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Nachrichten Duo Repicco spielt im Burgdorfer Schloss Frühbarocksonaten
Region Burgdorf Nachrichten Duo Repicco spielt im Burgdorfer Schloss Frühbarocksonaten
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00:17 28.03.2019
Kinga Ujszászi (Barockgeige) und der Lautenist Jadran Duncumb beeindrucken mit großer Musikalität und einem fast blinden Verständnis im Zusammenspiel. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Mit einem bemerkenswerten Auftritt hat das Duo Repicco (Violine/Theorbe) die mittlerweile 8. Saison der Barockmusikreihe „Die 4 Jahreszeiten“ des Kulturvereins Scena im Burgdorfer Schloss eröffnet. Die ungarische Barockviolinistin Kinga Ujszászi und der anglokroatische Lautenist Jadran Duncumb öffneten ihrem Publikum am Sonntagabend fast zwei Stunden lang das Tor zur so facettenreichen Klangwelt der italienischen Frühbarockepoche. Mehr als 130 Zuhörer erlebten einen Abend für Klanggourmets.

Die Zeit des Frühbarocks hatte es bekanntlich in sich. Deutschland kann mit dem Dreißigjährigen Krieg ein Klagelied davon singen. Auch auf dem Stiefel Europas herrschten Kriege, Pest und Plagen. Das Melodram kam in Mode und revolutionierte die Musikwelt, in der sich die Instrumental- von der Vokalmusik zu emanzipieren begann und seine eigene Klangsprache suchte.

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In diese ungestüme Klangwelt warf Repicco das Publikum. Das Duo, eine Entdeckung des eeemerging-Programms der Europäischen Union, erinnerte mit seinem auch auf CD eingespielten Programm „Assassini, assassinati!“ (zu Deutsch: Mörder, ermordet!) an die tragischen Schicksale von Komponisten, die in jenen Tagen Mörder oder Mordopfer waren. Der Zuhörer tauchte ein in diese brodelnde Atmosphäre und traf auf so extravagante Persönlichkeiten wie Alessandro Stradella, Giovanni Antonio Pandolfi Mealli und Ignazio Albertini.

Nehmen wir Stradella: Nachdem dieser in Rom die Kirche über den Tisch gezogen hatte und das Weite suchen musste, stahl er in Venedig das Herz der Geliebten eines Grafen, zog notgedrungen weiter, um am Ende in Genua als Mordopfer den Tod zu finden. Nun erzählte die von Repicco interpretierte Sinfonia Nr. 9 aus der Feder Stradellas zwar nicht das abenteuerliche Leben dieses Komponisten nach. Aber es ließ sich sehr wohl erspüren, in welchen Gefühlswelten solche Musik in den Komponierstuben jener aufgewühlten Tage zu Papier gebracht worden war.

Affekte wie unbändige Freude, Leidenschaft, rhythmische Tänze brachen sich in virtuosen Tonfolgen Bahn, gingen über in teilweise dissonante, bizarre Figuren, um scheinbar stufenlos in leisen, lichten, melodiösen Kleinodien zu münden. Rasante Tempiwechsel tauchten die Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle. Wohl dem, der die Augen schloss und sich dieser Musik hinzugeben vermochte.

Die aus Dublin angereiste Geigerin Kinga Ujszászi und der aus Oslo hinzugestoßene Lautenist Jadran Duncumb an der Theorbe, einer 14-saitigen Schalenhalslaute mit einem zweiten Wirbelkasten am verlängerten Hals, führten auf beeindruckende Weise vor, welcher Klangreichtum sich aus der Kombination dieser zwei Instrumente herausholen lässt, wenn sich das Spiel zwei so stilsicherer Musiker in schier blindem Verständnis zu einer Einheit verbindet. Ujszászis warmer Bogenstrich und unnachahmliche Leichtigkeit auch in schwierigsten Passagen sowie Dumcumbs pointiert artikuliertes Zupfen und Schlagen seiner Saiten vermählten sich so zur musikalischen Intarsie, die höchsten Ansprüchen genügte.

Besonders innig geriet das Zusammenspiel bei Albertinis Sonata Primi und Stradellas Sinfonia Nr. 2, während Duncumb sein ganzes Ausnahmekönnen als Solist in Giovanni Girolamo Kapsbergers Toccata Arpeggiata offenbarte. – Pures Hörvergnügen!

Von Joachim Dege