Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Sortieren und stapeln: So läuft eine Schicht in der DRK-Kleiderkammer ab
Region Burgdorf Nachrichten Sortieren und stapeln: So läuft eine Schicht in der DRK-Kleiderkammer ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:38 12.07.2019
Margaryta Kulish (von links) hilft mir beim Sortieren einer Kleidung, die eine Kundin benötigt. Quelle: privat
Burgdorf

Meine Schicht in der Burgdorfer DRK-Kleiderkammer beginnt pünktlich um 14 Uhr – und als ich das Grundstück an Drei Eichen wenige Minuten vorher betrete, warten dort bereits schon gut 50 Frauen, Männer und Kinder auf den Einlass. Es ist Donnerstag, und das bedeutet für bedürftige Menschen mit einer Genehmigung seitens Stadt und Jobcenter, dass sie sich in den Räumen nach kostenloser Kleidung und Hausrat umsehen können.

In den ebenerdigen Räumen bereiten Leiterin Brigitte Grabietz, Karin Armbrecht und Margaryta Kulish bereits alles für den Ausgabetag vor: Es gibt einen kleinen Wartebereich, in dem sich neben Stühlen, Kuscheltieren und Büchern auch ein Schreibtisch befindet. An dem nimmt Grabietz Platz, während Armbrecht eine Tüte mit Nummern aus Plastik füllt. Kulish und ich gehen in den angrenzenden Raum: Dort bedecken Regale, gefüllt mit Bananenkisten, drei der vier Wände.

Brigitte Grabietz gleicht die Daten der Kunden ab. Wer ist bedürftig, wer nicht? Quelle: Antje Bismark

DRK-Freiwillige sortieren die Kleidung

Die Kisten tragen unterschiedliche Aufschriften – T-Shirts für Damen, Badekleidung Frauen, Babykleidung, Hemden oder Kindersachen. Auf anderen Regalfächern stapeln sich Handtücher und Bettwäsche, im hinteren Bereich findet sich Besteck neben Butterdosen, Tassen und Tellern. Seit Montag haben die Ehrenamtlichen die Kisten und die Regale eingeräumt mit Spenden, die die Burgdorfer abgegeben haben. Hinter ihnen liegen unzählige Stunden, in denen sie Tüten geöffnet, die Kleidung herausgenommen, geprüft, ausgezeichnet, sortiert und für ihre Kunden bereitgelegt haben.

Für Handtücher und Bettwäsche gibt es eine Begrenzung

Die Kunden ziehen ihre Nummer aus der blickdichten Tüte, während Kulish mich in dem Raum herumführt. Innerhalb weniger Minuten muss ich mir einprägen, wo sich welche Spende befindet und dass jeder nur zwei Handtücher und maximal zweimal Bettwäsche mitnehmen darf. Und dann geht es auch schon los: Grabietz und Armbrecht gleichen bei den ersten drei Kunden die Daten anhand des Personalausweises ab. Im Anschluss kommen sie zu Kulish und mir. Dabei besteht meine Aufgabe zunächst nur darin, ihnen die richtigen Kisten zu zeigen oder Bügel wegzuräumen, wenn eine der aufgehängten Blusen oder Hosen in die mitgebrachten Taschen wandert.

Mitarbeiter achten auf die Regeln

Für meine Mitstreiterin ist es deutlich schwieriger: Sie hat die Regeln durchzusetzen – achtet also darauf, dass nicht mehr Handtücher als erlaubt eingepackt werden, Kinder im Wartezimmer warten und die Zeit zum Suchen nicht überschritten wird. Es ist eine schwierige Balance zwischen Freundlichkeit und Nachdruck, und ich bin froh, dass ich unterdessen nur durchwühlte Kleidung so zurechtlege, damit auch die nächsten Kunden es als ansprechend empfinden. Also stapele ich Bodys in Größe 56 mit Strumpfhosen in der Babykiste oder T-Shirts in Größe M und L.

Handtücher, Bettwäsche, Laken als Erstausstattung

Nach knapp 45 Minuten stellt mir Brigitte Grabietz eine junge Frau an die Seite: „Sie ist neu, braucht Zuspruch und benötigt alles“, sagt sie. Bescheiden folgt mir der Neuzugang: „Es geht nicht um Kleidung, eher um Hausrat.“ Also organisiere ich dank der DRK-Frauen eine Tüte, in die wir gemeinsam zwei Handtücher, ein Kissen, Bettwäsche und ein Laken sortieren. Kurz danach folgt eine weitere junge Frau, die sich zum ersten Mal in der Kleiderkammer ausstatten muss. Gesucht wird unter anderem Kleidung für ein einjähriges Kind. Und während wir beide stöbern, Größen auf den kleinen Hosen entziffern, vergleichen und zur Seite legen, erlebe ich Grabietz – bis zu dem Moment ausgesprochen verständnisvoll – nun resolut.

Ohne Berechtigung darf niemand die Kleiderkammer nutzen

Denn eine der Kundinnen nutzt die Hilfseinrichtung ohne entsprechenden Nachweis: „Dieser stammt aus dem vergangenen Jahr, das kann ich nicht akzeptieren“, sagt Grabietz. Sie verweist die Frau des Raumes, Kulish räumt die bereits eingepackten Waren, darunter Besteck und die begehrte Bettwäsche, wieder zurück ins Regal. Ich höre noch eine kurze Debatte, dann kehrt Ruhe ein. Eher Routine, denn die drei Ehrenamtlichen kennen die Abläufe ganz genau, wissen, welche Kleidergröße wem passt oder wer vielleicht besonderen Zuspruch benötigt.

Leere Kartons statt brauchbarer Kopfhörer

Gegen 15.30 Uhr endet meine Schicht – eigentlich. Doch dann schaue ich noch in einen der Säcke, die Spender abgegeben haben. Er enthält Kuscheltiere über Kuscheltiere. Ganz unten entdecke ich drei Kartons, unter anderem von Kopfhörern. Doch die Freude hält sich bei allen in Grenzen: Die Kartons sind leer. Offenbar hat sich jemand nur die Entsorgung sparen wollen. Mehr Zeit zum Sortieren bleibt vorerst nicht, denn nun kommen Nachzügler, die in den fast leeren Kartons nach einer brauchbaren Spende suchen.

Immer wieder finden sich Müll, in diesem Fall leere Kartons, oder verschmutzte Wäschestücke in den gespendeten Säcken. Quelle: Antje Bismark

Ab Freitag beginnt für das Team die neue Woche: Kisten aus den Regalen holen, am Montag die Spenden entgegennehmen, am Dienstag und Mittwoch sortieren, am Donnerstag ausgeben. Danach geht es in die Sommerpause – aber hinter den Kulissen bereiten sich Grabietz, Armbrecht und Kulish auf die neue Saison vor. Bademoden kommen weg, Strickjacken wieder raus. Ein Ansporn für mich, einmal den Kleiderschrank zu durchforsten: Denn gefragt, das habe ich erlebt, sind gute, gebrauchte Sachen mehr als ich es erwartet habe.

Lesen Sie dazu auch

Von Antje Bismark

Insgesamt 641 Kilogramm Plastikdeckel hat die Jugendfeuerwehr Ramlingen-Ehlershausen in den vergangenen drei Jahren gesammelt – damit finanzieren sie über eine Rotary-Aktion 641 Impfungen gegen Polio.

06.07.2019

Das Klärschlamm-Lager, das die Stadt bauen will, bewegt viele Burgdorfer und sorgt in den sozialen Medien für Debatten. Ein Lehrer will das Vorhaben mit einem Bürgerbegehren kippen. Die CDU-FDP-Ratsgruppe unterstützt das.

12.07.2019

Die Jugendpflege der Stadt Burgdorf bietet in den Sommerferien wieder viele Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an. Anmeldungen sind noch möglich.

12.07.2019