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Nachrichten Horst Gohla ist neuer Stadtjugendpfleger
Region Burgdorf Nachrichten Horst Gohla ist neuer Stadtjugendpfleger
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00:18 29.03.2019
Horst Gohla ist Burgdorfs neuer Stadtjugendpfleger.
Horst Gohla ist Burgdorfs neuer Stadtjugendpfleger. Quelle: Sybille Heine
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Burgdorf

Horst Gohla ist der neue Stadtjugendpfleger und übernimmt die Arbeit von Bernd Witte, der in diesem Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Im Interview spricht er über die Herausforderung, mit 59 Jahren dieses Amt zu übernehmen und über neue Akzente, die er in der Jugendarbeit setzen möchte. Seine Stelle als Hausleiter im Johnny B. wird neu besetzt.

Mit fast 60 noch so eine Herausforderung ist das nicht zu viel? Denken Sie noch gar nicht an den Ruhestand?

Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Das ist noch einmal eine Herausforderung. Bis zum Rentenbeginn liegen noch sieben Arbeitsjahre vor mir. Ich denke noch nicht an den Ruhestand. Es ist gut, auf dem Posten des Jugendpflegers eine Person mit Erfahrung zu haben. Seit 1993 bin ich in der Jugendarbeit tätig. Die vielfältigen Aufgaben sind eine Herausforderung und machen mir Spaß, weil sie viele Möglichkeiten der Kooperation bieten. In der Jugendpflege gibt es ein qualifiziertes Team. Ich gehe gern zur Arbeit. Sie hält mich jung. Ich achte außerdem auf meine Gesundheit und mache Rückentraining. Und ich achte auf mein Arbeitspensum. Zur Zeit habe ich nur 20 Überstunden. Ich bemühe mich, das Zeitkonto zeitnah auszugleichen.

Wie reagieren die Jugendlichen auf einen älteren Jugendpfleger?

Alle siezen mich. Das ist ungewohnt. Ich arbeite seit 26 Jahren mit Jugendlichen. Ich habe zwei Kinder, die inzwischen um die 20 sind und stecke mittendrin. Ich habe keine Berührungsängste. Ich versuche zu fördern, zu unterstützen und Ideen Platz zu geben. Ich bin gerne mit Jugendlichen zusammen, aber ich kann nicht mehr Hip-Hop tanzen. Die Jugendlichen wollen auch einmal unter sich sein. Das muss man respektieren. Erfahrung ist sehr hilfreich, mit ihr lässt sich vieles voraussehen.

Sehen Sie sich als Hauptgewinn für die Kinder- und Jugendarbeit in Burgdorf?

Ich bin ein Gewinn, weil ich offen für Neues bin. Es sind nicht immer meine Ideen, die ich umsetze. Wichtig sind ein gutes Team und engagierte Jugendliche in den Jugendhäusern und in den Schulen, die Kontakt zur Jugendpflege halten. Es ist mir wichtig, Impulse zu setzen. Ich habe das Gefühl, ich gehe nach vorne und mache keine Rückschritte.

Was wollen Sie als Stadtjugendpfleger auf den Weg bringen? Wollen Sie die Arbeit von Bernd Witte fortsetzen oder auch neue Akzente setzen?

Ich möchte neue Akzente setzen und neue Projekte anschieben. Ich will andere Wege gehen und vieles erneuern. Ich wünsche mir mehr Jugendbeteiligung bei unserer Hauptzielgruppe den Acht- bis 18-Jährigen. Es geht darum, mehr Nähe zur Jugend zu finden. Dazu gehört aufsuchende Jugendarbeit. Ich möchte sondieren, wie die Jugendarbeit in Vereinen und Verbänden unterstützt werden kann. Die TSV will zum Beispiel eine Jugendparty am 16. Juni im Johnny B. organisieren in Kooperation mit der Jugendpflege.

Wie soll die Kommunikation mit den Jugendlichen laufen?

Die Jugendlichen sollen wissen, wie sich mich erreichen können. Deshalb gibt es eine regelmäßige Sprechstunde immer donnerstags von 14 bis 19 Uhr im Johnny B. Auch über die Telefonnummer der Jugendpflege (05136) 898328 bin ich erreichbar. Es läuft ein Anrufbeantworter, oder das Gespräch wird direkt an mein Handy weitergeleitet. Eine hohe Erreichbarkeit ist wichtig, Jugendliche wollen nicht warten. Ich möchte eine zeitnahe Rückmeldung gewährleisten.

Was haben Sie in puncto Jugendpflege bereits auf den Weg gebracht?

Ich habe die Juleica-Ausbildung in Kooperation mit den Kollegen neu konzipiert. Außerdem wurden die Faschingspartys unter ein Motto gestellt. Es hieß in diesem Jahr Filmhelden. Der Literaturwettbewerb wurde unter meiner Federführung neu strukturiert. Die Teilnehmer loben, dass sie ihre Texte und auch Filme einfach hochladen können. Realisiert ist auch bereits, dass der Ferienkompass jetzt online verfügbar ist. Langfristig soll das Programm bereits acht Wochen vor Ferienbeginn zur Verfügung stehen, damit die Familien besser planen können. Der Kulturzirkus wird seit Jahren unter meiner Regie veranstaltet und gehört zur Jugendpflege.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Streetworkern Nathalie Bernert und Halit Özden vor?

Ich möchte mir mehr Zeit für diese Zusammenarbeit nehmen. Streetworker müssen hochflexibel sein und sollen darum auch auf die Jugendhäuser zugreifen können und Schlüssel erhalten, damit sie mit Jugendlichen zum Beispiel spontan kochen können. Die Jugendlichen lernen so die Einrichtungen kennen. Ein pädagogischer Austausch soll einmal im Monat initiiert werden.

Sind die Ortsteile Ihrer Meinung nach ausreichend mit Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche versorgt? Sind die Angebote für Ihre Zielgruppe insgesamt ausreichend?

In der Stadt gibt es das JohnnyB. und das Südstadt-Bistro. In der Weststadt fehlt eine Anlaufstelle für Jugendliche. Jugendhäuser gibt es außerdem in Otze und Ehlershausen. Wir müssen erst einmal den Bedarf der Jugendlichen ermitteln. Es müssen Gespräche mit Jugendlichen, Eltern und Vereinen geführt werden. Vereine könnten zum Beispiel ein Partner für die Jugendarbeit sein. In den kleinen Ortschaften müssen spezifische Lösungen gefunden werden. Eine Bauwagenlösung oder die Anmietung eines Kleingartens wären möglich und machbar. Es geht darum, mit den Schulen zusammenzuarbeiten und mit den Menschen vor Ort.

Braucht Burgdorf weiterhin ein eigenes Jugendamt?

Sollten Jugendliche in Burgdorf mehr zu Wort kommen? Braucht die Stadt ein Jugendparlament?

Jugendliche sollten zu Wort kommen, aber sie sollten selbst entscheiden, welche Art der Beteiligung sie wollen. Mein Wunsch ist es, mit den Schulen ins Gespräch zu kommen, um zu klären, welche Fächer kommunalpolitische Inhalte beinhalten. Ich möchte mich als Netzwerker verstehen, wenn es darum geht, den Prozess der politischen Beteiligung von Jugendlichen in die richtige Richtung zu begleiten.

Gibt es bei der Betreuung und Unterstützung von ehrenamtlichen Jugendleitern und Bürgern Verbesserungsbedarf?

Was ist zu Ihrem Sechzigsten geplant? Zum Fünfzigsten gab es ein Konzert.

Mein Geburtstag ist am 21. November, und ich möchte noch nichts preisgeben. Es ist noch nichts festgelegt. Burgdorfer können teilhaben.

Von Sybille Heine