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Nachrichten Südstadt-Kita kommt ein Jahr später
Region Burgdorf Nachrichten Südstadt-Kita kommt ein Jahr später
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08:06 08.02.2019
Architekt Tobias Hylla mit seinem preisgekrönten Entwurf, den er nun nicht mehr zu Ende bringen darf. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Das Familienzentrum und der Kita-Neubau für die Südstadt werden erst Ende 2020 fertig – mehr als ein Jahr später als geplant. Die Stadt hat darum dem für seinen Entwurf preisgekrönten Architekten Tobias Hylla aus Kehl am Rhein den Auftrag entzogen. Das Burgdorfer Büro Höhlich & Schmotz soll das Projekt, das zurzeit in der Ausschreibungsplanung ist, zu Ende betreuen. Der geschasste Architekt droht mit Klage. Die Architektenkammer sieht die neuerliche Vergabe der Bauplanung – zumal die Stadt nicht europaweit ausgeschrieben hat – rechtlich als fragwürdig an.

Die Baukosten, die vor zwei Jahren noch 3,4 Millionen Euro betragen sollten, hat die Stadt im Haushaltsplan von der Öffentlichkeit unbemerkt inzwischen mit 4,3 Millionen Euro veranschlagt. Nicht eingerechnet seien Baukostensteigerungen infolge der verspäteten Fertigstellung, räumt Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) ein. Immerhin: Das Land werde das Vorhaben mit 360.000 Euro fördern, die Region Hannover sogar mit 372.000 Euro.

Die Entscheidung, den Architekten zu wechseln, fiel Ende vergangenen Jahres, wurde aber erst jetzt öffentlich. Noch in der vergangenen Woche verweigerte der Erste Stadtrat und Kämmerer Lutz Philipps Auskünfte und quittierte eine Nachfrage brüsk: „Warum muss das die Öffentlichkeit erfahren?“

Unterlagen nicht rechtzeitig geliefert

Konfrontiert mit Recherchen dieser Zeitung hat der Bürgermeister inzwischen eingelenkt und gibt Details preis. Die Stadt wirft dem Architekten, dessen Entwurf sie immer noch realisieren will, vor, er habe Planungsunterlagen wiederholt nicht rechtzeitig beigebracht und so die Verzögerung des Neubaus am Peiner Weg zu verantworten. Architekten begriffen sich oft als Künstler, ließen es gelegentlich aber an der praktischen Umsetzung ihrer Entwürfe mangeln, sagt Baxmann. Das sei auch hier der Fall. Die Verwaltung habe die Reißleine ziehen müssen.

Modell des preisgekrönten Entwurfs des Architekten Tobias Hylla. Quelle: Joachim Dege

Am 5. Dezember setzte Baufachanwalt Uwe Rohe für die Stadt eine letzte Frist bis zum 17. Dezember – mit Kündigungsvorbehalt. Als Hylla nicht lieferte, folgte am 20. Dezember die Kündigung. Den Schlichtungsausschuss der Architektenkammer anzurufen hielt der Anwalt nach eigener Aussage für nicht nötig. Auch habe er der Stadt die besondere Expertise seiner Kanzlei, in der seine Kollegin Martina Schmotz als Mediatorin arbeitet, gar nicht erst angedient. Die Juristin ist die Ehefrau von Andreas Schmotz, Gesellschafter bei Höhlich & Schmotz.

Die Mehrzahl der Kommunalpolitiker – die SPD hatte schon früher Einblick – erfuhr am 22. Januar von dem Vorgang. Im nichtöffentlichen Teil der Bauausschusssitzung legte Bauamtsleiter Andreas Fischer dar, wie es zur Kündigung kam und riet zur Vergabe der ausstehenden Bauplanung an das Büro Höhlich & Schmotz, das Hylla für die Vergabeplanung, die Vergabe und die Bauüberwachung hatte hinzuziehen wollen. Der Ausschuss folgte der Empfehlung. Der Verwaltungsausschuss der Stadt, der als zweithöchstes Entscheidungsorgan der Stadt stets hinter verschlossenen Türen tagt, gab am 29. Januar grünes Licht.

Architekt kündigt Stadt Klage an

Hylla, der um seinen Ruf bangt, wehrt sich. Mit Anwaltsschreiben kündigt er der Stadt eine Schlussrechnung an. Die liegt im Rathaus noch nicht vor. Er werde das volle Honorar fordern, sagt Hylla. Bekomme er das nicht, werde er klagen. Die Stadt, die fest mit der Klage rechnet, will laut Bürgermeister nur die „verwertbaren Leistungen bis einschließlich Genehmigungsplanung“ bezahlen. Hylla sagt, die Bauplanung stecke bereits „weit fortgeschritten in der Ausführungsplanung“.

„Ziemlich dreist“ findet er den Vorwurf, er allein habe das Projekt in Zeitverzug gebracht. Vielmehr habe die Verwaltung selbst die Bauplanung immer wieder verzögert. Gleich zu Beginn sei der Stadt der Projektleiter von der Fahne gegangen. Statt im September habe er erst im Dezember 2017 eine von der Kommune ersatzweise eingesetzte Projektleiterin als Ansprechpartnerin gehabt. Das bestreitet die Stadt ebenso wenig wie den Umstand, dass Projektleiterin Bärbel Meinecke bis vor zwei Jahren im Büro Höhlich & Schmotz beschäftigt war.

Firmen bieten Rohbau überteuert an

Laut Hylla liegt es in der Verantwortung der Stadt, dass einzelne Auftragsvergaben verspätet erfolgten, so beim Schallschutz und der Küche. Weil auf die Ausschreibung des Rohbaus nur überteuerte Angebote eingingen, habe die Stadt auch diesen Auftrag nicht vergeben. Das räumt die Kommune ein. Was das an Zeit gekostet hat, kann Projektleiterin Meinecke nicht sagen. Um eine größere Kostensicherheit zu erzielen, habe man sich entschlossen, „ein größeres Paket zu schnüren“ und Zimmerer-, Glaser- und sonstige Holzbauarbeiten mit dem Rohbau zusammen auszuschreiben. Doch der Architekt habe „diese Dinge nicht geliefert“.

Ursprünglich sollten Familienzentrum und Kita Mitte dieses Jahres in Betrieb gehen, so hatte es Bauamtschef Andreas Fischer noch im August 2017 als Losung ausgegeben. Laut Hylla sah sein eigener, „sehr sportlicher“ Bauzeitenplan als Fertigstellungsziel das Frühjahr 2020 vor. Die Stadt rechnet jetzt im günstigsten Fall mit Ende 2020.

Die Paulus-Gemeinde will künftig das Familienzentrum betreiben und dort Begegnungen und stadtteilbezogene Sozialarbeit organisieren. Quelle: Joachim Dege

Kita-Betreiber: Es gab schon Anmeldungen

Der evangelische Kirchenkreis Burgdorf, der zehn Kinderbetreuungseinrichtungen und davon drei in Burgdorf betreibt, soll nach dem Willen der Stadt später die neue Kita am Peiner Weg übernehmen. 105 Kinder sollen in der Einrichtung einen Betreuungsplatz erhalten, sobald sie errichtet ist: 75 Kinder von drei bis sechs Jahren in drei Kindergartengruppen, weitere 30 Kinder bis drei Jahre in zwei Krippengruppen. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Birgit Meinig, als pädagogische Leiterin aller Kinderbetreuungseinrichtungen im Kirchenkreis zuständig für 160 Erzieherinnen und Erzieher. Dass die Plätze nicht wie ursprünglich geplant dieses Jahr zur Verfügung stehen, sei nicht schön. Jede weitere Verzögerung verschärfe die Situation, sagt die Fachfrau, die in Personalunion für die SPD ein Mandat im Rat der Stadt wahrnimmt. Als Vertreterin des späteren Kita-Betreibers hat Meinig nicht nur als Jurymitglied am Architektenwettbewerb mitgewirkt und den jetzt realisierten Entwurf für preiswürdig erachtet. Die Stadt habe sie auch später noch in die konzeptionelle Planung der Kita eng eingebunden: „Den Prozess fand ich super“, erinnert Meinig die aus ihrer Sicht konstruktiven Arbeitstreffen der Planungsgruppe mit dem jetzt geschassten Architekten. An den Sitzungen nahm auch Pastor Matthias Paul, SPD-Ratsherr und Bürgermeisterkandidat, teil. Die Paulus-Gemeinde wird später das Familienzentrum betreiben. Dass sich die Stadt von ihrem Architekten trennen wollte, habe sie Anfang Dezember erfahren, sagt Meinig. Der Zeitverzug schaffe für die Stadt eine schwierige Lage. Einige Eltern hätten ihre Kinder bereits angemeldet. Ihnen hat die Stadt nach eigener Aussage jetzt schriftlich abgesagt und zugleich erfragt, ob sie eine Anmeldung an einer anderen Kita wünschen.

Architektenkammer sieht Vergabe kritisch

43 Architektenwettbewerbe zählte die Architektenkammer Niedersachsen vergangenes Jahr. Dass sich ein Ausrichter, der mit einem Preisträger ins Geschäft gekommen sei, von diesem trenne, passiert laut Hauptreferent Andreas Rauterberg, zuständig für das Wettbewerbswesen, selten. Ohne dass der Fachmann Partei ergreifen kann und will, wundert er sich, dass sich keine der beiden Parteien an den Schlichtungsausschuss der Kammer gewandt hat. Dies sei für die Stadt und den Architekten aber nach wie vor möglich und zudem auch sinnvoll, beispielsweise um verwertungs- und urheberrechtliche Fragen klären zu lassen. Über das Vorgehen der Stadt runzelt der Hauptreferent die Stirn. Nicht weil diese kein Recht zur Kündigung habe. Dass sie aber einem Büro, das im Wettbewerb nur eine Anerkennung „als eine Art Trostpreis“ zuerkannt bekam, nun den Auftrag geben wolle, „halte ich vergaberechtlich für problematisch“, sagt Rauterberg. Wer mit einer Anerkennung aus einem Architektenwettbewerb hervorgehe, „ist nicht im Rang derer, die am Vergabeverfahren teilnehmen können“, zumal dieses bereits abgeschlossen gewesen sei. Tatsächlich hatte die Jury den Entwurf des von der Stadt ersatzweise rekrutierten Büros Höhlich & Schmotz mit einer von zwei Anerkennungen bedacht. Ein noch größeres Problem sieht der Rauterberg im Verzicht auf eine europaweite Ausschreibung. Diese sei geboten ab einer Honorarsumme über 221.000 Euro, und zwar auch bei der Vergabe von Teilleistungen. Die Stadt und deren Anwalt argumentieren, dass die noch auszuführenden Architektenleistungen nur 180.000 bis 190.000 Euro kosteten und es der europaweiten Ausschreibung deshalb nicht bedürfe.

Von Joachim Dege

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