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Region Burgdorf Nachrichten Bei der Tafel gibt es kein Sommerloch
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00:16 03.07.2018
Helena Libera, Dagmar Bock und Rainer Mehnert sortieren die Lebensmittelspenden für die Ausgabe der Burgdorfer Tafel. Quelle: Sandra Köhler
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Burgdorf

Paulusgemeindezentrum, Sonnabend, kurz nach 11 Uhr: Brot, Wurst, Gemüse, Joghurt ausladen und sortieren. Noch haben Helena Libera, Dagmar Bock, Rainer Mehnert und all die anderen Helfer der Burgdorfer Tafel viel zu tun, bevor sich die Türen des Gemeindehauses für die Lebensmittelausgabe öffnen. Doch die ersten stehen schon da, warten, halten ein Schwätzchen. „Die Stimmung ist gut. Das hier ist irgendwie zur Kommunikationsbörse geworden“, sagt Thomas Wortmann, Vorsitzender der Tafel und sagt schmunzelnd: „Wenn wir mal vergessen, die Aschenbecher rauszustellen, klopfen sie an die Tür und fragen nach.“ Vom alleinstehenden Mann über die Seniorin mit kleiner Rente bis hin zu Familien mit mehreren Kindern und Geflüchteten reicht die Spanne derer, die die Tafel aufsuchen. 140 bis 150 Familien mit durchschnittlich drei Personen werden versorgt.

Mit dem, was die 65 aktiven Helfer im Alter von 16 bis 85 Jahren aus Supermärkten, Dorfläden und anderen Geschäften aus der Umgebung abholen. „Wir bedanken uns für die tolle Unterstützung: Was wir an Waren bekommen, hat Topqualität“, sagt Wortmann. Da die Burgdorfer Tafel im Gegensatz zu anderen Tafeln keine eigenen Räume hat, sondern die der Kirchengemeinde nutzen darf, kann nur ausgegeben werden, was an jedem Sonnabend abgeholt wird. „Das ist mal mehr, mal weniger. Und manchmal ist es auch wenig Weißbrot und Fleisch, das von Schweinen stammt. Aber wir leben nun mal in Deutschland“, ergänzt seine Stellvertreterin Manuela Haacke. „Außerdem ist das, was wir ausgeben, als Unterstützung, nicht als Vollverpflegung gedacht,“sagt Wortmann. Damit es gerecht zugeht, ziehen die Klienten Nummern. So kommt jeder mal früher und mal später an die Reihe. „Und damit kommen auch alle ganz gut zurecht.“

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Ein neues festes Lager in der Nähe, in dem neben Verbrauchsmaterialien auch haltbare Lebensmittel untergebracht werden können, steht immer noch auf der Wunschliste der Ehrenamtlichen. „Wir deshalb sind in guten Gesprächen mit der Stadt“, sagt Wortmann. Das alte Lager hatte aufgegeben werden müssen, das aktuell genutzte hat ebenfalls die der Tafel sehr verbundene Familie Malik zu Verfügung gestellt. „Das ist aber nur eine Übergangslösung“, sagt Haacke. Wenn es mit der Stadt zu einer Einigung gekommen sei, könne man gut Hilfe bei der Gestaltung brauchen, blickt Wortmann bereits in die Zukunft. Etwa mit Leuten, die anpacken, oder gespendeten Regalen. Doch noch ist es nicht so weit. Immer gesucht sind aber weitere Helfer. Egal ob jeden Sonnabend oder einmal im Monat: Wer mitmachen will, ist willkommen. Von 9 bis gegen 17 Uhr wird Ware abgeholt, sortiert und ausgegeben. „Aber keiner muss den ganzen Tag da sein“, sagt Wortmann: „Wir teilen uns in zwei Schichten auf. Wichtig ist ja, dass man für sich selbst auch etwas Gutes mitnimmt aus seinem Ehrenamt.“

Von Sandra Köhler