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Region Burgdorf Nachrichten Erster Stadtrat Lutz Philipps geht in den Ruhestand
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14:00 30.08.2019
Erster Stadtrat Lutz Philipps genießt seine letzten Arbeitstage, bevor in den Ruhestand geht. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Seit Jahrzehnten steht sein Name im Zusammenhang mit dem städtischen Haushalt: Lutz Philipps zeichnet mit seinem Team dafür verantwortlich, dass der Burgdorfer Rat im Herbst über das Zahlenwerk abstimmen und damit Weichen für die Stadtentwicklung stellen kann. An diesem Freitag verabschiedet sich der Diplom-Verwaltungswirt in den Ruhestand – nach 39 Jahren. Mit Redaktionsleiterin Antje Bismark spricht er über Gewerbesteuer, mahnende Haushaltsreden und anstehende Herausforderungen.

Werfen wir am Anfang einen Blick zurück: Kommen Ihnen die 39 Jahre im Rathaus so lang vor?

Nein, im Gegenteil. Ich empfinde die Zeit als viel kürzer, weil sie scheinbar auch immer schneller vergeht. Das liegt unter anderem sicherlich auch daran, dass es bestimmte Eckpunkte gab, die jedes Jahr strukturiert haben: die Aufstellung des Jahresabschlusses, die Erarbeitung und Einbringung des Haushaltsentwurfs, die Beratungen darüber in den Gremien und letztlich die Verabschiedung im Rat.

Viele Politiker fürchteten Ihre Haushaltsrede, in der Sie stets vor leichtfertigen Ausgaben gewarnt haben. Weshalb haben Sie so mahnende Worte gewählt?

Es ging mir nicht darum, Projekte zu verhindern oder auszubremsen. Für mich war es immer wichtig, den Politikern eine mögliche Entwicklung mit allen Risiken aufzuzeigen. Bei der Haushaltsplanung haben wir uns auf die vom Innenministerium herausgegebenen Orientierungsdaten gestützt und sind im Übrigen wie ein vorsichtiger Kaufmann nicht zu optimistisch vorgegangen und haben auf mögliche Gefahren hingewiesen. Der Rat hat letztlich die Etathoheit, aber es ist auch klar, dass er alle – auch die nicht so erfreulichen – Informationen für das Haushalten braucht. Das habe ich als meine Aufgabe angesehen, ebenso wie das frühzeitige Einbringen des Entwurfs im Herbst mit dem Ziel der Beschlussfassung im Dezember, um möglichst frühzeitig handlungsfähig zu werden.

Oft fiel das Minus dann geringer aus oder der Haushalt glänzte gar mit einem positiven Abschluss. Wie haben die Politiker dann reagiert?

Ich habe keine wirklich negativen Reaktionen erlebt, denn eines ist ja auch klar: Wenn im Etat eine Riesenlücke entsteht, reduziert sich der Gestaltungsspielraum für die Politik und es muss entsprechend gegengesteuert werden. Nach meiner Auffassung gibt es auch keinen Anlass eine unnötige Einschränkung des politischen Handlungsspielraums zu beklagen, wenn ein Ergebnis nur weniger negativ, aber damit noch nicht tatsächlich positiv ausfällt.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung erlebt?

Sehr positiv. Dabei gilt freilich, dass man es nicht jedem recht machen kann, wohl aber jeden gerecht behandeln sollte. An diese Maxime habe ich mich gehalten. Ich war offen für jeden, habe alle Politiker gleich informiert.

Sie leben in Langenhagen, einer Stadt mit millionenschweren Einnahmen. Hat Sie der Wechsel dorthin nie gereizt?

Je länger ich hier im Rathaus gearbeitet habe, desto seltener kam die Idee auf, noch einmal zu wechseln. Sicher ist es leichter für Rat und Verwaltung, wenn sie aus dem Vollen schöpfen können. Aber zugleich muss ich sagen, dass Burgdorf sich dank seiner Gewerbestruktur eine Unabhängigkeit von einer einzelnen Branche bewahrt hat. Das hat den Vorteil, dass wir keinen großen Schwankungen unterliegen und eine Planungssicherheit haben.

In Ihre Amtszeit fallen die Umstellung auf den doppischen Haushalt und der erste Etat für zwei Jahre. Waren das besondere Herausforderungen?

Die Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik und damit die Darstellung des Werteverlusts war richtig, auch wenn die Aufstellung der Eröffnungsbilanz sehr viel Arbeit verursacht hat. Schließlich musste das gesamte, im Vergleich zu einem kleinen Unternehmen weitaus umfangreichere und breitgefächerte ‚Betriebsvermögen‘ wie Straßen, Wege, Plätze, Grundstücke oder bewegliches Vermögen erfasst und bewertet werden. Der Wechsel in der Verwaltungsspitze mit Bürgermeister und mir als Vertreter war sicherlich ein Grund für den Rat, sich erstmals für die Aufstellung eines Doppelhaushalts 2019/2020 zu entscheiden. Er gibt insgesamt mehr Ruhe, auch wenn sicherlich ein Nachtragshaushalt notwendig wird.

Mit dem Neubau der IGS, der Trilogie in Otze und den vielen neuen Kita-Plätzen steht Burgdorf vor einer großen finanziellen Belastung. Sind Sie froh, jetzt nicht mehr dafür verantwortlich zu sein?

Unabhängig von den großen Brocken kommt irgendwann der Punkt, an dem die Bereitschaft da ist, den Staffelstab weiterzureichen. Am Ende meiner Wahlzeit habe ich diesen Punkt erreicht, aber nicht ausgelöst durch die anstehenden Aufgaben. Aber natürlich ist klar: Projekte in dieser Dimension lassen sich nicht im Tagesgeschäft abarbeiten, sie stellen eine große Herausforderung für den Haushalt und insbesondere aber auch für das Personal, also für die Kolleginnen und Kollegen, dar.

Was wünschen Sie der Stadt für die nächsten zehn Jahre?

Eine bessere Finanzausstattung, denn das bedeutet mehr Gestaltungsspielraum, mehr Angebote für die Bürgerinnen und Bürger und Anreize für potentielle Neubürger sowie noch mehr Lebens- und Wohnqualität.

Werden Sie die Arbeit ab Montag vermissen?

Am Anfang fühlt sich der Ruhestand sicher wie ein verlängerter Urlaub an, ab Jahresende dann mit meiner Frau. Wir planen unter anderem gemeinsame Radtouren und Kurzurlaube. Und natürlich freuen wir uns auf die Zeit mit unserer kleinen Enkeltochter.

Seit 39 Jahren arbeitet Lutz Philipps im Rathaus

Als Lutz Philipps am 1. April 1980 in der Haupt- und Personalverwaltung seinen Dienst antrat, ahnte er nach eigenen Angaben nicht, dass er 39 Jahre lang im Burgdorfer Rathaus arbeiten würde. „Geplant habe ich das damals nicht“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt, der sein Duales Studium bei der Stadt Hannover absolviert hatte. Zunächst kümmerte er sich um den Personalbereich, nur wenige Monate nach seinem Wechsel nach Burgdorf übernahm er die Betreuung von Rat, Ortsräten und Ausschüssen.

In den folgenden Jahren erlebte Philipps immer wieder neue Strukturen in der Verwaltung, wobei seine Verantwortung für einzelne Abteilungen auch wechselte. Zu den Kernaufgaben gehörten vor allem die Finanzen, Stadtkasse, Personal- und Ordnungsabteilung – und seit der Gründung der Gebäudewirtschaft vor 13 Jahren auch diese. Im Jahr 1986 übernahm Philipps die Hauptabteilung, seit 2011 wirkt der Wahlbeamte als Erster Stadtrat und damit als Stellvertreter von Bürgermeister Alfred Baxmann. Am Ende seiner Amtszeit war er für 60 Mitarbeiter in fünf Abteilungen zuständig.

Von Antje Bismark

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