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Region Burgdorf Nachrichten Stadt bekennt sich zur ihrer Bücherei
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12:22 10.02.2019
Einen sehenswerten Parforceritt durch die Geschichte der Stadtbücherei unternehmen Frank Sommer und Marjam Azemoun mit den Gästen des Büchereigeburtstags im Saal des Schlosses. Quelle: Sandra Köhler
Burgdorf

 Obwohl die Stadtbücherei Burgdorf im Zuge notwendiger Sparmaßnahmen der Stadt immer wieder einmal in den Fokus der Finanzpolitiker geriet, ist die Kultureinrichtung an der Sorgenser Straße quicklebendig. Barrierefreiheit und Digitalisierung sind aktuelle Herausforderungen, denen sich die 90 Jahre alte Einrichtung stellen will. Ihren runden Geburtstag hat die Bücherei jetzt mit Vertretern aus Rat und Verwaltung, Schulen und Kindergärten sowie langjährigen Lesern bei einem Festakt im Schloss gefeiert.

„Wer anfängt zu lesen, fängt an, die Welt zu begreifen“, begründete Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD), warum sich die Kommune die Stadtbücherei jährlich 450.000 Euro kosten lässt. Allein die Personalkosten betrügen 278.000 Euro. Sie sei ein Ort, an dem Wissen gesammelt und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werde. Eine Einrichtung, die die zentrale Kulturtechnik des Lesens fördere. Und obendrein Barrieren in den Köpfen abbaue. „In den vergangenen 50 Jahren ist immer wieder versucht worden, die Axt an die Wurzeln zu legen. Aber die waren meist stumpf“, erinnerte der Bürgermeister. Er sei guten Mutes, dass das Geburtstagskind auch seinen 100. noch erleben werde. Dafür müsse sich die Einrichtung ihren Nutzern attraktiv und innovativ präsentieren.

Dass das Reagieren auf die Bedürfnisse der Leserschaft sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Bücherei zog, setzten die Schauspieler Frank Sommer und Marjam Azemoun in Szene. Am 12. Februar 1929 wurde der Vertrag unterzeichnet, der festlegte, dass im Jugendheim Lampenmühle eine Leihbücherei mit 1000 Bänden einzurichten sei. Beantragt hatten das die Turnschule und das Gewerkschaftskartell. Dort konnten Bürger im Jahr 1936 ein Buch zum Preis von 10 Pfennig 14 Tage lang ausleihen. Geleitet wurde die Bücherei von Anfang an und bis zum Jahr 1969 vom Lehrer Ernst Meyer. Der erhielt das Bundesverdienstkreuz und starb kurz vor der 40-Jahr-Feier, die deshalb abgesagt wurde. Zahlreiche Umzüge an verschiedene Orte absolvierte die Einrichtung, zog 1944 in den Betsaal der ehemaligen Synagoge. 1945 wurde sie geschlossen und 700 Bücher mit nationalsozialistischem Duktus aussortiert. 1947 gab es 712 registrierte Leser. Die Bücherei hatte damals 3300 Bücher.

1971 zog die Bücherei in den 3,5 Millionen D-Mark teuren Neubau, der auf 630 Quadratmetern Platz für 30.000 Bände bot. 1972 wurde eine Sonderausstellung mit 250 Büchern zur Ostpolitik gezeigt, in der sich Bürger vor der politischen Debatte zum Thema informieren konnten. 1976 wurde aus der Kreisbücherei die Stadtbücherei, die es im Ranking der Büchereien in Niedersachsen auf Platz sechs schaffte. 1984 geriet die Stadtbücherei mit einem Skandal um angebliche Pornografie im Bestand überregional in die Schlagzeilen. 1994 bis 1998 wurde das Ausleihsystem auf EDV umgestellt, 2008 die Onleihe eingeführt. Das Leseförderprogramm Julius-Club, Eat&Read, eine Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus gehören heute zum festen Repertoire der Bücherei. Eine Leseecke und ein Lesegarten sind eingerichtet, neue Regalleitsysteme und neue Öffnungzeiten eingeführt.

Für die kommenden Jahre haben sich die Leiterin Andrea Nehmer-Rommel und ihre Mitarbeiter die Barrierefreiheit und Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. „Wie haben schon angefangen, es gibt einen barrierefreien Zugang“, sagt Chefin: „Doch für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen ist es ganz übel.“ Da müsse noch viel passieren. Die Bibliothek sollte zudem noch mehr zum Lebensraum zwischen Wohnen und Arbeit werden, in dem man sich oft und gern aufhält. So solle in Zukunft auch in der Bücherei gearbeitet werden können, kündigte Nehmer-Rommel an, die im Übrigen die Digitalisierung weiter vorantreiben will.

Veranstaltungen zum Bücherei-Geburtstag

Das ganze Jahr hindurch erwarten Besucher der Bücherei über Vorlesestunden und sogenannte Maschen-Cafés hinaus weitere Aktionen. So verteilen die Mitarbeiter an jedem offenen Sonnabend sowie in dieser Woche Geschenke an ihrer Leser. Anfang März eröffnet die Ausstellung „Historische und regionale Gemüsesorten – Saatgut im Wandel der Zeit“. Mittels einer aufgestellten Saatgutbox können Samen getauscht werden. Für Sonnabend, 2. März, erwartet die Besucher von 10.30 bis 12 Uhr eine Lesung mit der Kinderbuchautorin Stephanie Schneider – eine Kooperation mit der Gudrun-Pausewang-Schule beim Projekt „Kultur macht stark“.

Am Donnerstag, 7. März, um 19 Uhr ist Annette Blikslager mit ihrer Glücksküche zu Gast in der Stadtbücherei. Die Genuss-Fachfrau und Ernährungsberaterin hält einen Vortrag über gesunde Fette und Öle. Anschließend können Teilnehmer selber grünes Pesto herstellen und kosten. Der Eintritt ist frei. Ein Fotoshooting mit Dethard Hilbig steht am Dienstag, 2.April, von 16 bis 18 Uhr auf dem Programm. Besucher können, auch mit Freunden und Familie, ein Foto machen lassen und erhalten es dann kostenlos. Bei der Schau „ZeiTRäume“ von Kirchenkreises Burgdorf, Kulturverein Scena und Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler wird die Stadtbücherei vom 20. Juli bis 24. August einer der Ausstellungsorte sein.

Von Sandra Köhler

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