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Nachrichten Vom Acker zum Supermarkt – In weniger als einer Stunde
Region Burgdorf Nachrichten Vom Acker zum Supermarkt – In weniger als einer Stunde
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18:27 23.07.2019
Für Marc Krull und seine Mitarbeiter beginnt jetzt die Ernte der Buschbohnen. Quelle: privat
Otze/Thönse

Wer in einem der acht Cramer-Edeka-Märkte in Großburgwedel, Burgdorf, Lehrte und Uetze einen Kohlrabi oder eine Schmorgurke kauft, erwirbt Gemüse mit kurzem Transportweg zwischen Produzent und Kunden. Noch kürzer fällt der Weg für Kunden aus, die an der Milchtankstelle auf dem Hof Büchtmann in Thönse die frische Milch zapfen. „Die Verbraucher legen zunehmend mehr Wert auf regionale Produkte“, sagt Marc Krull, der mit seinem Vater Friedrich-Wilhelm den traditionellen Familienbetrieb in Otze leitet.

Familienbetrieb baut vor allem Gemüse an

Die Supermärkte reagieren auf den Kundenwunsch – und dennoch, wissen Produzenten und Händler gleichermaßen, landen vor allem Obst und Gemüse gleich tonnenweise im Müll. Auch Krull und seine Lebensgefährtin Laura Pribbernow verfolgen die Zahlen über die Verschwendung von Lebensmitteln, schließlich produziert der Hof fast 5000 Tonnen Gemüse im Jahr. Buschbohnen und Zucchini, Kartoffeln und Markerbsen, Kohlrabi und Kürbis wachsen auf den Feldern der Gemarkung Otze. „Darauf liegt unser Schwerpunkt“, sagt Krull. Hinzu kämen noch Getreide und Zuckerrüben.

Dabei vermarktet die Landwirtsfamilie ihre Produkte nicht in einem Hofladen, sondern beliefert ausschließlich einige Wochenmärkte und Supermärkte in der Region Hannover und in angrenzenden Landkreisen. „Bei uns gibt es keinen Industrieanbau, wir reagieren gezielt auf die Nachfrage“, sagt Krull,der nach seiner Ausbildung zum Landwirt noch ein Bachelorstudium Agrarwirtschaft angeschlossen hat, um den 1781 gegründeten Hof als Betriebsleiter weiterführen zu können.

Marc (links) und Friedrich-Wilhelm Krull bauen auf ihrem Hof auch Schmorgurken an. Quelle: privat

Buschbohnen: Vlies gegen Kälte, Kühlung gegen Hitze

Mit zwei fest angestellten Mitarbeitern und bis zu 13 Saisonkräften baut er das Gemüse an, dazu gehören frühe Kartoffeln wie Annabelle und Leyla sowie späte Sorten wie Allians und Gala. „Damit bieten wir das ganze Jahr über Kartoffeln an – 365 Tage im Jahr“, sagt er. Das Wetter muss er dabei stets im Blick behalten. Gerade Buschbohnen seien besonders anfällig. „Wird es zu kühl, decken wir die Pflanzen mit Vlies ab. Wird es zu heiß, müssen wir sie kühlen, damit sie nicht weich werden.“ Um permanent frische Ware liefern zu können, drillt und bestellt Krull mit seinem Team jede Woche ein neues Feld. Damit ernte er auch kontinuierlich. „Wenn die Einheiten zu groß werden, verdirbt die Ware.“ Sie wäre dann ein Fall für die Tonne – aber genau das will der Landwirt vermeiden.

Um flexibler reagieren zu können, lässt er ein weiteres Kühllager errichten. Die Halle soll bis zur Kürbisernte stehen, denn die Nachfrage nach den Früchten steige von Jahr zu Jahr. Deshalb nehme der Anbau inzwischen auch einen breiteren Raum ein. Für Krull und Pribbernow ist dies ein klassisches Beispiel für die schnelle Abstimmung zwischen Händlern und Produzenten – ebenso wie für die ökologische Verpackung von Kartoffeln. „In den Märkten gibt es die klare Rückmeldung von den Verbrauchern, die uns dann zeitnah erreicht“, sagt Krull mit Verweis auf die eben sehr kurzen Wege.

Bewusster Einkauf an der Milchtankstelle

Diese sind in Thönse zwischen Verbraucher und Kunden noch kürzer: Wer Milch benötigt, zapft sich diese an der Tankstelle. Dort gibt es zudem Kartoffeln, Eier, Honig, Marmelade und Dosenwurst aus eigener Herstellung sowie Grillfleisch von einem Schlachter aus der Wedemark. „Die Menschen entscheiden sich ganz bewusst für einen Einkauf bei uns“, sagt Inhaberin Mareike Büchtmann. Die Verbraucher kämen rund um die Uhr, manche stoppten auf dem Heimweg, andere nutzten den Einkauf als Familienausflug am Wochenende und schauten sich gleich noch die Kälber an.

Regional und frisch – das seien zumeist die Gründe für den Einkauf auf dem Bauernhof. „Bei uns bekommen die Kunden nicht große Mengen billig“, sagt sie, denn letztlich sei der Hof kein Discounter. „Das wissen unsere Kunden, die deshalb sicherlich auch bewusster mit Lebensmitteln umgehen“, sagt Büchtmann. Ihre Milchtankstelle hatte sich nach dem Start 2016 schnell etabliert.

Hauswirtschaften als gesellschaftliche Aufgabe

Dieses Bewusstsein wünschen sich Krull und Pribbernow bei allen Kunden, die vorschnell Obst und Gemüse entsorgen – ohne über mühevolles Anbauen und Ernten nachzudenken. „Die Kunden haben einen hohen Anspruch, den wir erfüllen, doch das wird oftmals nicht genügend gewürdigt“, sagt Krull. Für Pribbernow spiegelt sich darin ein gesellschaftlicher Wandel. „Unsere Großeltern haben keine Nahrungsmittel weggeworfen, weil diese noch einen anderen Wert hatten.“

Sich darauf zu besinnen sei eine Aufgabe von Familien und Schulen gleichermaßen. „Sicherlich hilft Hauswirtschaftsunterricht dabei zu zeigen, dass Lebensmittel vielfältig verarbeitet werden können“, sagt die angehende Landwirtin. Um Nahrung wertschätzen zu können, sollten schon Kindergarten- und Grundschulkinder mehr Kontakt zu den Produzenten bekommen. „Dann sehen sie wie viel Arbeit für die Ernte von Obst und Gemüse notwendig ist.“

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