Corona in Burgdorf: Hunde landen seit Monaten im Tierheim
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Corona in Burgdorf: Hunde landen seit Monaten im Tierheim

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09:00 11.09.2021
Diese Welpen warten auf ihre Vermittlung.
Diese Welpen warten auf ihre Vermittlung. Quelle: Antje Bismark
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Burgdorf

„Wir arbeiten am Limit“: Mit diesem Satz fasst Diandra Boczek, Leiterin des Tierheims an der Friederikenstraße, den Ausnahmezustand für sie und ihre Kollegen seit Beginn der Pandemie zusammen. Den Anfang markiert ihren Angaben zufolge die Regelung, dass Hundehalter sich im Lockdown nach 22 Uhr draußen aufhalten durften. „Die Leute standen bei uns auf der Matte und wollten einen Hund, egal welchen“, sagt Boczek – an der Vermittlungspraxis aber änderte das Team nichts. Denn: „Die Voraussetzungen müssen stimmen.“

Viele suchten deshalb über das Internet nach einem vierbeinigen Begleiter, unabhängig davon, ob sie Zeit und Raum für einen Hund haben. „Jetzt landen die Tiere nach Beißvorfällen bei uns“, sagt Boczek. Und Gundula Brügger, Vorsitzende des Trägervereins, fügt hinzu, dass die Halter oftmals innerhalb weniger Stunde ihr Tier abgeben wollten. „Wenn wir aber voll sind, dann geht das nicht mehr“, sagt Boczek, die über eine Whatsapp-Gruppe mit 30 anderen Tierheimen bei ausgelasteten Zwingern nach einer Lösung sucht. „Aber das geht nur bei akuten Notfällen“, betont sie.

Menschen in Not müssen Hunde abgeben

Auch der in Niedersachsen vorgeschriebene Hundeführerschein löse dieses Problem nicht: „Die Menschen wollen oft einfach nicht sehen, was auf sie zukommt, wenn sie sich einen Hund holen“, hat die Tierheimleiterin festgestellt. Sie spricht von einem steten Druck, weil es seit Monaten täglich mehrere Anfragen von Menschen gibt, die ihren Hund abgeben möchten, den sie sich in der Pandemie angeschafft hätten. Hinzu kämen beschlagnahmte Tiere, die über das Veterinäramt oder andere Behörden geschickt würden.

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Parallel beobachtet Boczekt jetzt eine zweite Tendenz: „Corona hat dazu geführt, dass viele Menschen ihre Arbeit verloren haben. Nun fehlt ihnen das Geld, um einen Hund halten zu können.“ Andere hätten den Arbeitsplatz wechseln müssen, sodass nun die Zeit nicht mehr reiche. Auch sie meldeten sich jetzt zunehmend im Tierheim – schweren Herzens und mit großem Verständnis für die Situation, wenn die Einrichtung gerade kein Tier aufnehmen könne. „In solchen Fällen versuchen wir, über die Privatvermittlung zu helfen“, sagt Boczek.

Von Antje Bismark