Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Steht der Zuckerrübenanbau vor dem Aus?
Region Burgdorf Nachrichten Steht der Zuckerrübenanbau vor dem Aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 04.10.2018
Die sogenannte Rübenmaus lädt die süßen Wurzeln von der Miete am Feldrand auf einen 40-Tonner. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Schillerslage/Ramlingen/Schwüblingsen

Die Zuckerrübenernte steht in diesem Jahr unter keinem guten Zeichen. Die Dürre hat die Erträge geschrumpft, gleichzeitig sind die Zuckerpreise im Keller. Und die Zukunftsperspektiven sehen nicht besser aus, sodass immer mehr Betriebe überlegen, den Zuckerrübenanbau, der bis vor Kurzem noch sichere Einnahmen garantierte, aufzugeben.

Trotz der monatelangen Dürre kommen die Landwirte in Burgdorf und Uetze, was die Erträge angeht, offenbar noch mit einem blauen Auge davon. Denn sie können ihre Felder beregnen. „Wir haben in diesem Jahr durchgehend beregnet“, sagt der Ramlinger Landwirt Lars Hogreve. „Statt wie sonst viermal, waren wir achtmal mit den Beregnungskanonen in den Zuckerrüben“, berichtet auch sein Berufskollege Carsten Fricke aus Schwüblingsen.

Blick in den Einzugsschacht der Rübenmaus, die sich Meter um Meter durch die Miete am Feldrand frisst. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Die Zuckerrüben sind in Schwüblingsen etwas kleiner als in anderen Jahren, dafür aber besonders süß. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Doch diesen enormen Mehraufwand können die Rübenanbauer nicht über einen höheren Preis wettmachen. Da hilft auch der sehr hohe Zuckergehalt in diesem Jahr von 19 bis 21 Prozent (üblich sind 17 bis 18 Prozent) wenig. Denn für ihre Zuckerrüben haben sie schon vor Monaten einen Festpreis mit dem einzigen Abnehmer, dem Nordzucker-Konzern, vereinbart. Und der ist so niedrig wie noch nie. Auslöser des Preissturzes ist das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung. Um sich der veränderter Situation – der EU-Markt ist jetzt offen für Zuckerimporte aus aller Welt – anzupassen, hat die Nordzucker AG nicht nur die jahrzehntelang geltenden Lieferrechte der Landwirte, sondern auch den Preis für die Zuckerrüben beschnitten.

Darüber hinaus wird auch der Anbau arbeitsintensiver. Denn die Landwirte dürfen wichtige Herbizide und Insektizide nicht mehr einsetzen. „Wir werden die Rübenfelder vermutlich wieder mechanisch vom Unkraut befreien müssen“, sagt Fricke. All das macht der Rübenanbau zunehmend unattraktiv – vor allem auf den hiesigen Böden mit ihrem hohen Sandanteil.

In Burgdorf bauen schon mehrere Betriebsleiter keine Zuckerrüben mehr an. Ihr Argument: Der hohe Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Erlös. „Auf unseren Sandböden ist das vor allem in diesem Jahr finanziell sehr eng“, bestätigt Tobias Wietfeldt aus Schillerslage. Die Rüben passten allerdings sehr gut in die Fruchtfolge des hiesigen Kartoffelanbaugebiets. Raps sei keine wirkliche Alternative, betont Landwirt Fricke.

„Auch wegen der neuen Düngeverordnung hat der Rübenanbau durchaus seine Vorteile“, erklärt der Schwüblingser. „Denn die Pflanzen verbrauchen erstens bis zur Ernte fast den gesamten Dünger. Beim Raps hingegen bleiben sehr viele Restnährstoffe im Boden. Zweitens wird das Feld in der Regel nach der Zuckerrübenernte nicht mehr bearbeitet, damit gelangen auch keine Nährstoffe in tiefere Bodenschichten.“ Für Fricke ein wichtiges Argument. Denn sein Betrieb liegt ebenso wie Hogreves in einem Trinkwassergewinnungsgebiet. Um das Grundwasser so wenig wie möglich mit Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln zu belasten, haben der Wasserverband Peine und die Harzwasserwerke gemeinsam mit den Bauern Vorgaben für die Bewirtschaftung der Felder rund um die Trinkwasserbrunnen erarbeitet.

Trotz dieser Vorteile steht für den Ramlinger Landwirt Hogreve fest: „Wenn es vom Preis her noch unattraktiver wird, würde ich die Rüben rausschmeißen.“ Seine Anbaufläche hat er in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich verkleinert. Von 30 Hektar in 2017, auf 24 Hektar in diesem Jahr. Im nächsten Frühling will Hogreve nur noch auf 19 Hektar Rüben einsäen. Er geht nach eigenem Bekunden davon aus, dass sich in nächsten zwei, drei Jahren entscheiden wird, wer auch in Zukunft Zuckerrüben anbauen wird.

Von Anette Wulf-Dettmer

Bei einem Wildunfall zwischen Uetze und Dollbergen ist ein Wolf getötet worden. Es handelt sich um einen der beiden Wölfe, sie im Burgdorfer Holz heimisch waren.

07.10.2018

Immer mehr Jungen und Mädchen reiten bei der Lebenshilfe Max und Sammy, Cookie und Shadow – unabhängig davon, ob sie einen Unterstützungsbedarf bei ihrer Entwicklung haben.

04.10.2018

Seit 20 Jahren lesen Deutsche den ersten Harry-Potter-Band – deshalb bereitet Miriam Engelke von der Stadtbücherei eine Rallye für Ferienkinder vor. Wer kennt den Zauberlehrling am besten?

03.10.2018