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Region Burgdorf Nachrichten Nach dem Brand leben Familien in Notunterkunft
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00:20 14.01.2019
Die beiden obersten Etagen des siebenstöckigen Mietshauses an der Retschystraße weisen auch von außen deutlich Brandspuren auf. Gebrannt hat die Eckwohnung im sechsten Stock, dort wo die Gardine aus dem Fenster hängt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Burgdorf

Gerade setzt sich Familie Amini in der Flüchtlingsunterkunft unweit der Feuerwehrtechnischen Zentrale zusammen – da ertönt einmal mehr der Alarm, und Feuerwehrfahrzeuge verlassen mit Blaulicht und Martinshorn das Gerätehaus. „Brennender Müllschacht in einem Haus an der Retschystraße“ lauten die Stichworte, die die vier Familienmitglieder aufschrecken. Sie mussten, wie drei andere Mietparteien, in der ersten Nacht dieses Jahres ihre Wohnung an der Retschystraße fluchtartig verlassen, nachdem eine Silvesterrakete auf einem Balkon gelandet war und dort einen Brand verursacht hatte.

„Wir standen gerade auf dem Balkon und haben das Feuerwerk über der Stadt beobachtet“, erzählt Parisa. Die Zehntklässlerin filmte vom 7. Obergeschoss aus das Spektakel am Himmel, auf das sich alle konzentrierten. Dann entdeckten sie und ihre Schwester Fereshteh, wie auf dem Balkon im 6. Obergeschoss das Feuer ausbrach und sich die Flammen schnell verbreiteten. Nach einem kurzen Schreckensmoment habe sich die Familie sofort auf den Weg ins Freie gemacht. „Mein Mann stand unter Schock, er konnte die Treppe nur ganz langsam heruntergehen“, sagt Jamileh Sarriri. Sie sei mit den Töchtern gelaufen, schnell und ohne Pause. Von dieser Flucht vor dem Feuer zeugt ein Video, denn Parisa vergaß in der Aufregung, die Aufnahme des Handys zu stoppen. Immer wieder sind laute Rufe zu hören, Getrappel und Stimmengewirr.

Ohne Hab und Gut in ein Notquartier auf unbestimmte Zeit

Erst im Freien realisierte die Familie, was passiert war. „Ohne Jacke standen wir draußen“, sagt Jamileh Sarriri, die sich seitdem wie ihre ältere Tochter mit einer Erkältung plagt und krank geschrieben ist. Während die Feuerwehren den Brand löschten, organisierte die Stadtverwaltung nach Aussage von Sozialarbeiter Eitel Moch die erste Unterbringung. Denn: Vier Wohnungen in dem mehrgeschossigen Haus sind seit dem Feuer vorübergehend nicht mehr bewohnbar. „Vor allem der schwarze Rauch hat alles beschädigt“, sagt Parisa Amina, die wie ihre Schwester das Gymnasium besucht. Noch in der Nacht kam die Familie in der Flüchtlingsunterkunft unter – in einer kleinen Wohnung und ohne eigene Habseligkeiten.

Inzwischen durften Aminis für kurze Zeit an die Räume an der Retschystraße betreten, um unter anderem Kleidung und Schulbücher zu holen. „Alles ist schwarz und mit Ruß bedeckt“, übersetzt Parisa die Worte ihrer Mutter. Gardinen, Teppiche, Möbel, Bettdecken – all das wird die Familie wohl entsorgen müssen. Wann und mit welchem Geld sie eine neue Ausstattung kaufen könnten, stehe noch nicht fest, sagt die Zehntklässlerin, die nach eigenen Angaben regelmäßig mit dem Vermieter telefoniert. Derzeit wisse die Familie noch nicht, wie lange sie an der Straße Vor dem Celler Tor in der Unterkunft ausharren muss. Klar ist nur, dass sie so schnell wie möglich zurückkehren wollen in die eigenen vier Wände. Denn das Leben in solchen Einrichtungen kennen Aminis: Nach der Flucht aus Afghanistan lebten sie in zwei Flüchtlingsheimen, unter anderem in Bad Fallingbostel.

Und so verfolgen Jamileh Sarriri und ihr Mann Gholamhazrat Amini mit den Töchtern mit bangem Gefühl den erneuten Brandverlauf an diesem Donnerstag an der Retschystraße: „So viele Feuer dort“, sagt die Mutter leise – dankbar, dass am Ende nur Papier, aber kein Haus brannte.

Burgdorfer zeigen große Hilfsbereitschaft

Vor dem Nichts steht seit dem Jahresanfang auch eine alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Töchtern, deren Wohnung in der Silvesternacht ausbrannte. Vor allem für sie finden sich in sozialen Netzwerken viele Burgdorfer zusammen, die die dreiköpfige Familie unterstützen wollen. Zu den Koordinatoren gehört auch Rüdiger Nijenhof, Ratsherr der Freien Burgdorfer, der den Kontakt zu Institutionen und Behörden hält, und mit anderen Ehrenamtlichen versucht, die Spenden organisieren. „Ich bin beeindruckt, wie groß die Hilfsbereitschaft der Burgdorfer ist“, sagt Nijenhof.

Seinen Angaben zufolge führen die Bemühungen, der Familie wieder zu einer eigenen Wohnung zu verhelfen, langsam zum Erfolg. „Seit wenigen Tagen gibt es in der Nachbarschaft eine freie Wohnung, in die alle einziehen können“, sagt er und fügt hinzu, dass die Räume allerdings renoviert werden müssten. „Wir suchen deshalb ganz gezielt Handwerker oder Menschen mit handwerklichem Geschick, die das Malern oder Teppichverlegen übernehmen“, sagt er. Parallel dazu dauere die Suche nach Einrichtungsgegenständen an: „Der Familie ist nichts geblieben“, sagt er. Unklar sei nach wie vor, ob und welche Versicherung in welchem Umfang für den Schaden aufkommt. Deshalb nehme die Initiativgruppe dankbar jede Sachspende an, zumal auch die anderen drei Familien weitere Hilfe benötigten. Wer Handtücher, Bettwäsche, Geschirr, Möbel, Teppiche oder Einrichtungsgegenstände spende möchte, kann sich unter Telefon (05136) 9063420 melden.

Geplant sei zudem, am Sonntag, 27. Januar, einen Flohmarkt zu organisieren. „Dafür suchen wir aktuell auch noch geeignete Verkaufsobjekte“, sagt Nijenhof. Andere Freiwillige fragen seinen Angaben zufolge derzeit in Geschäften ab, ob diese Spenden zur Verfügung stellen können.

Die Familie selbst stehe noch unter Schock der Ereignisse, weiß Nijenhof zu berichten. Sie freue sich über die große Unterstützung, könne jedoch nicht allen danken. „Ihr großes Ziel ist, irgendwann wieder normal leben zu können“, sagt Nijenhof . Er betont, dass die Initiativgruppe selbst keine Geldspenden entgegennimmt. Eine Einzahlung sei möglich auf ein Konto der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde bei der Stadtsparkasse Burgdorf, IBAN DE86 2515 1371 0001 0001 65, Stichwort Silvesterbrand.

Von Antje Bismark

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