien Prosa, Lyrik und Sprachräume. In letzter Kinder und Jugendliche, die mehrsprachig in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland aufwachsen, Texte einreichen – und zwar in allen Sprachen. Für die jüngsten Nachwuchsliteraten, die auch unter zehn Jahren alt sein dürfen, gibt es den Theo Junior für Prosa und jetzt auch für Lyrik.

Die Beiträge aller Nominierten werden in einem Buch veröffentlicht. Zu gewinnen gibt es Einladungen zur Sommerliteraturwoche, einer Schreibwerkstatt, sowie Sachpreise wie Büchergutscheine. Beiträge für die nächste Runde können ab dem 15. Oktober eingereicht werden.

Lyrik: die Freunde finden es klasse

Schräg angeguckt wird Julian wegen seiner Liebe zu Lyrik übrigens nicht. „Meine Freunde finden es toll, was ich mache“, sagt der Junge strahlend. Bei der sogenannten Nominiertenwerkstatt vor der Theo-Preisverleihung in Berlin lernte er andere junge Menschen kenne, die wie er Spaß am Schreiben haben. Gemeinsam übten sie, wie sie ihre Texte am Besten vor großem Publikum vortragen können. „Einer kam aus Rom, einer aus Syrien, der Rest aus ganz Deutschland. Wir haben eine Whatsapp-Gruppe und bleiben auf jeden Fall in Kontakt.“ Im Sommer trifft er die anderen bei der Sommerliteraturwoche, einem Schreibworkshop, der zum Preis gehört. Darauf freut sich der Elfjährige schon mächtig. Und beim nächsten Theo, da macht er wieder mit. Das hat sich Julian ganz fest vorgenommen.

Von Sandra Köhler