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Nachrichten Für Matthias Paul hat die Stadtentwicklung viele Baustellen
Region Burgdorf Nachrichten Für Matthias Paul hat die Stadtentwicklung viele Baustellen
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20:19 29.04.2019
„Der unbekannte Ort“: So nennt Matthias Paul die Stelle, von der er alle Baustellen der Stadt im Blick hat: Verkehr, Wirtschaft und IGS-Neubau. Paul steht auf dem Fuß- und Radweg, der neben der B 188 über die Bahn führt, im Hintergrund ist der Gewerbepark Nordwest. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

 „Wer Bürgermeister in Burgdorf werden will, muss sich breit aufstellen, um die Zukunftsthemen und die Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen im Blick zu haben“, sagt Matthias Paul. Der Pastor außer Dienst – wegen seiner Kandidatur – und SPD-Ratsherr spricht von vielen Herausforderungen und vielen Baustellen, wenn es darum geht, die wachsende Stadt mit ihren vielen Facetten in eine gute Zukunft zu führen. „Viele Dinge wird man nur im Kompromiss verwirklichen können“, ist sich der Bürgermeisterkandidat durchaus bewusst. Wichtig sei ihm, die Bürger frühzeitig zu informieren, denn „ihre Meinungen und Ideen sind erwünscht. Die Bürger sollen ein Teil des Planungsprozesses sein“.

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Treffpunkt zum Baustellenspaziergang an diesem Morgen ist der Fuß- und Radweg am nördlichen Stadtausgang, der gegenüber der Sorgenser Mühle beginnt. Er führt hinauf zur Umgehungsstraße, über die Eisenbahnbrücke im Zuge der B 188 und hinunter zum Gewerbepark Nordwest. Von der Brücke aus sind die nach Ansicht Pauls wichtigsten Baustellen der Stadtentwicklung zu sehen: Im Osten fällt der Blick auf den Bauplatz für die neue IGS mit der Wasserwerksschule. „Die IGS mit Oberstufe ist für mich ein wichtiges Projekt, hinter dem ich voll stehe.“ Er habe sich angesichts der immensen Kosten nicht leichten Herzens dazu entschlossen. „Aber auch die Kommunalaufsicht hat der Stadt bescheinigt, dass es ein notwendiger Bau ist, weil eine IGS im Altbestand nicht zu verwirklichen ist. Wir haben uns das deshalb aufgeladen.“

Paul ist wichtig, dass dieses Bauprojekt schnell vorangetrieben wird. „Damit die Baukosten nicht weiter steigen. Finanzpolitisch ist es richtig, mit dem teuersten Projekt anzufangen“, sagt er mit Blick auf ebenfalls dringend erforderlichen Erweiterungen und Neubauten in Otze und Ehlershausen.

Im Westen fällt der Blick auf den Gewerbepark Nordwest – Symbol für die wirtschaftliche Entwicklung Burgdorfs. Bauabschnitt I und II sind bis auf einige wenige Grundstücke bebaut. Jetzt entwickelt die Stadt Bauabschnitt III, der fast bis an die Bahnlinie heranreichen wird. Die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets sei richtig, damit die Einnahmen steigen, sagt Paul. „Ich stehe dafür, schon jetzt zu überlegen, wo das nächste Gewerbegebiet entwickelt werden soll. Denn die Entwicklungszeit ist lang.“

Unter der Brücke verläuft die Bahnstrecke CelleHannover, die Paul als Sinnbild für die allgemein wachsende Verkehrsbelastung in Burgdorf verstanden wissen will. „Die Umgehungsstraße ist ein großer Gewinn, aber die Entlastungswirkung für die Marktstraße ist nicht so groß wie erhofft.“ Deshalb müsse überlegt werden, wie der Durchgangsverkehr aus der Marktstraße herausgehalten werden könne. Das Problem: Es gibt weder eine innenstadtnahe Entlastungsroute noch sei eine entwickelbar, „außer man würde den Stadtpark zerstören.“ Eine Fußgängerzone gegen die Geschäftsleute sei mit ihm nicht zu machen, sagt Paul klipp und klar.

Matthias Paul erläutert Redakteurin Anette Wulf-Dettmer seine Ideen für Burgdorf. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Die Bahnlinie selbst, die Burgdorf durchschneidet, ist nach seiner Ansicht trotz der Lärmbelastung ein großer Gewinn, denn es gebe drei S-Bahnhöfe und damit eine gute Anbindung nach Hannover. Aber angesichts der Zunahme des Güterzugverkehrs „ist es gerade für Otze besonders wichtig, dass am Bahnübergang etwas passiert, weil es keine Alternative gibt“.

Mit der Verkehrsbelastung einher geht die Verkehrssicherheit – gerade für Radfahrer. „Der Ausflugsverkehr mit dem Rad ist schon gut organisiert, aber der Alltagsverkehr nicht“, kritisiert er. Den Rad- und Fußweg, auf dem Paul steht, würde er gern zur Fahrradstraße zwischen der Weststadt und dem neuen IGS-Standort ausbauen. So kämen die Schüler aus dem westlichen Stadtgebieten schnell und sicher ins geplante Schulzentrum Nord.

Theologe sitzt seit drei Jahren im Rat

Matthias Paul, Jahrgang 1965, ist als Pastor der St.-Paulus-Gemeinde vielen Bürgern bestens bekannt. Wegen der Bürgermeisterwahl hat ihn die Landeskirche momentan beurlaubt. Seit mehr als 20 Jahren lebt Paul mit seiner Familie, zu der zwei erwachsene Töchter gehören, in Ehlershausen, wo seine Frau Susanne Pastorin ist. Deshalb ist Burgdorf für ihn längst zur Heimat geworden. Aufgewachsen ist Paul in der Heide, studiert hat er Theologie in Marburg und Göttingen. Seit 2016 ist Paul Ratsherr und 1. stellvertretender Bürgermeister. Zuvor war er neun Jahre lang Vorsitzender des Präventionsrats.

Von Anette Wulf-Dettmer