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Nachrichten Ausstellung zum Schwarzen Herzog im Stadtmuseum eröffnet
Region Burgdorf Nachrichten Ausstellung zum Schwarzen Herzog im Stadtmuseum eröffnet
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16:20 07.07.2019
Der Schauspieler Andreas Jäger ist in die Rolle des Schwarzen Herzogs geschlüpft und erzählt aus dessen Leben. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Burgdorf

Der Burgdorfer Bürgermeister Alfred Baxmann hat am Sonnabend im Stadtmuseum die Ausstellung „Als der Schwarze Herzog nach Burgdorf kam“ eröffnet. Beim Auftakt sorgten nicht nur die Exponate wie ein Biwakzelt, eine Kanone und Waffen aus der napoleonischen Zeit für historisches Flair. In die Rolle des Schwarzen Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels war der Schauspieler Andreas Jäger geschlüpft – er erzählte aus dem Leben des Freiheitskämpfers, der am 2. August 1809 auf der Flucht nach England vor den Toren Burgdorfs mit seinem Freikorps, der Schwarzen Schar, lagerte. Außerdem waren Mitglieder der Vereine, die die Ausstellung zusammengestellt hatten, in historischen Uniformen erschienen, wie sie Soldaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts getragen haben.

Die Akteure sehen ihr Hobby als Beitrag zur lebendigen Geschichte. „Wir stellen historische Ereignisse nach – nicht nur Schlachten“, sagt der Hamburger Thorsten Morgendahl vom Verein King’s German Legion. Dazu träfen sich die Mitglieder bei Veranstaltungen im In- und Ausland, erklärt Andre Kolars vom Herzoglich-Braunschweigischen Feldcorps. „Unsere Veranstaltungen haben historischen Bezug und finden da statt, wo es früher Schlachten und andere Ereignisse gab“, sagt der Braunschweiger. Dort baue man dann ein Feldlager auf, koche am offenen Feuer und stelle vor allem Schlachten nach. Die Treffen seien immer auch ein Gedenken an ein historisches Geschehen, fügt Jens Kalle von den Buckskinners Otze hinzu, der bei der Ausstellungseröffnung die Einführungsrede hielt.

Alljährliches Gedenken an Gefecht bei Ölper

„In Ölper wird immer am 1. August des dortigen Gefechts gedacht“, sagt Kalle. Am 1. August 1809 hatte in dem Dorf bei Braunschweig eine zahlenmäßig weit überlegene Division des Königreichs Westphalen der Schwarzen Schar des Herzogs Friedrich Wilhelm gegenübergestanden. Die Soldaten von Napoleons Bruder Jerome konnten den Schwarzen Herzog aber nicht besiegen und auch seinen Zug zur Nordsee nicht aufhalten.

Man sei zur Ausstellungseröffnung in Burgdorf gekommen, weil der Schwarze Herzog am Tag nach dem Gefecht den Ort erreicht und vor der Stadt mit seinem Freikorps gelagert habe, sagt Morgendahl. „Sie haben keine Zelte aufgeschlagen, sondern auf dem Boden geschlafen“, weiß Kolars zu berichten. Für das Wochenende vom 2. bis zum 4. August ist daher ein nichtöffentliches Biwak auf dem Buckskinners-Gelände an der Immenser Landstraße geplant. „Das ist fast der historische Ort“, sagt Kalle. Am Sonnabend, 3. August, werden die Teilnehmer um 12 Uhr am Denkmal, das an der Kreuzung Uetzer/Immenser Straße an Herzog Friedrich Wilhelm erinnert, einen Kranz niederlegen. „Ab 14 Uhr sind wir im Museum“, kündigt Kalle an. Vor dem Haus wollen sie dann historische Darstellungen zeigen. Ein zweiter Aktionstag im und am Museum ist für Sonntag, 4. August, von 11 bis 17 Uhr geplant.

Unterstützung aus der Bevölkerung

Kalle ist von der militärischen Leistung des Schwarzen Herzogs beeindruckt. „Er hat 2000 Leute ohne große Verluste durch Feindesland gebracht“, sagt er. „Was sie erleiden mussten, nötigt mir Respekt ab“, fügt Kolars hinzu. Auf dem Weg von Ölper nach Elfsfleth, wo die Schwarze Schar am 7. August englische Schiffe bestieg, habe der Herzog mit seinen Männern an jedem Tag im Schnitt etwa 50 Kilometer zurückgelegt, erzählt Kalle. Auch wenn die Schwarze Schar nicht die ganze Strecke zu Fuß gelaufen sei und wie in Burgdorf auch anderenorts Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten habe, sei das eine enorme Leistung gewesen. Die Männern hätten zum Beispiel Verpflegung und Fuhrwerke samt Kutscher gestellt bekommen. Friedrich Wilhelm habe den Unterstützern Bescheinigungen ausgestellt, dass sie unter Zwang geholfen hätten, damit sie keine Repressalien befürchten mussten, berichtet Kalle.

Kritisch setzte sich Burgdorf Bürgermeister Alfred Baxmann während der Eröffnung mit dem Schwarzen Herzog auseinander. Dieser habe als Freiheitskämpfer nicht für Einigkeit, Recht und Freiheit gestanden, betonte er. Vielmehr habe dieser die alten feudalen Verhältnisse wieder herstellen wollen.

Information: Die Ausstellung wird bis zum 11. August im Stadtmuseum gezeigt. Es ist sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

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Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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