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Region Burgdorf Nachrichten Hochbrücke: Sanierung oder Neubau?
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00:21 24.09.2018
Trägt die Hochbrücke die parkenden Autos noch? Die AfD bringt ein Parkverbot ins Gespräch. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Sechs Jahre ist es her, dass der Bund der Stadt die Hochbrücke schenkte – angeblich in tadellosem Zustand. Inzwischen weiß es die Stadt besser: Das Bauwerk aus dem Jahr 1974, Einfallstor zur Innenstadt, ist sanierungsbedürftig. Die Stadt prüft deshalb, was sie billiger kommt: Mit Millionenaufwand sanieren oder gleich neu bauen?

„Gern nehmen wir sie nicht. Nicht einmal geschenkt“, sagte Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst schon vor sechs Jahren ahnungsvoll. Jetzt scheint sich zu bewahrheiten, dass das Geschenk die Stadt teuer zu stehen kommt. 2012, als der Bund die Brücke der Stadt übergab, beteuerte die damals für den Unterhalt des Bauwerks noch zuständige Straßenmeisterei, dass das Bauwerk keine Wundertüte sei. Weil alles in Ordnung gebracht sei, kämen in den nächsten Jahren keine hohen Unterhaltskosten auf die Stadt zu.

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Das Gegenteil ist richtig. „Es ist zu erwarten, dass auf die Stadt Burgdorf hohe Kosten durch Sanierungsarbeiten oder Neubau zukommen“, schreibt die AfD in einem aktuellen Antrag, mit dem sich der Ratsausschuss für Verkehrsangelegenheiten Mitte Oktober befassen wird. Die AfD will vor diesem Hintergrund geprüft wissen, ob der „bedenkliche Zustand“ der Hochbrücke das Parken auf der selbigen überhaupt noch zulässt, oder ob es ein Parkverbot braucht, um gegebenenfalls die Lebensdauer der Brücke zu verlängern.

Das Loch im Beton zeigt, dass die Hochbrücke sanierungsbedürftig ist. In welchem Umfang genau, das soll die nächste Hauptuntersuchung zeigen. Quelle: Joachim Dege

Auf Nachfrage bestätigt Tiefbauamtschef Herbst die Sanierungsbedürftigkeit des Bauwerks. Laufend vorgenommene Überprüfungen hätten dies ergeben. Allerdings drohe Burgdorf kein zweites Genua. Der in den 1970-ern beim Brückenbau verwendete minderwertige Stahl leiste zwar der sogenannten Spannungsrisskorrosion Vorschub. Risse freilich, die auf ein Ende der Lebensdauer der nunmehr 44 Jahre alten Brücke hinweisen, seien bislang nicht entdeckt worden. Es bestehe keine Gefahr: „Ich fahre da ganz entspannt drüber.“

Trotzdem informierte der Fachbereich Tiefbau bereits Anfang März einen kleinen Kreis von Ratspolitikern hinter den verschlossenen Türen des Verwaltungsausschusses über den damals schon auf eine Million Euro geschätzten Sanierungsbedarf, wie Teilnehmer der Sitzung bestätigen. Warum das mit einer von Bürgermeister Alfred Baxmann als nicht öffentlich deklarierten Ratsvorlage geschah, wissen auch Mitglieder des zweithöchsten Entscheidungsorgans der Stadt nicht zu sagen.

Die Politiker beauftragten die Stadtverwaltung jedenfalls am 6. März, von einem Ingenieurbüro untersuchen zu lassen, ob ein Neubau wirtschaftlicher ist als eine Sanierung. Das Ergebnis liegt jetzt vor, bestätigt Herbst auf Nachfrage. Sollte die Stadt keine Fördermittel erhalten für eine Sanierung, fahre sie laut Gutachten mit einem „fünf, sechs Millionen Euro und mehr“ teuren Neubau auf lange Sicht wohl besser, sagt Herbst. Ein Neubau werde aber nicht mehr vierspurig ausfallen wie zu Zeiten, als die Brücke Bundesstraße war. Damit würde sich dann auch das Parken auf der Brücke erübrigt haben. Schon jetzt ein Parkverbot zu erlassen, wie es die AfD ins Spiel bringt, hilft laut Herbst nicht. Nicht das Gewicht parkender Autos sei entscheidend für den Zustand der Hochbrücke, sondern die vom fließenden Verkehr verursachten Vibrationen.

Bevor eine Entscheidung über Sanierung oder Neubau gefällt werden kann, will die Stadt erst noch weitere Informationen einholen. So prüft sie gerade, welche Fördertöpfe sie für eine Sanierung anzapfen kann. Außerdem steht die nächste Brückenprüfung bevor, deren Ergebnis Auskunft geben soll über den genauen Sanierungsbedarf. „Wenn wir alles zusammenhaben, schnüren wir ein Paket und informieren die Politik“, stellt Herbst in Aussicht.

Die Hochbrücke ist sanierungsbedürftig. In welchem Umfang genau, das soll die nächste Hauptuntersuchung zeigen. Quelle: Joachim Dege

Von Joachim Dege