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Region Burgwedel Nachrichten Das einsame Wochenende eines Truckers
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00:16 26.07.2018
Der 52-jährige Trucker Bodur hat es sich neben seinem Lastwagen gemütlich gemacht – so gemütlich, wie es eben geht auf dem Bürgersteig in einem Gewerbegebiet. Quelle: Patricia Chadde
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Großburgwedel

Manche Anlieger stören sich an den Brummis, die vor ihren Türen parken. Aber wie überbrücken die Lastwagenfahrer eigentlich die Zeit zwischen der Ankunft am Zielort der Fracht und dem Abladevorgang, wenn ein ganzes Wochenende dazwischen liegt?

Regel Nummer eins lautet, korrekt zu parken. „Die Polizei ist schon zweimal vorbeigefahren und hat interessiert in mein Führerhaus geguckt“, sagt Bodur, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen will. Aber der 52-Jährige weiß 100-prozentig, dass er sein Fahrzeug in der Parkbucht im Gewerbegebiet an der Kokenhorststraße in Großburgwedel abstellen darf.

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Bodur kennt sich aus, er pendelt regelmäßig zwischen Istanbul und Großburgwedel oder anderen Zielen in Deutschland. Sein Deutsch hat Augsburger Zungenschlag, denn dort ging er als Kind zur Schule. „Meine Eltern haben 20 Jahre in Augsburg gearbeitet“, berichtet der Trucker. Er selbst sitzt aber an diesem sonnigen Julisonntag 2500 Kilometer von der Familie entfernt allein vor dem Laster und hat viel freie Zeit. Einfach etwas später in der Türkei loszufahren, das hat er sich dann doch nicht getraut – schließlich ist nicht nur in Deutschland gerade Urlaubszeit, sondern der Verkehr auch in den Transitländern unberechenbar.

Während im Schnellimbiss auf der anderen Straßenseite die Burger im Akkord gebrutzelt werden, lässt es Bodur deutlich ruhiger angehen. Auf dem Bürgersteig hat er einen kleinen Kohleofen aufgebaut, auf dem er gerade Teewasser zum Kochen bringt. Das Seitenfach seines Lastwagen, in dem normalerweise Spanngurte transportiert werden, dient ihm als Vorratsschrank: Kochgeschirr steht neben Wasserflaschen, Brot liegt neben Wurst und Marmeladengläsern.

Die Zeit fließt zäh dahin, aber Bodur achtet auf die passende Infrastruktur seiner Umgebung. „Hier ist ein Aldi-Markt in der Nähe und der Schnellimbiss“, zählt er die Vorzüge seines Wochend-Parkplatzes auf. Trotzdem ist die Umgebung gerade beinahe menschenleer und der Nachmittag für Bodur ziemlich eintönig. „Schön, wenn man auf Kollegen trifft und ein bisschen reden kann“, findet er. Außerdem hat er sein Smartphone immer dabei und telefoniert viel nach Hause. Aber wer Waren aus der Türkei die lange Strecke nach Deutschland bringt, muss das Alleinsein ohnehin gut aushalten können.

Darüber hinaus verhielten sich die meisten Trucker nach Bodurs Schilderung möglichst unauffällig und seien aus ihren Erfahrungen mit abweisenden Anliegern misstrauisch. Auch Bodurs erste Frage lautete daher: „Gibt es ein Problem?“ Dass sich jemand dafür interessiert, wie es ihm an einem heißen Sommerwochenende geht, erlebt er das erste Mal.

Von Patricia Chadde