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Nachrichten Generationswechsel bei der SPD
Region Burgdorf Nachrichten Generationswechsel bei der SPD
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09:23 18.05.2013
Von Anette Wulf-Dettmer
Foto: Staffelübergabe mit roten Nelken: Bernd Lange (links) gratuliert seinem Nachfolger Ahmet Kuyucu.
Staffelübergabe mit roten Nelken: Bernd Lange (links) gratuliert seinem Nachfolger Ahmet Kuyucu. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

„Ich kandidiere nicht wieder, nicht etwa weil ich keine Lust habe. Eher das Gegenteil ist der Fall“, sagte Lange, der seit Kurzem handelspolitischer Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament ist. Diese neue Aufgabe ist der Grund für seinen Verzicht. „Ich habe objektiv keine Zeit, um den Vorsitz verantwortungsvoll auszufüllen.“

Schweren Herzens habe er sich entschlossen, nicht wieder zu kandidieren. „Denn es ist für mich wichtig, geerdet zu sein. Dazu hat der Ortsvereinsvorsitz beigetragen“, erklärte der 57-Jährige. „Auch wenn manche Kollegen im EU-Parlament mich deshalb belächeln.“

Bislang gelinge es, entgegen dem bundesweiten Trend die Mitgliederzahl der Burgdorfer SPD mit etwas mehr als 200 stabil zu halten. „Aber: Parteiarbeit ist wie Radfahren. Tritt man nicht in die Pedale, fällt man um“, mahnte Lange die Genossen, die ihm für sein jahrzehntelange Engagement mit Standing Ovations dankten.

„Ich kann Euch Brief und Siegel geben, dass ich die Erfahrung von 20 Jahren nicht ersetzen kann“, fand Ahmet Kuyucu in seiner Bewerbungsrede für den SPD-Vorsitz klare Worte. Er habe lange überlegt, ob er kandieren soll, sagte der 42-jährige Ratsherr und Vater von zwei Kindern im Alter von fünf und elf Jahren. Denn solch ein Ehrenamt wirke auch ins Berufs- und Familienleben hinein. „Deshalb ein herzliches Dankeschön an meine Frau und Kinder, dass sie einverstanden sind.“

Den Jusos versprach er, sie zu hegen. Denn den demografischen Wandel merke man nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Partei, sagte Kuyucu, der Arbeitsvermittler im Jobcenter ist.

38 von 40 Wahlberechtigten gaben ihm ihre Stimme. „Das Ergebnis habe ich nicht erwartet, sagte er freudestrahlend und kündigte an: „Ich werde mit meiner Größe von 1,69 und einer Schuhgröße 40 auf die Pedale drücken.“ Unterstützt wird er dabei von seinen Stellvertretern Artur Geisler, Dörte Lange und Heidrun Rickert sowie Olaf Weinel (Kassierer) und Michael Rheinhardt (Schriftführer), die ebenfalls am Donnerstag gewählt wurden.

Interview

In der Stadt verwurzelt

Mit dem Europa-Abgeordneten Bernd Lange (57), der 21 Jahre lang die SPD Burgdorf geführt hat, sprach Anzeiger-Redakteurin Anette Wulf-Dettmer über die Partei, die Stadt und die Politik.

Wird man Sie auch künftig noch in Burgdorf sehen?

Natürlich. Ich wohne hier und bin in der Partei und der Stadt verwurzelt. Ich werde auch noch einiges, was mir am Herzen liegt, umsetzen.

Was muss ein SPD-Ortsvereinsvorsitzender Ihrer Erfahrung nach leisten?

Zwei Elemente sind wichtig: Erstens um Mehrheiten kämpfen, um politisch gestalten zu können, und zweitens den Ortsverein stabilisieren. Auf diese Weise ist es gelungen, dass die SPD seit 1994 die führende Kraft im Rat ist. Sie stellt die stärkste Fraktion und den Bürgermeister.

Apropos Bürgermeister, sind die Weichen schon für die Zeit nach Alfred Baxmann gestellt?

Noch nicht, das muss der neue Vorstand anpacken.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Burgdorf in den nächsten Jahren?

Einmal in der Belebung der Innenstadt. Zum anderen bin ich fest überzeugt, dass angesichts des demografischen Wandels und der Wanderbewegung in Europa die Integrationsarbeit noch wichtiger wird.