Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Jesiden wünschen sich mehr Solidarität
Region Burgdorf Nachrichten Jesiden wünschen sich mehr Solidarität
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 13.08.2014
Hülya Deniz wird in der Weststadt von Hausherrin Ayse Duran begrüßt (oben). Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Burgdorfs Kurden sind nach eigener Darstellung fast alle eingebürgert und gut integriert. Viele sind selbstständig, sichern Arbeitsplätze, zahlen Steuern - als Gastronomen, Inhaber von Handwerksbetrieben und Dienstleister. Sie fühlen sich nicht nur als Deutsche, sie sind Deutsche - mit kurdischen Wurzeln wohlgemerkt. Deutsche jesidischen Glaubens. Deutsche, die jedoch wegen ihrer Herkunft und jahrhundertelangen Verfolgung extrem sensibilisiert sind im Angesicht der unvorstellbar brutalen Verbrechen, die islamistische IS-Krieger seit dem 2. August an ihren Glaubensbrüdern und -schwestern im Nordirak verüben. Burgdorfs Kurden leiden. Sie befürchten die Auslöschung des 4000 Jahre alten Jesidentums.

Ahmet Deniz, Vorstandsmitglied im Jesidischen Kulturverein mit Sitz in Celle, betreibt den Ada-Grill am Bahnhof. Er hat Bekannte im Nordirak. Mit ihnen hält er via Smartphone und sozialer Netzwerke Kontakt, telefoniert bisweilen mit ihnen. So erhält er Videos und Bilder, die ihm den Schlaf rauben. Über den kurdischen Fernsehsender Cira-TV, der täglich ab 21 Uhr Berichte ausstrahlt, erreichen ihn weitere Schreckensbilder aus dem Grenzgebiet zu Syrien. Der Gastronom spricht von 200 000 Jesiden auf der Flucht. 3.000 seien ermordet worden, 5.000 Frauen vergewaltigt, 400 Kinder in die Berge geflüchtet und jämmerlich verdurstet.

„Die IS sind keine Gotteskrieger, sondern Barbaren.“

Auch Ali Ayhan gehört dem Vorstand des jesidischen Kulturvereins an. Er war am vergangenen Montag mit 200 anderen Glaubensgenossen bei einer Versammlung in Lehrte, wo überraschend der betagte Mir Tahsin Beg (81), weltliches und religiöses Oberhaupt der weltweit weniger als eine Million Menschen zählenden Jesiden, auftrat und die Solidarität mit den Terroropfern einforderte. Wie zum Beweis für den Ernst der Lage zeigt Ayhan, ein Immobilienmakler, ein Bild auf seinem Handy. Darauf ist ein alter Mann zu erkennen. Er liegt am Boden - enthauptet. „Was sind das für Menschen, die so etwas tun?“, fragt Ayhan. „Die IS sind keine Gotteskrieger, sondern Barbaren.“

Die Bilder erzeugen Wirkung bei den rund 100 jesidischen Familienverbänden in Burgdorf, die alle aus zwei kleinen Dörfern in der Osttürkei stammen. Die 33-jährige Yildiz Duran, Automobilkauffrau, ausgebildete Integrationslotsin und dreifache Mutter, berichtet von Bedrohungen im Internet. Schon habe es Übergriffe von Salafisten auf Kurden gegeben - bei Mahnwachen, Kundgebungen und Demonstrationen gegen den Völkermord. Zwar nicht in Burgdorf, aber in Herford und Hannover. „Die Angst ist da“, sagt Duran. „Unsere Eltern flohen aus der Türkei, weil sie Jesiden sind. Wir glaubten, dass wir hier sicher sind. Jetzt trauen wir uns nur noch in Gruppen in die Öffentlichkeit.“

In Gruppen besuchen Duran und ihre Mitstreiter jetzt Häuser, in denen Kurden wohnen. Sie sammeln Geld, um Jesiden im Irak zu helfen - mit Kleidung, mit Medikamenten. „Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, um humanitäre Hilfe zu leisten,“ sagt Duran. Nicht nur sie ist verbittert, dass die deutsche Hilfsmaschinerie nicht anspringt und sich die Politik bedeckt hält. „Wir wünschen uns Solidarität“, sagt die Jurastudentin Hülya Deniz. Gestern dann rief die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks, in deren Wahlkreis Burgdorf liegt, zu Spenden auf.

Joachim Dege

Die Maler- und Lackierer-Innung Burgdorf mit ihren 20 Betrieben im ehemaligen Altkreis, der von der Wedemark bis nach Sehnde und von Isernhagen bis nach Uetze reicht, sieht sich einem schwerwiegenden Problem gegenüber.

Joachim Dege 13.08.2014

Die Aktion City-Samstag belebt während der Pferdemärkte auch die Innenstadt. Doch längst nicht alle Händler verzeichnen mehr Kunden - und manche sehen die Parkplatznot infolge des Marktbetriebs als echtes Problem.

12.08.2014

Schillerslage feiert das 750-jährige Bestehen des Dorfes im September mit einem großen Fest. Jetzt wurde das Programm veröffentlicht, an dem zahlreiche Vereine beteiligt sind.

Joachim Dege 12.08.2014