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Region Burgdorf Nachrichten Deshalb rufen immer mehr Menschen den Rettungsdienst
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19:00 12.07.2019
DRK- Rettungsdienstbezirksleiter Jörg Hagemeister sieht die wachsende Zahl an Notrufen wegen leichter Erkrankungen mit Sorge. Quelle: Valerie Kruse
Burgdorf

„Immer öfter rufen Patienten einen Rettungswagen, anstatt zum Arzt zu gehen“: Mit diesem Satz fasst DRK-Rettungsdienstbezirksleiter Jörg Hagemeister seine Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zusammen. Seit 1999 arbeitet er im Rettungsdienst – zunächst bei der Johanniter-Unfallhilfe, nun zeichnet er beim Deutschen Roten Kreuz für den Bereich Burgdorf, Lehrte und Uetze verantwortlich.

Zwei Gründe nennt Hagemeister für diese Entwicklung. Zum einen werden die Menschen immer älter und leben länger in der eigenen Wohnung. Zum anderen erhoffen sich Erkrankte eine Zeitersparnis, wenn sie den Rettungswagen alarmieren. „Wir haben durchaus Situationen, in denen nachts um 3 Uhr ein Notruf eingeht, weil jemand unter starken Rückenschmerzen leidet“, sagt er. Und es sei nicht unüblich, dass die Retter dann auf Nachfrage erfahren, dass der Patient zum Teil schon über Tage oder Wochen eingeschränkt ist. Aber dann passe ein regulärer Arztbesuch nicht in den Terminplan, und schon sei der Notruf eine gute Alternative, haben Hagemeister und seine Kollegen festgestellt.

Zahl der Einsätze steigt – die der Fahrzeuge auch

Zur Hilfe seien sie in jedem Fall verpflichtet: Gehe der Notruf in der Rettungsleitstelle in Hannover ein, dann müsse der Rettungswagen auch losfahren. In welchem Umfang die Zahl der Einsätze steige, lasse sich nicht ermitteln, wie eine Sprecherin der Region Hannover als zuständige Behörde sagt. „Zwar gibt es einen Zuwachs, aber die Zahlen sind nicht eindeutig, weil beispielsweise auch die Zahl der Einwohner gestiegen ist“, sagt sie.

Hagemeister verknüpft seine Einschätzung der Situation mit der Zahl einsatzbereiter Rettungsfahrzeuge. So hätten zur Jahrtausendwende bei den Johannitern in Langenhagen ein 24- und ein 12-Stunden-Rettungswagen sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug gestanden. Heute seien es vier Rettungswagen, von denen zwei rund um die Uhr im Einsatz seien, von Freitag bis Sonntag gelte dies für alle vier. In Burgdorf gebe es zwei 24-Stunden-Rettungswagen, in Lehrte und Uetze je einen Rettungswagen mit 24-Stunden-Bereitschaft und je einen von 7 bis 19 Uhr. Diese würden von Freitag bis Sonntag ebenfalls rund um die Uhr alarmiert. Hinzu komme in Lehrte ein Notarzteinsatzfahrzeug im 24-Stunden-Betrieb und ein Krankentransporter von 7 bis 19 Uhr. Dass die Einsatzzahlen an den Wochenenden nach oben schnellten, hänge nicht mit Veranstaltungen zusammen, stellt der Bezirksleiter klar.

Neue Ausbildung erschwert Suche nach Mitarbeitern

Rund 100 hauptamtliche Mitarbeiter seien an allen drei Standorten beschäftigt, die meisten als Rettungssanitäter und als Rettungsassistenten. Inzwischen kämen auch die ersten Notfallsanitäter – jene jungen Menschen, die als erste die neue dreijährige Ausbildung absolviert haben. Aber auch dort mache sich der allgemeine Fachkräftemangel bemerkbar, sagt Hagemeister. Denn bislang hätten oftmals Abiturienten in der Warteschleife zum Medizinstudium die zweijährige schulische Ausbildung angestrebt, nun komme niemand mehr so schnell.

Sie alle rücken aus – unabhängig, ob der Anrufer unter der Notrufnummer 112 nun wegen eines Schlaganfalls, Brechdurchfalls oder Fiebers um Hilfe bittet. „Eine Faustformel sagt, dass die Menschen schneller den Notruf wählen, je dichter sie an der Stadt wohnen“, sagt Hagemeister. Dabei ließe sich die eine oder andere Erkrankung zu Hause besser behandeln. „Bei Brechdurchfall wirkt Zwieback mit Tee, und dann kann man am nächsten Tag immer noch zum Arzt gehen.“

Kostenfrage: Krankenkasse zahlt den Rettungswagen

Nicht zuletzt gehe es auch um die Transportkosten. „Natürlich können Patienten mit dem eigenen Auto oder dem Taxi in die Notfallsprechstunde fahren, müssen das aber selbst bezahlen.“ Die Fahrt mit dem Rettungswagen indes übernehme die Krankenkasse, und deshalb nutze so mancher diesen Weg – offenbar ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie die Retter blockieren, die möglicherweise bei einem anderen lebensbedrohlichen Notfall dringend benötigt würden. „Die Hemmschwelle sinkt stetig“, hat Hagemeister beobachtet und bezieht dies auch auf die Fahrt zu Krankenhäusern. „Wenn ein Patient darauf besteht, dass er in eine Klinik gefahren werden möchte, dann sind wir dazu verpflichtet.“ Gleichwohl: Eine Fahrt im Rettungswagen führe nicht automatisch zu einer schnelleren Behandlung, wie der eine oder andere hoffe.

„Letztlich“, sagt der Retter, „muss jeder individuell festlegen, was er als Notfall ansieht.“ Keinerlei Diskussionen gebe es bei Schlaganfall, Herzinfarkt und Lungenentzündung. „Mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit aber muss niemand in ein Krankenhaus, da hilft der Hausarzt meist auch.“

Von Antje Bismark

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