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Nachrichten Stadt plant ein Klärschlamm-Zwischenlager für 750.000 Euro
Region Burgdorf Nachrichten Stadt plant ein Klärschlamm-Zwischenlager für 750.000 Euro
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00:15 31.03.2019
Auf dem Nachbargrundstück des Klärwerks soll ein neues Zwischenlager für Klärschlamm entstehen. Quelle: Antje Bismark
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Burgdorf

Für 750.000 Euro plant die Stadt Burgdorf den Neubau eines Zwischenlagers für Klärschlamm – dafür hat sich jetzt der Ratsausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau ausgesprochen. Die Planungen sollen bis Jahresende abgeschlossen sein, der Bau dann im nächsten Jahr folgen. Damit folgen die Kommunalpolitiker einem Vier-Punkte-Plan der Verwaltung, der die Neufassung der Klärschlammverordnung berücksichtigt.

Sie sieht nach Angaben der Stadt unter anderem vor, dass Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern auch weiterhin den Klärschlamm landwirtschaftlich verwerten lassen dürfen. Diesen Weg wählt Burgdorf seit dem Jahr 2000, heißt es in dem entsprechenden Papier. Zum Ende dieses Jahres laufe der aktuelle Vertrag aus, erklärte ein Mitarbeiter aus der Tiefbauabteilung in der jüngsten Ausschusssitzung. Deshalb beginne nun die Verhandlung mit Landwirten für die nächsten Jahre. Die Stadt strebt eine Laufzeit von bis zu vier Jahren an.

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Mit der Entscheidung für eine landwirtschaftliche Verwertung lehnen die Ratspolitiker zugleich ab, dass die Stadt sich an der „Kommunalen Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen“ (KNRN) beteiligt. Zu dieser schließen sich Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern zusammen, die den Klärschlamm der neuen Gesetzgebung zufolge verbrennen müssen. Dazu plant die Gesellschaft eine Verbrennungsanlage bei Hildesheim; die Einlagen für Burgdorf betrügen 1,3 Millionen Euro. Die Kosten für den Bau und Betrieb sollen über den verbrannten Klärschlamm gedeckt werden. Sie lägen bisherigen Berechnungen zufolge rund 50 Prozent über den derzeitigen Kosten für die landwirtschaftliche Verwertung des Burgdorfer Klärschlamms.

Gleichwohl rechnen die Verantwortlichen angesichts der verschärften Gesetzeslage damit, dass die Stadt den Klärschlamm wird zwischenlagern müssen. Die derzeitige Kapazität beträgt nach Angaben der Verwaltung bis zu zwei Wochen. „Anschließend dürfte bei fehlender Abfuhr von Klärschlamm ein genehmigungskonformer Betrieb der Kläranlage nicht mehr möglich sein“, schreibt die Verwaltung in ihrer Drucksache. Sie plädiert für ein neues Zwischenlager, weil das Risiko, anfallenden Klärschlamm nicht sofort an einen vertraglich gebundenen Entsorger abgeben zu können, in den vergangenen Jahren gestiegen sei.

Als Lösung schlägt die Stadt ein Flachlager mit einer Größe von 30 mal 25 Metern und drei Metern Höhe vor. Es soll kein Dach erhalten und Klärschlamm von neun Monaten aufnehmen können. Ein Gutachten bestätige den Standort auf dem östlich gelegenen Nachbargrundstück der Kläranlage, die Geruchsbelästigung für Nachbarn sei wegen der Entfernung nicht zu erwarten. „Geruch entsteht nur bei frischer Anlieferung“, teilte der städtische Angestellte auf Anfrage von Ratsfrau Simone Heller (Grüne) mit.

Die Politiker sprachen sich fraktionsübergreifend für das neue Zwischenlager und gegen die Verbrennung aus. Sie ergänzten den Verwaltungsvorschlag um die Forderung, auch neue, alternative Verfahren – darunter vom Linken-Ratsherrn Michael Fleischmann ins Gespräch gebrachte Keramikplatten – zu prüfen. Diese sollen Schadstoffe und Keime aus dem Klärschlamm filtern.

Die endgültigen Entscheidung trifft der Verwaltungsausschuss am Dienstag, 2. April, in nichtöffentlicher Sitzung.

Von Antje Bismark