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Region Burgdorf Nachrichten Elterntaxis und Lastwagen behindern die Grundschüler
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15:55 11.11.2019
Dichtes Gedränge herrscht am frühen Morgen auf dem schmalen Weg zwischen Schule und Kita. Quelle: Antje Bismark
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Ehlershausen

Elterntaxis, Baustellenfahrzeuge, zugeparkte Radwege: Vor dem Unterrichtsbeginn in der Waldschule Ehlershausen müssen die Grundschüler ganz besonders aufmerksam sein, um nicht vor ein Auto zu laufen oder zu radeln. „Seit der vergangenen Woche verschärft sich die Situation, weil die Arbeiten am benachbarten Kindergarten begonnen haben“, sagt Elternvertreterin Sonja Heyna. Sie hat deshalb spontan einen Lotsendienst mit Freiwilligen und Eltern organisiert. Eine Dauerlösung, das zeigte sich am Montagmorgen, ist dies aber nicht.

Zu komplex sind die Probleme nach Einschätzung von Werner Hartmann, der mit seinen drei Kindern zur Waldschule radelt. So stünden die Autos vor dem Kindergarten in den Parkbuchten. „Die Radfahrer müssen deshalb hinter den Fahrzeugen fahren, damit sind vor allem Kinder für die Autofahrer nicht zu sehen“, hat er beobachtet. Das gelte umso mehr an so frostigen Morgen wie am Montag, weil viele Eltern die Scheiben ihrer Fahrzeuge nur notdürftig freigekratzt haben. Wenn die Kinder dieses Wegstück unfallfrei geschafft haben, müssen sie mit ihren Rädern zwischen Schulzaun und geparkten Autos manövrieren.

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Die Parkbuchten vor dem Kindergarten bezeichnet Vater Werner Hartmann als gefährlich, weil die Radfahrer hinter den geparkten Fahrzeugen unterwegs sind. Quelle: Antje Bismark

Lastwagen behindern Grundschüler und Kita-Kinder

„Viele stellen ihre Autos so ab, dass sie zum Teil auf dem Radweg stehen“, sagt Hartmann. Wenn dann ein Beifahrer die Tür öffne, verringere sich der Weg für die Kinder noch mehr – und das oft unvermittelt. „Sie geraten dann wegen der Unebenheit ins Schlingern und stürzen.“ Ortsbürgermeisterin Birgit Meinig und ihre Ortsratskollegen Katrin Thies, Oliver Sieke und Heyna kennen das Verkehrsproblem schon seit Langem, ohne dass sie bisher eine nachhaltige Lösung finden konnten.

Weil nun die Lastwagen von einer privaten Baustelle und vom Kindergarten auch noch den Schulweg behindern, haben Hartmann in der vergangenen Woche einen Brief an Bürgermeister Armin Pollehn geschrieben und Heyna den morgendlichen Verkehrsdienst initiiert. „Das Problem der Elterntaxis haben wir inzwischen an allen Kitas und Schulen“, sagt Pollehn beim Ortstermin. Gleichwohl sehe er für Ehlershausen derzeit eine besondere Lage wegen der Baustellen. Deshalb werde er das Thema mit den zuständigen Kollegen in der Verwaltung diskutieren – auch um möglicherweise eine temporäre Lösung zu finden.

Baustellen-Lastwagen, zugeparkte Radwege, Elterntaxis: Vor der Grundschule und dem Kindergarten am Waldweg in Ehlershausen ballt sich am frühen Morgen der Verkehr – mit gefährlichen Situationen für die Kinder.

Elterntaxis fahren bis auf den Schulhof

Denn Heyna, Hartmann und andere Eltern beobachteten in der vergangenen Woche immer wieder, dass auch die Lastwagen auf dem Radweg der Schüler stoppten. „Dann mussten die Kinder auf die Fahrbahn ausweichen, dort waren dann aber die Autos der Eltern unterwegs“, schildert Heyna die Situation. Besonders ärgerlich sei aus ihrer Sicht, dass der Schulelternrat die Familien in mehreren Briefen über das Verkehrsproblem informiert, sich bislang aber noch nicht geändert habe. „Im Gegenteil: Manche fahren auf den Schulhof, öffnen die Tür, lassen die Kinder aussteigen und setzen rückwärts zurück, wobei sie andere Kinder gefährden“, sagt Heyna.

Diese Situation beobachtet auch Schulleiterin Esther Tönsing immer wieder. Sie begrüßt das Engagement Heynas. „Die Ansprache von Eltern an Eltern ist sinnvoll und hoffentlich auch wirkungsvoll“, sagt sie. Angesichts der akuten Verkehrsprobleme könne sie verstehen, dass das jahrelange Thema nun wieder hochkoche.

Heyna und ihre Mitstreiter fürchten, dass es kurzfristig keine Komplettlösung geben wird. „Deshalb organisieren wir den Dienst vor Unterrichtsbeginn erst einmal so lange, bis die Container auf dem Kita-Gelände stehen“, sagt sie. Dafür habe sie genügend Unterstützer gefunden. Vielleicht ergibt sich mittelfristig ein Lotsendienst, wie ein Vater anregt. „Ich wäre bereit“, sagt er. Eine andere Idee: An der Einmündung der Waldstraße könnte die Stadt eine Haltestelle für Elterntaxis einrichten, dann müssten die Kinder nur noch wenige Hundert Meter zu Fuß gehen.

So funktioniert eine Bannmeile für Elterntaxis in Engelbostel

Das Problem der Elterntaxis beschäftigt Kommunen in der gesamten Region Hannover. So hat die Stadt Langenhagen nach massiver Kritik von Lehrern an der Verkehrssituation vor der Grundschule Engelbostel reagiert – nicht mit baulichen Einschränkungen wie Pollern, sondern in Abstimmung mit Schule und Polizei mit einem temporären Durchfahrtsverbot für Autos von 7.15 bis 8.15 und von 12.15 bis 15.15 Uhr.

An Nebenstraßen gibt es jetzt spezielle Hol- und Bringzonen, in denen die Eltern mit ihren Autos für drei Minuten halten und die Kinder aussteigen lassen können. Von diesen Punkten aus gehen die Jungen und Mädchen dann zum Unterricht. Auf Poller, heißt es im Langenhagener Rathaus, hätten alle Beteiligten verzichtet, weil mitunter Eltern am Vormittag ein erkranktes Kind abholen müssten. Zudem hätten diese auch die Zufahrt für Anlieger verhindert.

Die Verwaltung zieht nach den ersten Monaten eine positive Bilanz, weil sich viele Mütter und Väter an die neue Regelung halten. Die Politiker im Ortsrat Engelbostel indes kritisieren, dass nach wie vor zu viele das Auto als Elterntaxi nutzen. Eine abschließende Einschätzung der Regel, die seit Februar 2019 gilt, steht aber noch aus.

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Von Antje Bismark