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Region Burgdorf Nachrichten Neue Schauburg zeigt Sozialkomödie „Glanz der Unsichtbaren“
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16:45 02.12.2019
Im Film "Der Glanz der Unsichtbaren" setzen sich die ausgemusterten Frauen zur Wehr. Quelle: Piffl Medien
Burgdorf

Die Neue Schauburg in Burgdorf und die AboPlus-Aktion von HAZ und NP präsentieren am Mittwoch, 4. Dezember, um 17 Uhr die Sozialkomödie „Der Glanz der Unsichtbaren“. Wer an der Kinokasse die AboPlus-Karte vorzeigt, erhält 2 Euro Rabatt auf den Eintrittspreis.

Der Film widmet sich den Obdachlosen, die längst zum Stadtbild gehören. Sie hocken vor Geschäften, liegen in Einfahrten, betteln manchmal. Meistens sind es Männer, der Frauenanteil liegt in Deutschland bei 30 Prozent. Tendenz steigend. Viele verstecken sich aus Angst vor Gewalt und aus Scham. Man hat sich an diese von der Gesellschaft Ausgespuckten gewöhnt, sie sind fast unsichtbar. Diesen Unsichtbaren gibt Louis-Julien Petit ein Gesicht. Seine Filmheldinnen sind obdachlose Frauen – keine stillen Opfer, sondern Individuen voller Widersprüche, Sehnsüchte und Hoffnungen, die sich trotz aller Missachtung ein Stück Würde bewahrt haben.

Zweck heiligt die illegalen Mittel

Die fiktive Handlung spielt weniger auf der Straße als im Tageszentrum L’Envol in Frankreichs Norden, wo sich die Frauen duschen und aufwärmen, einen Kaffee trinken, plaudern. Morgens stehen sie schon Schlange, abends müssen sie wieder raus – denn das Haus wird geschlossen. Das möchten die Leiterin Manu (Corinne Masiero) und ihre Mitarbeiterinnen (Audrey Lamy, Déborah Lukumuena und Noémi Lvovsky) ändern. Manchmal lassen sie schon jetzt die Wohnungslosen in der Unterkunft übernachten. Mit den Behörden und auch gegen diese kämpfen die Leiterinnen für die soziale Wiedereingliederung der Obdachlosen.

Als die Schließung des L’Envol droht und damit die Abschiebung der „Klientinnen“ in ein entferntes Heim, reißt Betreuerinnen und Betroffenen der Geduldsfaden. Sie spinnen einen Plan, um das Unheil abzuwenden. Drei Monate Zeit bleibt ihnen. Der Zweck heiligt die unkonventionellen und durchaus illegalen Mittel.

Obdachlose spielen im Film mit

Neben den vier Schauspielprofis holte sich der Regisseur Frauen von der Straße und solche, die den Absprung von dort geschafft haben. Sie spielen ihr Leben nach und durften sich Namen aussuchen. So tummeln sich Édith Piaf, Brigitte Macron, Brigitte Bardot, Simone Veil und Lady Di auf der Leinwand. Die bunte Truppe arbeitet in Workshops und qualifiziert sich für Jobs. Manch eine ächzt unter Lernstress oder umschifft die Regeln großzügig: Aus all dem ergibt sich eine zärtliche und zugleich rohe Sozialkomödie voll subversivem Humor. Die Liebe zu den Underdogs ist unverkennbar. Zugleich rechnet der Regisseur kompromisslos mit einem nicht funktionierenden Sozialsystem ab, das den Status quo bewahrt und nichts für dessen Überwindung tut. Wir begegnen diesen Menschen auf Augenhöhe, der Film nimmt sie ernst und beweist, dass es sich lohnt, auch den Ausgespuckten eine Chance zu geben.

Die zwischen Realität und Märchen angesiedelte Geschichte erinnert an ein Werk des britischen Regisseurs Ken Loach – allerdings auf leichtere, französische Art. Am Ende haben die erschöpften und in der Seele beschädigten Frauen an Selbstbewusstsein und Überlebenskraft gewonnen. Eine Utopie? Vielleicht. Vielleicht aber auch ein Stückchen mögliche Wirklichkeit.

Lesen Sie dazu auch: Die Filme zeigen die Kinos vom 28. November bis 3. Dezember.

Von Margret Köhler und Antje Bismark

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