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19:01 28.06.2018
Leo Beigel hat die Kunst des Besenbindens nach seiner Pensionierung selbst beigebracht.
Leo Beigel hat die Kunst des Besenbindens nach seiner Pensionierung selbst beigebracht. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

Die neue Ausstellung in der KulturWerkStadt will anhand alter Handwerksberufe zeigen, wie der technische Fortschritt und der gesellschaftliche Wandel die Arbeit und die Freizeitgestaltung auch in der Stadt Burgdorf verändert haben.

Unter dem Titel „Die Letzten ihrer Art“ werden in der KulturWerkStadt ab Sonnabend, 30. Juni, alte Handwerksberufe vorgestellt: Buchdrucker, Besenbinder, Drechsler, Imker und Mützenmacherin. Wirtschaftlich haben diese Berufe heute so gut wie keine Bedeutung mehr. Doch es gibt auch in Burgdorf noch Menschen, die diese Handwerkskünste beherrschen. Leo Beigel ist einer von ihnen. In der Ausstellung stellt er das Besenbinden vor.

Beigel ist kein gelernter Besenbinder, vielmehr hat der Bauingenieur nach seiner Pensionierung die Herstellung von Reisigbesen zu seinem Hobby gemacht. Inzwischen sind seine Besen, gefertigt in reiner Handarbeit, weit über Burgdorf hinaus gefragt. Deshalb und damit das alte Handwerk weiter gepflegt wird, ist Beigel froh, einen Nachfolger gefunden zu haben: Jörg Mohwinkel unterstützt ihn bereits beim Herstellen des vielseitig einsetzbaren Putzgeräts.

Auch die Imkerei ist Jahrtausende alt. Derzeit erfährt sie infolge des steigenden Umweltbewusstseins in der Bevölkerung eine Renaissance. Arwid Strelow informiert in der Ausstellung über seine Arbeit als Imker. Auch Mützenmacherin Annika Beneke beherrscht eine Fertigkeit, die trotz technischen Fortschritts, nach wie vor gefragt ist. Schließlich gehören zu den „Letzten ihrer Art“ der Drechsler Lothar Ostheider und der Buchdrucker Fred Benecke.

Der rasante technische Fortschritt hat auch die Gesellschaft, deren Anschauungen und damit das Freizeitverhalten in den vergangenen Jahrzehnten verändert. In der Ausstellung wird diese Entwicklung am Beispiel der Kegelvereine verdeutlicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Kegeln einen Boom, überall wurden Kegelvereine gegründet. Doch seit den 1980-Jahren gilt dieser Sport als spießig und die Vereine kämpfen seitdem ums Überleben. Auch der Vorsitzender des Vereins Burgdorfer Kegler, Manfred Stockmann, ist bemüht das Image des Kegeln aufzupolieren, nicht zuletzt um neue Mitglieder zu gewinnen.

Die Ausstellung erklärt an Exponaten und Infotafeln die alten Handwerkskünste. Zudem haben die Besucher die Möglichkeit, den Handwerkern bei der Arbeit zuzuschauen. Am Sonntag, 8. Juli, arbeitet Buchdrucker Benecke in der KulturWerkstadt. Beigel führt das Binden von Reisigbesen am 15. Juli vor. Zudem wird er den Besuchern Informatives über die Kulturgeschichte des Besens und die Bedeutung der Birke – sie liefert das Material – erzählen. Drechsler Ostheider hat sich für den 19. August angesagt.

Die Ausstellung in der KulturWerkStadt, Poststraße 2, ist bis zum 2. September jeweils Sonnabend und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Anette Wulf-Dettmer