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Nachrichten Lebenshilfe-Chef warnt vor Diskriminierung von Behinderten
Region Burgdorf Nachrichten Lebenshilfe-Chef warnt vor Diskriminierung von Behinderten
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00:19 17.06.2019
Mahnt vor Tendenzen gegen behinderte Menschen und überbordender Bürokratie: Erhard Popp spricht als Vorsitzender der Lebenshilfe zum 50. Geburtstag der Einrichtung. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Bei den Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Lebenshilfe Burgdorf hat der Vorsitzende Erhard Popp vor einer Verrohung von politischen Debatten gewarnt. Konkret nannte er eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zu behinderten Menschen in Deutschland. 18 Sozialverbände, darunter die Lebenshilfe, hatten kritisiert, dass damit in bösartiger Weise ein Zusammenhang von Inzucht, behinderten Kindern und Migranten suggeriert werde. Diese Debatte um „nicht lebenswertes Lebens“ erinnere ihn an die Anfänge der Lebenshilfe, die bei ihrem Engagement für behinderte Kinder auf Widerstände stieß, sagte Popp. „Wir hatten zunächst keine eigenen Räume, aber als wir bauen wollten, stellten sich Bürger gegen das Projekt.“ Zeitgleich hätten Unbekannte in Bayern ein Wohnheim für behinderte Menschen angezündet – die Ideologie des Dritten Reichs schien längst noch nicht überwunden. „Gleichwohl müssen wir alle auch heute noch Tendenzen entgegentreten, von denen wir glaubten, dass sie wir sie längst hinter uns gelassen haben“, sagte der Lebenshilfe-Vorsitzende und mahnte angesichts menschenverachtender Ideologien: „Passen wir auf!“

„Lebenshilfe ist eine Bürgerrechtsbewegung“

„Die Lebenshilfe ist im besten Sinne eine Bürgerrechtsbewegung“, sagte Holger Stolz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen, mit Blick darauf, dass Eltern und Fachleute seinerzeit die „Lebenshilfe für das behinderte Kind“ aufbauten. Heute umfasst sie in Burgdorf das Heilpädagogische Zentrum mit Kita und Krippe, die Ambulanten Dienste mit dem Familienentlastenden Dienst und dem Freizeitbereich sowie den Reitbereich. Längst finde sich der Zusatz des behinderten Kindes nicht mehr im Namen, sagte Popp. In der Gründungszeit habe es anders als heute kaum erwachsene Menschen mit Behinderungen gegeben – viele seien während der Nazi-Diktatur ermordet worden, ergänzte der stellvertretende Bürgermeister Matthias Paul in seiner Festrede.

In einer emotionalen Rede beschrieb der Lebenshilfe-Vorsitzende Popp die Entwicklung in Burgdorf. Drei Häuser seien gebaut worden, kooperative Kita-Gruppen und eine integrative Krippe entstanden. Für Jungen und Mädchen, die lange Zeit als nicht „schulfähig“ galten, habe es die ersten Unterrichtsstunden gegeben, wie auch Jeanne Nicklas-Faust von der Bundesvereinigung sagte.

Plädoyer gegen überbordenden Bürokratie

„Als wir die Lebenshilfe mit dem Familienentlastenden Dienst starteten, waren die Anforderungen an die Verwaltung heute nicht abzusehen“, sagte Popp. Um die Lohnbuchhaltung zu überblicken, habe damals noch ein Vokabelheft ausgereicht. Er warnte vor ausuferndem Wildwuchs der Bürokratie. „Es darf nicht sein, dass der administrative Bereich so überbordend wird, dass bei denen, die uns brauchen, nichts mehr ankommt“, sagte der Vorsitzende. Popp dankte allen Mitarbeitern, dass sie mit zum Teil hoher Leidensfähigkeit alle Veränderungen mittrügen und aktiv gestalteten.

Region ist ab 2020 für Verträge verantwortlich

Diese Leidenschaft werden die Akteure auch in den nächsten Monaten und Jahren benötigen, daran ließen Stolz und die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz keinen Zweifel. Denn mit dem neuen Bildungs- und Teilhabegesetz, das ab 1. Januar 2020 gilt, ändern sich noch einmal die Zuständigkeiten. Die Region zeichnet künftig für die Verträge und die Kostenübernahme verantwortlich – noch aber fehlen die ausgehandelten Details, damit Einrichtungen wie die Lebenshilfe planen können.

Lesen Sie auch: Am Sonnabend, 15. Juni, feiert die Lebenshilfe ihr Sommerfest.

Von Antje Bismark

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