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Nachrichten Fürststern ist wie ein Sechser im Lotto
Region Burgdorf Nachrichten Fürststern ist wie ein Sechser im Lotto
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00:20 27.08.2018
Züchterin Folke Jaedicke mit ihrem Star Fürststern (von links), Mutter Soraya und Schwester Gretjen. Quelle: Köhler
Dedenhausen

Eigentlich hatte es nur ein passendes Pferd für den Sohn werden sollen. So kam Pferdenärrin Folke Jaedicke zur Zucht. Mit ihrem zweiten Fohlen, dem drei Monate alten Hannoveraner-Hengst Fürststern gelang der 42-Jährigen, wovon andere träumen: Bei seiner ersten Schau, dem Saisonabschluss des Pferdezuchtvereins Burgdorf-Leinetal auf dem Gelände der Hengstprüfungsanstalt Adelheidsdorf meldete das Landgestüt Celle direkt Interesse an.

Riss bereits nach den ersten Metern im Ring alle von den Sitzen: Hengstfohlen Fürststern mit seiner Mutter Soraya. Quelle: Schwöbel

„Das ist schon wie ein Sechser im Lotto, eigentlich gelingt so etwas Leuten mit jahrelanger Zuchterfahrung“, weiß Jaedicke. „Er war noch keine halbe Runde im Ring, da fragten die Leute schon: ’Wer ist das? Von wem stammt der ab? Wem gehört der?’“, erinnert sich Jaedicke an Fürststern Show-Premiere. „Und dann kam der Axel Brockmann vom Landgestüt Celle und fragte, ob er zu verkaufen sei.“ Das hatte Jaedicke so nicht geplant. Völlig überrumpelt habe sie dem Landstallmeister geantwortet: „Das kommt auf den Preis an.“ Und zur Antwort bekommen: „Da werden wir uns schon einig. Ich komme nachher wieder.“ Inzwischen ist der junge Hengst tatsächlich Eigentum des Landgestüts. „Und wenn alles gut geht, wird er in zwei Jahren gekört“, sagt die ursprünglich aus dem Sauerland stammende Dedenhäuserin.

Sie züchtet erst seit zwei Jahren. Aus reiner Liebhaberei. „Ich hatte festgestellt, dass es sehr schwer ist, Pferde zu kaufen, die vernünftig eingeritten sind“, sagt sie. Als ihr fünfjähriger Sohn Interesse am Reitsport zeigte, den sie selbst seit ihrer Kindheit betreibt, war die Idee geboren. Warum nicht Stute Soraya decken lassen? Da Jaedicke ein Pferd vorschwebte, das sowohl sie als auch ihr Sohn reiten können sollte, war der erwählte Deckhengst ein Deutsches Reitpony. So entstand Gretjen, die ältere Halbschwester von Fürststern.

Nachdem sie sich viel mit Zucht und insbesondere mit Hengsten und deren Vererbungsmöglichkeiten beschäftigt hatte, stand fest: Es sollte ein zweites Fohlen geben. „Ich bin kein Freund von ganz jungen Hengsten, sondern möchte wissen, wie sich die Eigenschaften vererben“, sagt sie. Ihr favorisierter Samenspender war Fürstenball aus dem Besitz von Paul Schockemöhle. „Da hatte ich Monate vorher angefragt, und auch bereits das Geld überwiesen.“ Als sie am Morgen vor dem Tag, an dem Soraja besamt werden sollte, dort anrief, bekam sie die Auskunft, der Hengst sei so begehrt, dass sie das begehrte Material nicht zugeschickt bekommen könne.

Riss bereits nach den ersten Metern im Ring alle von den Sitzen: Hengstfohlen Fürststern mit seiner Mutter Soraya. Quelle: Marianne Schwöbel

Unter Zeitdruck – selbst nach Mühlen fahren, um das Sperma abzuholen, war ausgeschlossen – überlegte Jaedicke, was sie alternativ tun könnte: „Es war 8.30 Uhr, Samen bestellen geht nur bis 10 Uhr.“ Sie rief also beim nahegelegenen Landgestüt Celle an, schilderte sie ihre Lage. „Welchen Hengst wollten sie denn eigentlich?“, sei sie gefragt worden. Auf ihre Antwort bekam sie Fürst Belissaro angeboten. Der ist ein Sohn des Schockemöhle’schen Hengstes und dafür bekannt, dass sich seine Eigenschaften gut vererben. Jaedicke ging das Wagnis ein. „Ohne den Hengst einmal gesehen zu haben“, wie sie erinnert. Eine Samenportion genügte. Soraya brachte Fürststern zur Welt.

„Alteingesessene Züchter sagen, man kann bereits früh an den Bewegungen erkennen, ob ein Fohlen etwas Besonderes ist“, sagt Jaedicke. Diesen Eindruck habe auch sie gehabt, als es für den Hannoveraner-Hengst das erste Mal auf die Weide ging. Die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten. Der Pressesprecher des Pferdezuchtvereins Burgdorf-Leinetal beschreibt das Auftreten bei der Schau folgendermaßen: „Er kam, sah und siegte, so kann man den Auftritt des Siegerhengstfohlens im Bereich Dressur beschreiben. Fürst Belissaro/Stedinger ist die Abstammung dieses qualitätvollen Braunen, der mit überragendem Bewegungsablauf, jederzeit elastisch bis in die Hufspitzen, auch im Schritt überzeugte.“

Die Pferdefrau ist auf den Zuchtgeschmack gekommen, Soraya bereits erneut schwanger. Das Wichtigste sei ihr aber, so versichert Jaedicke, dass es ihren Tieren gut gehe. „Das ist wie bei Menschen: Hauptsache, Mutter und Kind sind wohlauf“, sagt sie. Einen weiteren kleinen Hengst würde sie gerne behalten. So, wie sie das mit Fürststern ursprünglich vorhatte.

Sie befreit Reiter von ihren Blockaden

Nicht nur für Pferde, auch für Menschen interessiert sich Folke Jaedicke sehr. Zudem für Psychologie. Diese Leidenschaft weckte einst ein Lehrer bei der studierten Betriebswirtin während ihres Aufenthalts an einer amerikanischen Highschool. Jaedicke hat auch den Bachelor of Business Administration mit Schwerpunkt Marketing in der Tasche. Das Studium allerdings war ihr zu praxisfern. Als sie dann aus familiären Gründen von Hamburg in die Region Hannover zog und eine Selbstständigkeit erwog, absolvierte sie ein Coaching. Wobei ihr klar wurde: Das ist es. Seither kümmert sie sich als Emotions- und Motivationscoach um Reiter.

Zu ihr kommen Menschen mit mentalen Blockaden. Sei es die ambitionierte Turnierreiterin, die sich selbst so unter Druck setzt, dass sie nur noch „mit angezogener Handbremse“ auf dem Parcours agiert. Oder der Reiter, den sein vermeintlich schlechtes Abschneiden bis in die Alltag verfolgt, sodass er sich mit dem Gedanken „ich bin nicht gut genug“ quält. „Viele Blockaden haben ihren Ursprung ganz wo anders. Und es hängt noch ein ganzer Rattenschwanz dran“, sagt Jaedicke. Pferde seien sensible Tiere, die die Stimmungen ihres Reiters erspürten und spiegelten. „Es kommen gerade die, die ein sehr sensibles Pferd haben“, sagt Jaedicke.

Mithilfe bestimmter Fragetechniken und dem sogenannten Myostatiktest, der bei Veränderungen des Muskeltonus auf Stress schließt, macht die Emotionchoachin die Problematik aus. Um die bestehenden Blockaden dann mithilfe der aus der Traumatherapie stammenden EMDR-Methode zu lösen. EMDR, das steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch ungefähr Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen bedeutet. „Dabei rufe ich im Wachen den Zustand hervor, der im Schlaf in der REM-Phase erreicht wird. Darin verarbeiten wir Stress und Blockaden. Diese gelangen vom Mandelkern ins Großhirn.“ Bereits wenige Sitzungen führten zu Erfolgen.

Von Sandra Köhler

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