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Nachrichten Digitalisierung: Mensch muss Mittelpunkt bleiben
Region Burgdorf Nachrichten Digitalisierung: Mensch muss Mittelpunkt bleiben
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11:01 07.03.2018
Die Geistliche Leiterin des Kolpingwerk Hildesheim, Petra Riechert, führt mit einem geistlichen Impuls ins Thema Digitalisierung ein. Quelle: Sandra Köhler
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Burgdorf

 Mehr als 300 Besucher haben bei der von der Burgdorfer Kolpingsfamilie im StadtHaus ausgerichteten Diözesantagung des Kolpingwerk Hildesheim mit seinen 134 Familien und 8000 Mitgliedern die Folgen, Chancen und Gefahren der Digitalisierung diskutiert. Impulse für eine ausgiebige Diskussion gab Stefan Muhle, Sonderstaatssekretär für Digitalisierung, mit einem Vortrag zum Thema „Die Auswirkungen der Digitalisierung für das tägliche Leben“. Der eigentlich vorgesehene Referent Bernd Althusmann, Minister für Wirtschaft und Digitales in Niedersachsen, hatte kurzfristig abgesagt. 

In einem wahren Parforceritt beschrieb Muhle die allgegenwärtige Technisierung und damit gegebene Rund-um-die Uhr-Erreichbarkeit. Und doch, so führte er aus, stehe die Digitalisierung erst am Anfang. „Wohin sie führt, werden wir erst in zehn  oder 20 Jahren sehen.“ Wichtig sei, den Prozess aktiv zu begleiten und die Menschen in Niedersachsen fit zu machen, damit sie in dieser Entwicklung zukunftsfähig seien. Dazu gehöre einerseits der Ausbau der technischen Voraussetzungen – Stichwort schnelles Internet –, vor allem aber auch Bildung. Junge Leute müssten befähigt werden, die Risiken zu erkennen, die ihre Preisgabe von Daten mit sich brächten. Aber auch seriöse Quellen zu erkennen, um beispielsweise Manipulation und FakeNews aus dem Wege zu gehen. 

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Der Sonderstaatssekretär Stefan Muhle referiert zum Thema "Die Auswirkungen der Digitalisierung für das tägliche Leben". Quelle: Sandra Köhler

Er sehe nicht die Gefahr, dass der Gesellschaft die Arbeit ausgehe, sagte Muhle. Aber: Die Berufsbilder veränderten sich aufgrund der Digitalisierung stark. Dabei sei es von Nöten, auch Menschen, die bereits jahrzehntelang im Berufsleben stehen, entsprechend fortzubilden. „Und auch Prüfungsordnungen und Studiengänge werden wir und daraufhin genau anschauen müssen.“ Ein weites Feld sei auch die Möglichkeit, per Homeoffice und online zu arbeiten. Hier gelte es, verbindliche Qualitätskriterien aber auch  Standards für soziale Absicherung in den Blick zu nehmen. Um Druck von Arbeitnehmern zu nehmen – laut einer Bitcon-Unfrage lesen 38 prozent aller Berufstätigen betriebliche Mails auch im Urlaub – gäbe es etwa bei VW, Mercedes und BMW bereits  betriebliche Schutzmaßnahmen. So würden etwa für den Zeitraum des Feierabends entsprechende Mails nicht zugestellt, gibt es die Möglichkeit, während eines Urlaubs den Maileingang zu verweigern und dies dem Schreiber auch mitzuteilen. 

Chancen und Gefahren der Arbeitswelt 4.0 ausloten 

Diözesanspräses Hein Peter Miesbach und die geistliche Leiterin Petra Riechert überreichen Johannes Ebbersmeyer die Urkunde zur Ernennung als Geistlicher Leiter der Kolpingjugend. Quelle: Sandra Köhler

Warum die Digitalisierung auch an Kolping nicht vorbei geht, erläuterte  der Diözesanvorsitzende Andreas Bulitta. Als katholischer Sozialverband, der bereits sich seit seinen Anfängen  um das Wohl des Menschen in der Arbeitswelt sorgt, sei die sogenannte Arbeit 4.0 aus Zukunftsprojekt zu verstehen – mit allen Chancen und Gefahren, die bedacht werden müssen. „Wagen, hol schon mal den Harry“: Mit der Verkehrung dieses Kultspruchs aus der Krimiserie „Derrick“ brachte die Geistliche Leiterin Petra Riechert letztere auf den Punkt. Auch im Zeitalter der Digitalisierung müsse man das Wohl des Menschen zum Ziel der Arbeit machen“, sagte Bulitta: „Der Mensch gehört in die Mitte.“ Dieser Sicht schlossen sich in ihren Grußworten unter anderem der stellvertretende Bürgermeister Matthias Paul, Superintendentin Sabine Preuschoff und der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette an.

Rad und Tat stellt sich beim Markt der Möglichkeiten vor

Barbara Gebbe stellt beim Markt der Möglichkeiten das Projekt "Rad und Tat" vor. Quelle: Matthias Moldenhauer

Beim Markt der Möglichkeiten wurden verschiedene Projekte  vorgestellt. Für die Kolpingsfamilie Burgdorf erläuterte Barbara Gebbe das Projekt „Rad und Tat“. Unter der Trägerschaft der Burgdorfer Kolpingsfamilie gibt es in der Flüchtlingsunterkunft am Sorgenser Grundweg eine Fahrradwerkstatt. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ können dort Flüchtlinge und Menschen mit geringen Einkommen in der betreuten Werkstatt ihre Räder selbst instand setzen. An weiteren Ständen wurde etwa über die Arbeit des Internationalen Kolpingwerkes oder die Angebote von Jungkolping oder der Familien-Bildungsstätte Ferienparadies Pferdeberg aus Duderstadt informiert.

Mit der Sonne auch die Kita heizen

Letzteres betrifft auch die in Gründung befindliche KEEG, Kolping Erneuerbare Energien Genossenschaft, die Norbert Gebbe vom Leitungsteam der Burgdorfer Kolpingsfamilie im Plenum vorstellte. Mittels auf den Dächern des Ferienparadieses installierten Photovoltaikanlagen soll der Stromverbrauch reduziert und durch Einspeisung des zusätzlich erzeugten Stroms ins Netz gegenfinanziert werden. Zudem ist eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge samt zugehöriger Infrastruktur geplant. Das soll zur Erhöhung der Übernachtungszahlen dienen. Als Verpächter tritt in diesem Konstrukt die KEEG auf, Pächter ist das Kolping Ferienwerk. Nach dem Beispiel dieses Leuchturmprojektes könnte sich Gebbe ähnliche Aktivitäten auch in Burgdorf vorstellen: „Wenn wir im Pfarrgarten unsere Kindertagesstätte bauen können, dann könnte auch die mit Photovoltaik ausgestattet werden.“

Von Sandra Köhler