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Region Burgdorf Nachrichten Gericht beendet Rosenkrieg mit Geldauflage
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00:18 18.01.2019
Die Kinder des Angeklagten leiden nach Aussage der Mutter bis heute unter den Folgen der häuslichen Gewalt zwischen den Eheleuten, die inzwischen in Scheidung leben. Quelle: Symbolbild (Steffen Schellhorn)
Burgdorf

Einen Rosenkrieg zwischen zwei in Trennung lebenden Eheleuten hat das Amtsgericht zumindest im strafrechtlichen Sinne vorerst beendet. Der Gatte, der seine Frau nicht nur mit verbaler Gewalt traktiert, sondern auch mit schierer Muskelkraft misshandelt haben soll, kam mit einer Entschuldigung und einer Geldauflage davon. Das zu akzeptieren, fiel der malträtierten Frau schwer. Sie rang sich dennoch dazu durch: „Ich finde es in Ordnung, meinen Kindern zuliebe“, sagte sie mit erstickter Stimme und unter Tränen im Gerichtssaal.

Es war am 19. April vergangenen Jahres. Die Eheleute telefonierten miteinander. Es kam zum Streit. Dann rutschte dem 38 Jahre alten Bauunternehmer im Eifer des Wortgefechts ein folgenschwerer Satz heraus: „Ich bringe Deine Schwester und Deine Mutter um. Und Deinen Bruder ficke ich“, zitierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft aus den Ermittlungsakten der Polizei – eine Bedrohung mit einem Verbrechen.

Obwohl der Mann nach diesem Streit aus dem gemeinsamen Haus auszog und bei seinen Eltern unterkam, gerieten die Eheleute nur zwei Tage später erneut aneinander. Als der Mann sich Kleidung abholte, überraschte ihn seine Frau (37), mit der er seit 18 Jahren verheiratet ist. Sie verlangte die Herausgabe des Hausschlüssels, griff ihm in die Tasche. Darauf soll er ihr an den Kragen gegangen sein und sie mit beiden Händen gewürgt haben. Und zwar vor den Augen der gemeinsamen Kinder im Alter von sieben, acht und zwölf Jahren. Erst als diese laut aufschrien, habe er abgelassen, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die den Übergriff als Körperverletzung wertete.

Überraschenderweise verzichtete Strafrichterin Stephanie Rohe auf eine voll umfängliche Beweisaufnahme, hörte keinen einzigen der fünf geladenen Zeugen an. Einzig der angeklagte Mann schilderte dem Gericht, wie sich die beiden Auseinandersetzungen aus seiner Sicht zugetragen hatten. Beim ersten Streit wollte er sich nicht mehr erinnern können, welche Worte er gebraucht hatte. Bei den Handgreiflichkeiten räumte er nur ein, dass er seine Frau von sich gestoßen habe. Beides bedaure er.

Die Polizei stellte bei der Frau keine Würgemale fest, insistierte Strafverteidiger Christoph Reichelt unter Berufung auf die Ermittlungsakten. Diese enthielten aber ein ärztliches Attest. Doch auch das schilderte nur, was die geschundene Ehefrau ihrem Arzt über das Geschehen und die Folgen für ihr Nervenkostüm berichtet hatte. Um objektive Beiweise war es somit nicht zum Besten bestellt. Woraufhin die Richterin zu erkennen gab, dass sie das Verfahren gegen Auflagen einzustellen bereit sei, wenn sich der Angeklagte bei seiner Frau, mit der er inzwischen in Scheidung lebt, entschuldigt. Allerdings nur, wenn diese die Entschuldigung annehmen könne.

Das tat die Frau. Nicht aus der Überzeugung, dass Vergebung das Geschehene heilen kann, sondern um ihren Kindern weiteres Leid zu ersparen. Denn die Älteste leide unter Angstzuständen und traue sich nicht mehr vors Haus, die beiden jüngeren Kindern nässten ständig ein. Alle drei befänden sich in Therapie, um die erlebte häusliche Gewalt der Eltern zu verarbeiten. Direkt an den Kindsvater gewandt sagte die Mutter im geschützten Raum des Gerichtssaals, sie hätte sich gewünscht, dass ihr Exmann um der Kinder willen schon früher einlenkt hätte: „Ich bitte Dich als Vater zu agieren und nicht als Noch-Ehemann.“

Denn nach wie vor scheint die Trennung nicht ausgestanden zu sein. Zwar will der Mann seiner Frau inzwischen ein Wohnhaus überschrieben haben. Für die Kinder zahlt er nach eigenen Angaben Unterhalt. Derweil klagt er, um das Umgangsrecht mit seiner ältesten Tochter zu erwirken, und kämpft dabei offenbar mit harten Bandagen. Das Mädchen wolle aber mit ihren Vater nichts mehr zu tun haben, sagte die Mutter. Auch das Jugendamt sei der Meinung, dass ein Kontakt mit dem Vater den Erfolg der Therapie gefährdet.

Das Gericht, vor dem die Eheleute in dieser Woche eine Menge schmutzige Wäsche wuschen, stellte das Strafverfahren nach der akzeptierten Entschuldigung vorläufig ein. Dem Mann machte es zur Auflage, dass dieser 500 Euro an ein Männerbüro bezahlen muss. Dem Angeklagten schrieb die Richterin ins Stammbuch: „Gewalt ist niemals eine Lösung.“

Von Joachim Dege

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