Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Inklusion in Holtensen: „Hier spüren wir, dass wir dazugehören“
Region Barsinghausen Nachrichten Inklusion in Holtensen: „Hier spüren wir, dass wir dazugehören“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 26.06.2019
Joanna Starke (Zweite von rechts) und Jens Künzler (Dritter von links) erläutern die Arbeit der Lebenshilfe in Holtensen. Quelle: Frank Hermann
Anzeige
Holtensen

Auf dem ehemaligen Jahnke-Hof in Holtensen bietet die Lebenshilfe Seelze vielfältige Unterstützung für Menschen mit Behinderungen an. Dazu gehören ein Wohnbereich für derzeit 28 Personen sowie Arbeitsmöglichkeiten für mehr als 80 Personen mit und ohne Beeinträchtigungen. Ziel ist die Teilhabe behinderter Menschen in größtmöglicher Selbstbestimmung am gesellschaftlichen Leben.

Eine lange Warteliste

Joanna Starke leitet die Wohnstätte auf dem 2003 sanierten Hofgelände mit derzeit 28 Bewohnern im Alter von etwa 25 bis über 70 Jahren. Rund 20 Heilerziehungspfleger, Erzieher, Altenpfleger und weitere qualifizierte Kräfte kümmern sich um deren Rund-um-die-Uhr-Betreuung in drei familienähnlichen Gruppen. „Wir haben eine lange Warteliste. Denn es besteht ein sehr großes Interesse daran, hier einen Wohnplatz zu bekommen“, sagt die Leiterin.

Anzeige

Darüber hinaus bietet die Lebenshilfe Seelze in ihrer Außenstelle Holtensen rund 80 Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung. Dazu gehören zwei Montagegruppen im Werkstattbereich des Hofgeländes, die Gärtnerei und der Biolandbetrieb Lebensgrün sowie das erst 2016 eröffnete LebensArt-Café mit Hofladen und Seminarräumen im neu aufgebauten Torhaus – dem ersten Inklusions-Café im Calenberger Land mit 15 Arbeitsplätzen für Service und Verkauf.

Wohnen und Arbeit getrennt

Die Zusammenarbeit klappt laut Starke ganz hervorragend. Alle Mitarbeiter erfüllen je nach den individuellen Fähigkeiten ihre Aufgaben innerhalb eines Teams. Dabei gilt: Wer auf dem Hofgelände wohnt, sollte seinen Arbeitsplatz an einem anderen Lebenshilfe-Standort haben: „Wir streben eine räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten an“, betont Joanna Starke bei einem Besuch von Barsinghäuser FDP-Politikern in Holtensen.

Nach Einschätzung des Parteivorsitzenden Norbert Wiegand stellt die Lebenshilfe ein Vorzeigeprojekt für Inklusion dar. Für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, die einen besonderen Schutz der Gemeinschaft benötigten, werde somit das Recht auf Arbeit und Beschäftigung sowie auf inklusive Bildung, Wohnen und Mobilität gesichert.

Lebenshilfe-Werkstattleiter Jens Künzler rief bei einer Führung über das Gelände dazu auf, die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe behinderter Menschen mit ihren ganz individuellen Folgen zu betrachten. „Wir müssen sehen: Was bedeutet das ganz konkret für den Einzelnen? Das gibt es Vor- und Nachteile. Für Menschen, die bei uns wohnen und arbeiten, muss Teilhabe anders gedacht werden“, sagte Künzler.

Zunehmende Verrohung

Als Beispiel nannte der Werkstattleiter eine zunehmende Verrohung innerhalb der Gesellschaft, die sich auch im Umgang mit geistig beeinträchtigten Menschen offenbare: häufig in Beschimpfungen und Herabwürdigungen. So sei eine Gruppe der Lebenshilfe jüngst in einem Seelzer Lokal dazu aufgefordert worden, in einen hinteren Bereich zu wechseln – um andere Gäste nicht durch ihre Anwesenheit zu belästigen. „Auf sich allein gestellt, wären viele unserer Mitarbeiter und Bewohner mit solchen Situationen überfordert“, sagt Künzler.

In Holtensen sei die Lebenshilfe dagegen mit ihren Bewohnern und Mitarbeitern ein akzeptierter Teil der Dorfgemeinschaft. „Hier spüren wir, dass wir mit unseren Leuten dazugehören und am Leben in der Gesellschaft teilhaben“, erklärt Joanna Starke.

Alles Wichtige aus Barsinghausen direkt per WhatsApp aufs Handy: Melden Sie sich jetzt kostenlos an

Sie wollen immer über das Wichtigste in Barsinghausen informiert werden? Oder haben Sie eine Frage? Dann fragen Sie Lisa! HAZ-Redakteurin Lisa Malecha kümmert sich und versorgt Sie so schnell es geht mit einer Antwort – direkt per WhatsApp auf ihr Handy. Öffnen Sie dazu ganz einfach diesen Link auf Ihrem Smartphone:

„Frag Lisa!“ Hier tippen und beim kostenlosen WhatsApp-Newsletter mitmachen.

Wer ist Lisa?

„Frag Lisa!“ ist der neue Service der HAZ für alle Menschen in Barsinghausen. Lisa Malecha ist HAZ-Reporterin in Barsinghausen, arbeitet täglich vor Ort und kennt sich in allen aktuellen Themen aus – und steht ab sofort in noch besserem Austausch mit allen Bewohnern der Stadt. Oder schicken Sie Lisa doch einfach eine Mail an lisa.malecha@haz.de

Von Frank Hermann