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Nachrichten Grüne Sinja Münzberg tritt bei Bürgermeisterwahl an
Region Burgdorf Nachrichten Grüne Sinja Münzberg tritt bei Bürgermeisterwahl an
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00:17 30.03.2019
Die Grüne Sinja Münzberg will das Rathaus erobern. Quelle: privat
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Burgdorf

„Ich kandidiere nicht, weil ich eine Frau bin“, sagt die Regionsabgeordnete Sinja Münzberg. Aber Fakt ist, sie ist bislang die einzige Frau, die sich neben sechs Männern um das Bürgermeisteramt in der Stadt bewirbt. Die Grünen haben die 34-jährige Co-Vorsitzende ihres 30-köpfigen Ortsvereins am Dienstagabend einstimmig auf den Kandidatenschild gehoben. Am Mittwochvormittag gab Münzberg dann ihre Kandidatur öffentlich bekannt.

Ökopartei schickt eigene Kandidatin ins Rennen

Mit Spannung war die Entscheidung der Grünen erwartet worden, wie sie es mit der Bürgermeisterwahl am 26. Mai halten wollen. Nun ist es heraus: Die Partei, die mit aktuell vier Mandatsträgern im Rat der Stadt seit Jahren mit der SPD und anderen kleinen Partnern die Mehrheit bildet, unterstützt nicht den Sozialdemokraten Matthias Paul. Sie schickt vielmehr eine eigene Kandidatin ins Rennen um das Spitzenamt im Rathaus.

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Kandidatin arbeitet für Landtagsfraktion der Grünen

Münzberg ist neben Fabian Heller eine von zwei Vorsitzenden des Ortsvereins. Sie ist seit 2009 Mitglied bei den Grünen, engagiert sich seit 2011 kommunalpolitisch, wurde 2016 in den Rat der Stadt Burgdorf gewählt, gab das Mandat ein Jahr später aber auf, weil sie als Nachrückerin in die Regionsversammlung einzog, für die sie als Sprecherin für Soziales und Wohnungsbau fungiert. Seit vier Jahren arbeitet sie für die Fraktion der Grünen im Landtag.

Die Grüne Sinja Münzberg wirft als bisher einzige Frau ihren Hut in den Bürgermeisterwahlkampf. Quelle: Joachim Dege

Sinja Münzberg wuchs in der Südstadt auf

Die Mutter von zwei vier und acht Jahre alten Kindern wuchs in der Südstadt auf, legte dort am Gymnasium 2004 das Abitur ab und lebt heute mit ihrer Familie in der Weststadt. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, die berufsbegleitend ein Studium der Gesundheitswissenschaften draufsattelte, will nach eigenem Bekunden die Themen Verkehrssicherheit, Fußgängerzone auf der Marktstraße und sozialer Wohnungsbau in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes stellen.

Alle Schulwege müssen auf den Prüfstand

An Ideen mangle es ihr nicht, sagte Münzberg. Allem voran will sie nach mehreren schweren Unfällen auf den Stadtstraßen die Verkehrssicherheit in den Fokus rücken. Auf diesem Feld müsse die Stadt präventiv mehr tun. Neben Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und Verkehrserziehungsinitiativen will die Grüne unter anderem alle Verkehrswege von Schülern auf den Prüfstand stellen und so verändern, dass möglichst keine Unfälle mehr passierten. „Vision Sero“ nennt die Grüne ihre Strategie, in die sie auch die Perspektive von Schulkindern einbeziehen will.

Öffentliche Debatte über eine Fußgängerzone

Darüber hinaus strebt Münzberg eine Fußgängerzone auf der Marktstraße an. Von einer immer wieder einmal diskutierten Einbahnstraßenregelung hält sie nichts. Und es reiche auch nicht aus, die Straße für Autos zu sperren. Münzberg will vielmehr eine öffentliche Debatte anstoßen für ein Gesamtkonzept, das bauliche Veränderungen ebenso berücksichtigt, wie die künftige Nutzung der dann freiwerdenden Verkehrsflächen, die Verkehrsführung in der gesamten Innenstadt. Schon wegen der bekannten Vorbehalte des Einzelhandels wolle sie nicht mit einer fertigen Lösung aufwarten. „Aber über die Modalitäten kann man verhandeln. Das Ziel muss sein: Der Verkehr muss raus.“

Wohnraum schaffen für die vielen Geringverdiener

Schließlich hat sich die Grüne den sozialen Wohnungsbau auf die Fahnen geschrieben. „Das Thema hat eine hohe Relevanz in den kommenden Jahren“, sagt Münzberg, die unter Berufung auf von der Region Hannover vorgelegte Daten von fast 1000 fehlenden Wohnungen für Burgdorf spricht. Es sei Aufgabe der Stadt, dafür zu sorgen, dass dieser dringend benötigte Wohnraum entsteht, und zwar zu einem Großteil im Mietpreissegment von 7 bis 9 Euro pro Quadratmeter. In Burgdorf fehlten vor allen kleine, bezahlbare Wohnungen. 30 Prozent der Burgdorfer verfügten nur über ein geringes Einkommen. „Für die brauchen wir auch Wohnraum“, sagt Münzberg. Dazu müsse die Stadt einige zu regelrechten Ghettos verkommene Quartiere in der Südstadt überplanen.

Ratsfrau Simone Heller sagt den Grünen ab

Bevor sich die Grünen entschlossen, mit Münzberg ins Bürgermeister-Rennen zu gehen, hatte die Partei auch andere Möglichkeiten ausgelotet, räumte Münzberg ein. Im Gespräch war auch eine Kandidatur der langjährigen Ratsfrau und Vizebürgermeisterin Simone Heller aus Sorgensen gewesen, die dann allerdings abgesagt habe. Außer Münzberg kandidieren Matthias Paul (SPD), Armin Pollehn (CDU), Michael Fleischmann (Die Linke), Marc Müller (Die Partei), Rüdiger Nijenhof (Freie Burgdorfer), Dirk Schwerdtfeger (FDP). „Paul und Pollehn haben jetzt natürlich einen Vorsprung, den ich schwer aufholen kann. Aber ich werde möglichst viel präsent sein in der Stadt“, sagte Münzberg. Dazu werde sie den Aufwand für ihr Regionsmandat merklich ein zurückfahren. Vor der Aufgabe als Bürgermeisterkandidatin habe sie zwar Respekt, aber „mittlerweile auch richtig Bock darauf“.

Eine Übersicht über alle Kandidaten lesen Sie hier auf unserer Wahlseite.

Von Joachim Dege